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Kampf gegen Kilos in Indien Was passiert, wenn das Patent für Abnehmspritzen fällt?

Ende letzter Woche ist in einigen grossen Ländern der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid abgelaufen. Dieser steckt in den bekannten Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy. Der Weg für Generika – also Nachahmerprodukte, die den gleichen Wirkstoff enthalten – ist nun frei. Indien ist nicht nur ein wichtiger Markt für solche Medikamente, sondern auch ein bedeutender Produktionsstandort. Südasien-Korrespondentin Maren Peters schätzt ein, was das für das bevölkerungsreichste Land der Welt bedeutet.

Maren Peters

Südasien-Korrespondentin

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Maren Peters ist seit September 2022 Südasien-Korrespondentin für Radio SRF und berichtet von Indien aus über Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven. Zuvor war sie Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Dabei beschäftigte sie sich insbesondere mit internationaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie Nachhaltigkeits- und Rohstofffragen.

Ist das der Anfang eines Abnehmspritzen-Hypes in Indien?

Das könnte gut sein. Indien hat schon jetzt eine der höchsten Zahlen stark übergewichtiger Menschen weltweit. Schätzungen gehen davon aus, dass es bis 2050 rund 450 Millionen sein könnten. Das wäre rund ein Drittel der jetzigen Bevölkerung. Gleichzeitig wandelt sich das Schönheitsideal: Früher galt ein Kugelbauch in Indien als Zeichen des Wohlstands. Heute gilt es als schön, wenn man schlank ist – wie viele Bollywood-Stars. Das wandelt sich auch, weil Studien klare Zusammenhänge zwischen Bauchfett und Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Herzproblemen zeigen. Entsprechend gross dürfte die Nachfrage sein. Analysten sprechen bereits von einem «Magic-Pill-Moment».

Person erhält Injektion in den Arm in einem Büro.
Legende: Ende der Woche ist in Ländern wie Indien, China und Brasilien der Patentschutz für den Wirkstoff hinter den bekannten Abnehmmedikamenten Ozempic und Wegovy abgelaufen. Der Patentschutz gilt in Europa noch bis 2031. (14.4.2025) Reuters/Almaas Masood

Wie stark könnten die Preise durch Generika sinken?

Sehr deutlich. Erste indische Pharmaunternehmen haben schon am Wochenende billige Nachahmerprodukte lanciert. Diese Abnehmspritzen kosten umgerechnet zwischen 15 und 35 Franken pro Monat. Das ist etwa halb so viel wie bisher in Indien. Mit wachsender Konkurrenz dürfte der Preis weiter sinken. Die Produkte kosten deutlich weniger als in der Schweiz. Hier kostet zum Beispiel Ozempic, eine patentierte Original-Abnehmspritze, über 100 Franken im Monat.

Nahaufnahme eines Injektionsstifts auf einem Tisch.
Legende: Erst der Anfang: Je mehr Anbieter mit Generika auf den Markt drängen, desto stärker dürfte der Preiswettbewerb spielen, desto günstiger könnten die Abnehmspritzen werden. imago images/Jaap Arriens

Besteht die Gefahr von Missbrauch?

Der indische Pharmamarkt ist nicht stark reguliert. Auch rezeptpflichtige Mittel sind ohne Rezept und ärztliche Begleitung ziemlich leicht erhältlich, etwa über Online-Apotheken. Darum gibt es erhebliches Missbrauchspotenzial und das Risiko von falscher Anwendung.

Das Thema Abnehmen in der indischen Gesellschaft

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Neben wachsendem Gesundheitsbewusstsein entsteht ein Markt für Fitness und Wellness, vor allem bei den konsumstarken zehn Prozent der Bevölkerung. Das Bewusstsein, dass Übergewicht gesundheitsschädlich ist, steigt – zumindest bei gut gebildeten Inderinnen und Indern. Gleichzeitig gibt es eine starke Nachfrage nach schnellen Lösungen. Fitnesstrainer oder Hochzeitsplanerinnen bieten bereits Paketlösungen an: Crash-Abnehmen mit Spritze innerhalb von drei Monaten. Auch indische Ärzte warnen jedoch vor Gesundheitsgefahren, etwa bei zu schnellem Abnehmen oder ohne medizinische Begleitung.

Kommen günstige Generika aus Indien bald auch in die Schweiz?

Privatpersonen können diese Generika-Spritzen schon jetzt in Indien einkaufen und mit in die Schweiz nehmen, allerdings nur für den Eigenbedarf und nur für einen Monat. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat bereits vor Bestellungen aus dem Ausland gewarnt. Gerade bei Online-Bestellungen besteht das Risiko von Fälschungen oder qualitativ unzureichenden Präparaten. In Indien gibt es immer wieder Pharmaskandale wegen gepanschter Medikamente. Der Anreiz, bei der Qualität zu schummeln, dürfte umso grösser sein, je grösser der Markt ist.

Heute Morgen, 23.3.2026, 7 Uhr ; 

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