Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Iran-Krieg und Finanzmärkte Wie die Kriegsparteien versuchen, die Finanzmärkte zu steuern

Die Zwischenbilanz an den Finanzmärkten zeigt: Der Ölpreis klettert zwar nach oben, der Crash an der Börse bleibt aber aus. Mit eine Rolle spielt die psychologische Kriegsführung.

Die ersten zwei Kriegswochen zeigen ein Muster. Die Kriegsparteien sind in einen Rausch der Zerstörungswut verfallen. Der Iran versucht mit Angriffen und Nadelstichen die globalen Finanzmärkte zu destabilisieren. Die US-Regierung andererseits reagiert auch mit Worten und platziert bewusst Aussagen, mit welchen ein Crash an der Börse und ein weiterer Anstieg der Energiepreise verhindert werden soll.

Extreme Schwankungen

Beide Seiten versuchen, vor allem den Ölpreis zu steuern. So begann der Rohstoffhandel diese Woche mit einem Knall: Am Montagmorgen kletterte der Ölpreis sprunghaft nach oben auf bis zu 119 Dollar pro Fass im Handel von London, viel mehr als zu Beginn des Krieges.

Die Internationale Energieagentur in Paris reagierte mit einer Ankündigung, die Ölreserven freizugeben, was zu einer ersten Beruhigung führte. Danach folgte die Ankündigung von Donald Trump, dass der Krieg nahezu abgeschlossen sei. Dies war eine bewusste Botschaft an die Finanzmärkte und Teil der psychologischen Kriegsführung.

US-Navy ja oder nein

Die für die Finanzmärkte entscheidende Frage ist, wann und ob die Öltanker die Strasse von Hormus wieder passieren können. Am Dienstag publizierte die US-Regierung eine Kurznachricht des Energieministers Chris Wright auf X, wonach die US-Navy erfolgreich einen Öltanker durch die Strasse von Hormus eskortiert habe.

Allein dieser Post führte dazu, dass der Ölpreis innerhalb kürzester Zeit von 85 Dollar pro Fass auf 78 Dollar sank. Kurz danach wurde die Nachricht von der Plattform gelöscht, es war eine Falschmeldung, und der Ölpreis stieg erneut auf 86 Dollar. Das Beispiel zeigt, wie sensibel der Markt auf solche Meldungen reagiert. Worte spielen eine Rolle.

Fernsehbildschirm
Legende: US-Energieministerium verbreitet Falschmeldung, die Meldung verbreitet sich in Windeseile auf allen Nachrichtenkanälen wie auch auf CNBC. Manuel Rentsch

Zum Schluss der Woche geht die psychologische Kriegsführung weiter. So schreibt der geistliche Führer des Irans, Modschtaba Chamenei: «Die Möglichkeit, die Strasse von Hormus zu schliessen, muss unbedingt weiterhin genutzt werden.» Die Antwort aus den USA folgte postwendend von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Er liess verlauten, dass Chamenei verwundet und vermutlich entstellt sei.

Massiver Schaden in Golfstaaten

Mit Worten und Angriffen will der Iran nicht nur ein Chaos an den Finanzmärkten, sondern auch wirtschaftlichen Schaden in den Golfstaaten anrichten und so den Druck erhöhen. An den Aktienmärkten hat es die Börse von Dubai am heftigsten getroffen. Der Aktienindex Dubai Financial Market (DFM) ist innerhalb von zwei Wochen um 19 Prozent eingebrochen.

Die grössten Verluste verzeichnen die Immobiliengesellschaften wie zum Beispiel Emaar Properties mit einem Kurseinbruch von 34 Prozent und Parkin Company (-25 Prozent), gefolgt von den Banken (Emirate Bank -26 Prozent) und Versicherungen.

An der Schweizer Börse wiederum gibt es ebenfalls einen Dämpfer, wobei die Kurse nach wie vor relativ hoch sind. Seit Beginn des Irankrieges hat der Swiss Market Index rund 8 Prozent verloren.

Nach zwei Wochen Krieg hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Strasse von Hormus nicht so rasch für den Schiffsverkehr geöffnet werden kann. Und so bewegt sich der Ölpreis im Handel von London um die Marke von 100 Dollar, das sind 36 Prozent mehr als unmittelbar vor dem Angriff der USA und von Israel.

SRF 4 News, 13.3.2026, 16:12 Uhr;herb

Meistgelesene Artikel