Der Chef der Swatch-Gruppe, Nick Hayek, hat sich wiederholt beklagt über die aus seiner Sicht zu passive Haltung der Schweizerischen Nationalbank gegenüber dem starken Franken. Nun zeigt er sich erleichtert, dass die SNB wenigstens ein Zeichen setzt, wie er im Gespräch erklärt.
SRF News: Das Geschäft der Swatch-Gruppe ist schon besser gelaufen – beim Reingewinn mussten Sie ein Minus von fast 90 Prozent verbuchen. Ist es nicht billig, jetzt einfach den Fehler bei der Nationalbank zu suchen?
Nick Hayek: Wir suchen nicht Fehler irgendwo anders, aber wir sprechen Probleme an.
Sie werfen der Nationalbank vor, sie unternehme zu wenig gegen den starken Franken.
Ja, ich gebe Ihnen ein Beispiel: In den ersten zwei Monaten von 2026 haben wir ein zweistelliges Wachstum verzeichnet, in den jeweiligen lokalen Währungen. In Schweizer Franken aber haben wir 120 Millionen weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. Das zeigt: die Geschwindigkeit, mit der der Franken stärker wird gegenüber anderen Währungen ist unglaublich. Für uns ist das verkraftbar. Wir haben eine starke Bilanz. Aber für die kleinen und mittleren Unternehmen oder auch der Tourismus in der Schweiz ist es wichtig, dass der Schweizer Franken nicht ein Objekt von Spekulation ist und unberechenbar wird.
Die Nationalbank hat am Donnerstag aber erhöhte Interventionsbereitschaft signalisiert. Reicht das nicht?
Ich bin kein Notenbanker. Ich nehme zur Kenntnis, dass man jetzt, nachdem sehr viel darüber geredet worden ist, das Problem sieht. Überlegen wir mal, wie wichtig die Industrie für unser Land ist – viele sind sich dessen nicht mehr bewusst. Man kennt Dienstleistungsunternehmen, Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen – aber Fabriken, die Produkte herstellen, kennt man in vielen Kantonen fast nicht mehr. Darum ist es ja wichtig gewesen, dass wir uns gemeldet haben.
In Bern spricht man nur über Zölle, aber das echte Problem ist der Schweizer Franken.
Die Nationalbank hat jedoch nicht unbegrenzte Möglichkeiten. Wir haben es bei der Euro-Franken-Untergrenze erlebt. Da hat sie massiv interveniert und musste am Ende aufgeben.
Ja, aber sie hat damals etwas probiert. Schauen Sie, es gibt keine fertigen Rezepte für solche Fälle, aber in der stabilen Schweiz mit ihren stabilen Verhältnissen brauchen wir auch einen stabilen Franken. Heute ist unsere Währung ein Spekulationsobjekt.
Was würden Sie dem Nationalbankpräsidenten denn konkret raten?
Ich bin kein Professor, der ihm sagen könnte, was er machen soll. Ich hätte einfach erwartet, dass er ein ganz starkes Statement macht und sagt: Jawohl, wir sind uns der Risiken bewusst und wir werden mit allen unseren Mitteln reagieren.
Dass die Nationalbank öffentlich erhöhte Interventionsbereitschaft signalisiert, ist etwas, das sie selten tut, ein klares Zeichen an die Märkte. Sie sagen aber, es reiche immer noch nicht.
Nein, ich sage nicht, es reicht nicht. Ich habe ja gesagt, es ist positiv, dass es eine Reaktion gibt.
Wie erklären Sie sich, dass Sie der einzige sind, der sich lautstark beschwert hat?
In der Westschweiz haben viele kleinere und mittlere Unternehmen schon lange nach Hilfe gerufen. Sie sagen, sie müssten ihr Geschäft verlagern, aus der Schweiz wegziehen. Aber diese Unternehmen hat man in der Deutschschweiz nicht gehört. In Bern spricht man nur über Zölle, aber das echte Problem für die Schweiz ist der Schweizer Franken. Darum habe ich mich gemeldet.
Das Gespräch führte Klaus Ammann.