Lob und Kritik aus Polen: In Polen sind diese Woche drei Kampfflugzeuge des Typs F-35 in Betrieb genommen worden, jene Tarnkappenjets, die auch die Schweiz kauft. Polen investiert Milliarden. Anlässlich der Feierlichkeiten lässt eine Aussage des polnischen Vize-Verteidigungsministers Cezary Tomczyk aufhorchen. Er lobt zwar die Technik des Flugzeuges, verweist aber auf die hohen Kosten. Allein die Helme für die Piloten kosten laut seinen Angaben rund 500'000 Dollar – pro Stück. Die Ausbildung eines einzelnen Piloten kostet 12 Millionen.
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Bild 1 von 2. Helm ist zwar teuer, gilt aber auch als möglicher Schwachpunkt des ganzen Systems, weil zum Beispiel die Waffen mit den Augen bedient werden. Bildquelle: Lockheed Martin.
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Bild 2 von 2. Der Pilotenhelm F-35 Gen III HMDS. Bildquelle: Collins Aerospace.
Kosten schiessen in die Höhe: Die Aussage des Vize-Verteidigungsministers ist bemerkenswert. Die Hersteller machen zwar keine Angaben zum Preis, doch in Berichten von Militärexperten war bisher stets die Rede von einem Stückpreis von 400'000 Dollar. Nun sind es plötzlich 25 Prozent mehr. Beim Pilotenhelm handelt es sich um den Typ F-35 Gen III HMDS. Das Modell der letzten Generation ist mehr als doppelt so teuer als konventionelle Helme von Kampfpilotinnen und Piloten.
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Bild 1 von 3. Die Augen spielen bei der Steuerung der Systeme eine entscheidende Rolle. Bildquelle: DVIDS.
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Bild 2 von 3. Mit all der eingebauten Technik ist der Helm 2.1 Kilo schwer. Ursprünglich waren es noch mehr. Das Gewicht hat die Hersteller bei der Entwicklung vor Probleme gestellt. Helme, die zu schwer sind, können beim Bedienen des Schleudersitzes zum Genickbruch führen. Bildquelle: DVIDS.
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Bild 3 von 3. Allein die Ausmessungen und das Anproben dauert zwei Tage. Bildquelle: DVIDS.
Aufwendige Technik: Dass ein Helm mehr als ein Sportwagen kostet, hat auch mit der eingebauten Technik zu tun, man könnte von einem Computer auf dem Kopf des Piloten sprechen. Mit dem F-35 Gen III kann der Pilot feindliche Ziele mit den Augen erfassen und Raketen abfeuern. Das Helmdisplay zeigt Flug-, Sensor und Zieldaten, mit integriertem Nachtsichtgerät. Der Helm ist mit mehreren Aussenkameras des Jets verbunden und ermöglicht dem Piloten den Blick durchs Flugzeug hindurch, im 360 Grad Winkel.
Teuer Unterhalt: Jeder Helm muss individuell auf die Pilotinnen und Piloten angepasst werden, kleinste Abweichungen führen zu Fehlfunktionen. Die Helme werden auf die Augen des Piloten ausgerichtet, denn mit den Bewegungen der Pupillen wird die Elektronik gesteuert. Drei Mal pro Jahr müssen die Hersteller nachmessen und justieren.
Höhere Marge? Dass die Pilotenhelme immer teurer werden, ist schwer nachvollziehbar. Auf Anfrage von SRF gab es von der Herstellerfirma keine Antwort. Zwar wird bei der Beschaffung immer wieder die Inflation ins Spiel gebracht. Allerdings sind bei einem Helm nicht die Materialkosten entscheidend, sondern die Technik, die verbaut worden ist. Und somit liegt die Vermutung nahe, dass die Rüstungskonzerne ihre Margen erhöhen.
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Bild 1 von 2. Flüge über den Alpen, 2019, zur Evaluation der Kampfjets. Bildquelle: Lockheed Martin.
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Bild 2 von 2. Ganz schön komplex. Testmessungen bei der Entwicklung des Flugzeuges. Bildquelle: Lockheed Martin.
Korrosion und Softwareprobleme: Die Pilotenhelme machen zwar nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus, stehen aber beispielhaft für die Anfälligkeit und die hohen Kosten. Ein neuer Bericht aus den USA zuhanden des Kongresses zeigt gravierende Mängel. Fehlende Teile, Korrosionsschäden sowie Softwareprobleme halten viele Jets in den USA am Boden. Wörtlich: «Seit 2021 sind die Instandhaltungskosten der F-35 kontinuierlich gestiegen, die Leistungsziele wurden jedoch nicht erreicht und die Leistung hat sich tendenziell verschlechtert», heisst es im Bericht des Government Accountability Office (GAO), der überparteilichen Kontrollbehörde des US-Kongresses.
Nur jeder vierte Flieger voll kampfbereit: Aufgrund der Schwierigkeiten bleiben viele Flieger am Boden: So heisst es im GAO-Bericht: «Die Einsatzbereitschaftsrate (Prozentsatz der Zeit, in der das Flugzeug eine seiner zugewiesenen Missionen erfüllen kann) sank von 67 Prozent auf 44 Prozent. Die vollständige Einsatzbereitschaftsrate (Prozentsatz der Zeit, in der das Flugzeug alle seine Missionen erfüllen kann) sank von 38 Prozent auf 25 Prozent.»