- Die Schweiz beteiligt sich vorerst nicht an der freiwilligen Freigabe von Ölreserven der Internationalen Energieagentur (IEA).
- Zurzeit sei die Schweiz mit Mineralölprodukten gut versorgt, begründet der Bund seine Entscheidung.
Der Krieg im Iran führt zu grossen Turbulenzen am Ölmarkt. Als Reaktion darauf empfahl die Internationale Energieagentur ihren 32 Mitgliedsstaaten am Mittwoch, einen Teil der nationalen Ölreserven freizugeben. Durch die Freigabe von insgesamt 400 Millionen Fass Rohöl sollte der Ölpreis wieder stabilisiert werden.
Ölversorgung in der Schweiz gesichert
Trotz angespannter Lage im Nahen und Mittleren Osten besteht laut Einschätzung des Bundes aktuell keine Notwendigkeit, die Reserven anzuzapfen.
«Zurzeit ist die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten sichergestellt. Der Bundesrat könnte bei einer erklärten oder unmittelbar drohenden schweren Mangellage die Freigabe von Pflichtlagern anordnen. Für freiwillige Massnahmen wie jene der IEA gibt es allerdings keine gesetzliche Grundlage, um ausserhalb einer schweren Mangellage Pflichtlager freizugeben», sagt ein Sprecher des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung auf Anfrage von SRF.
Die Lage werde jedoch genau verfolgt und bei Bedarf würde der Bund aktiv werden. Ausserdem habe die Schweiz als IEA-Mitgliedstaat kein Veto gegen den Vorschlag der Internationalen Energieagentur eingelegt.
Unterschiedliche Reaktionen auf IEA-Empfehlung
Im Gegensatz zur Schweiz haben mehrere IEA-Mitgliedsländer bereits angekündigt, sich an der freiwilligen Freigabe zu beteiligen. Deutschland will rund 19.5 Millionen Fass Öl aus den nationalen Reserven freigeben.
Ausserdem sollen Tankstellen nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Dadurch sollen Preisschwankungen abgefedert werden.
Eine ähnliche Linie verfolgt Österreich. Die Regierung in Wien teilte mit, dass sie sich ebenfalls an der Freigabe beteiligen wolle. Ausserdem sollen Preiserhöhungen für Sprit künftig nur noch an drei Tagen pro Woche möglich sein.
Keine Beruhigung bei den Öl- und Gaspreisen
Die Freigabe strategischer Ölreserven zeigte bislang keine entspannende Wirkung auf die Finanzmärkten. Sorgen vor einer dauerhaften Blockade der Strasse von Hormus halten die Preise auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Die Handelsstrasse gehört zu den wichtigsten Seerouten des internationalen Ölhandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert unter normalen Umständen täglich die Meerenge.
Zwischenzeitlich überschritt der Wert für ein Fass Rohöl die Hundert-Dollar-Marke.
Zuletzt wurde diese Marke vor vier Jahren, zu Beginn des russischen Angriffkriegs auf die Ukraine, übertroffen.
Besonders gravierend dürften die Folgen derweil für Asien sein. Vier von fünf Ölfässern, die die Strasse von Hormus passieren, gehen nach IEA-Angaben dorthin. Viele Aktienmärkte in Asien gingen infolge der steigenden Ölpreise bereits auf Talfahrt, etwa in Japan.