Nokia ist oberflächlich betrachtet der Inbegriff einer gescheiterten Marke: Einst marktführend bei den mobilen Telefongeräten und dann verschwand das finnische Unternehmen von der Bildoberfläche – vorübergehend. Das Unternehmen hat sich aber neu orientiert und feiert ein bemerkenswertes Comeback. Es ist kein Einzelfall. Vier Beispiele die zeigen, wie die Welle von künstlicher Intelligenz auch alten Marken neuen Schub bringt.
Nokia, der Star der 1990er-Jahre
Der Aktienkurs von Nokia ist so etwas wie ein Spiegel der Firmengeschichte und zeigt eindrücklich das Auf und Ab der letzten 30 Jahre. Vorübergehend kletterte der Kurs auf über 60 Euro.
Nach dem Platzen der Blase vor 25 Jahren brach der Kurs um 80 Prozent in die Tiefe. Zumindest an der Börse hat sich das Unternehmen nie vollständig erholt. Nokia galt als Beispiel einer Firma, die den technischen Wandel verpasste. Apple verdrängte mit seinem iPhone den finnischen Konkurrenten.
An der Börse verharrte Nokia viele Jahre im Loch – bis jetzt. Im laufenden Jahr steigt der Nokia-Aktienkurs um mehr als 100 Prozent. Das Unternehmen profitiert von einer Flut von Aufträgen für den Bau von Infrastruktur im Bereich der KI. Nokia baut IT- und Telekommunikationsnetzwerke, wie zum Beispiel Verbindungen zwischen den Datenzentren. Bei Nokia arbeiten inzwischen fast 78'000 Personen.
Dell mit spektakulärem Comeback
Dell kennt man vor allem als Unternehmen, das Computer, Notebooks und Monitore verkauft. Auch diese Firma war zwischenzeitlich in einer existenziellen Krise. Das war in den Jahren von 2008 bis 2013, als das klassische PC-Geschäft einbrach. Mehr als 20'000 Angestellte verloren die Stelle. Danach wurde Dell reorganisiert.
Dell baut neben dem angestammten Geschäft auch Rechenzentren, Cloud-Strukturen und Netzwerke. Im letzten Quartal verdreifachte das Unternehmen den Gewinn auf mehr als drei Milliarden Dollar. Der Dell-Aktienkurs ist im laufenden Jahr um 200 Prozent nach oben geklettert.
Hewlett-Packard findet den Weg zurück nach Aufspaltung
HP ist ähnlich wie Dell ein Hersteller von Computern. Vor 10 Jahren war die Krise so gross, dass das Unternehmen aufgespalten wurde, in HP Inc. und in Hewlett Packard Enterprise (HPE). Dabei wurden bis zu 30'000 Stellen gestrichen.
Insbesondere HPE floriert nun, das Unternehmen baut Server und Cloudsysteme. HPE vermeldet eine explosionsartige Nachfrage. Im vergangenen Quartal machte HPE einen Umsatz von zehn Milliarden Dollar, ein Anstieg von 40 Prozent. Der HPE-Aktienkurs klettert im laufenden Jahr um fast 100 Prozent nach oben.
Texas Instruments: Mehr als nur Taschenrechner
In der breiten Öffentlichkeit kennt man Texas Instruments (TI) vor allem als Verkäufer von Taschenrechnern. Das grosse Geld verdient das Unternehmen allerdings mit Halbleitern und Prozessoren, unter anderem für die Industrie, Autobranche und Rechenzentren.
Auch Texas Instruments befand sich mehrmals in existenziellen Krisen. Zum Beispiel in den 1980er-Jahren, als das Unternehmen einen viel zu teuren Computer auf den Markt brachte. Und nach dem Platzen der Internetblase brach der Aktienkurs um mehr als 80 Prozent ein. Aktuell profitiert auch TI vom massiven Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen liefert die Technik für die Stromversorgung, die Aktie liegt im laufenden Jahr mit 70 Prozent im Plus.
Die vier Beispiele zeigen, dass die Techbranche anfällig ist für Schwankungen. Derzeit verzeichnet die künstliche Intelligenz einen Boom, mit Rückschlägen ist allerdings zu rechnen.