Worum geht es? Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore hat heute seine Jahresergebnisse vorgestellt. Demnach verzeichnete der Konzern mit knapp 248 Milliarden Dollar gut sieben Prozent mehr Umsatz. Unterm Strich erzielte Glencore einen Gewinn von 360 Millionen Dollar, nachdem die Firma im vergangenen Jahr einen Verlust von 1.6 Milliarden eingefahren hatte. Konzernchef Gary Nagle sagte, man sehe vor allem im Energie- und Kohlegeschäft wieder klaren Auftrieb durch höhere Preise.
Warum scheiterte die Fusion mit Rio Tinto? Gary Nagle äusserte sich auch zu der Anfang Februar geplatzten Fusion mit dem grösseren Bergbaukonzern Rio Tinto: Der Zusammenschluss mit dem australisch-britischen Unternehmen sei vor allem an der Bewertung der Aktien gescheitert, die für Glencore nicht gestimmt habe. Die beiden Konzerne hatten zum wiederholten Mal versucht zu fusionieren. Zusammen wären sie zum grössten Rohstoffkonzern der Welt mit einem Börsenwert von über 260 Milliarden Dollar und enormer Marktmacht geworden. Nagle hält es trotzdem für möglich, dass es in Zukunft zu einer Fusion mit Konkurrenten kommen könnte: «No deal is off the table», auf Deutsch: Kein Deal ist vom Tisch. Konsolidierung im Rohstoffmarkt sei sinnvoll und würde die Erträge steigern. Eine Fusion müsse aber Sinn machen, also: Mehrwert für die Aktionärinnen und Aktionäre schaffen.
Warum strebt ein Riesenkonzern wie Glencore überhaupt eine Fusion an? Im Geschäft mit Rohstoffen ist Grösse wichtig. Sowohl der Handel als auch die Produktion sind kapitalintensiv. Je grösser ein Konzern ist, desto bessere Konditionen erhält er bei Banken, die das Geschäft vorfinanzieren. Hinzu kommt, dass der Abbau von Metallen wie Eisen, Aluminium oder Kupfer aufwendig und langwierig ist; die Erschliessung neuer Minen dauert Jahre oder Jahrzehnte. Die Aktionäre wiederum möchten rasch Dividenden sehen. Entsprechend wollen die Konzerne Kosten senken und die Produktivität steigern. Eine Fusion erleichtert das: Firmen können Synergien nutzen, Abteilungen zusammenlegen. Auch ihre Produktpalette wird breiter, womit sie Risiken wie schwankende Preise oder politische Entwicklungen besser abfedern können.
Was hat Glencore anzubieten auf dem «Heiratsmarkt» der Rohstoffkonzerne? Glencore ist traditionell stark im Rohstoffhandel. Allerdings sind die Margen im reinen Handelsgeschäft niedrig. Mehr Gewinn erzielt man mit der eigenen Produktion von derzeit gefragten Rohstoffen wie Kupfer oder Kobalt, weshalb Glencore diesen Bereich weiter stärken will. Vor allem beim Kupfer, das zuletzt Rekordpreise erzielte, will Glencore zum führenden Produzenten aufsteigen und hat im November zahlreiche Erschliessungs- und Ausbauprojekte vorgestellt. Bis 2035 will der Konzern so seine Kupferproduktion verdoppeln – angesichts des Kupferbedarfs bei der Energiewende, aber auch in der wachsenden Rüstungsindustrie eine kommerziell kluge Strategie.
Wollen auch andere fusionieren? Beim Rennen um Marktmacht haben auch schon andere Rohstoffunternehmen den Weg einer Fusion gewählt. Im September schlossen sich die britische Anglo American und der kanadische Konzern Teck Resources zusammen. Zuvor hatte die australische BHP Group versucht, Anglo American zu übernehmen, jedoch erfolglos. Glencore wiederum hatte 2023 Teck übernehmen wollen, ebenfalls ohne Erfolg. Weitere Anläufe dürften folgen.