Darum gehts: Seit drei Jahren müssen grössere Schweizer Unternehmen neben den Finanzzahlen jedes Jahr auch einen Bericht über die Nachhaltigkeit ihres Geschäfts publizieren. Diese sogenannten Nachhaltigkeitsberichte und die Regeln dazu seien ungenügend. Das zeigt eine Auswertung der Stiftung Ethos, die über 250 Schweizer Pensionskassen vereint.
Das zeigt die Auswertung von Ethos: Die Stiftung hat die Nachhaltigkeitsberichte fürs Jahr 2025 von 129 Unternehmen aus dem SPI-Index der Schweizer Börse untersucht. Resultat: Nach drei Jahren Nachhaltigkeitsberichterstattung weisen nur 44 kotierte Unternehmen Klimapläne auf, die im Einklang stehen mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen. «Das geht zu langsam und das Klima wartet nicht», warnt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann.
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So wirkt der Druck aus dem Ausland: In den USA und zuletzt teilweise auch in der EU sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit unter Druck gekommen. So will die EU die Pflicht zur Erstellung von Klimaplänen aufheben. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann warnt davor, dass die Schweiz die Bedingungen ebenfalls lockert. Klimapläne seien wichtig für Investoren, um zu verstehen, wo die Risiken eines Unternehmens sind und wo es Emissionen reduzieren kann. «Ziele sind gut, aber Pläne sind wichtiger», meint Vincent Kaufmann.
Deshalb kritisiert Ethos den Schweizer Weg: Anders als beispielsweise die EU setzt die Schweiz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung weitgehend auf Selbstregulierung. Das heisst, der Staat hält sich zurück und die Branche gibt sich selbst Regeln und hält diese auch freiwillig ein. Das funktioniere nicht oder nur ungenügend, meint Ethos-Direktor Vincent Kaufmann: «Es funktioniert nur für die guten Schüler.» Unternehmen, in deren Interesse Nachhaltigkeitsregeln sind, hielten sich daran, andere nicht.
Die Banken plädieren für Selbstregulierung: Eine Branche, in der Nachhaltigkeit ein grosses Thema ist, sind die Banken. Lena Dringel, Beraterin für nachhaltige Finanzen bei der Schweizerischen Bankiervereinigung, bricht eine Lanze für die Selbstregulierung. Diese schaffe Flexibilität und erlaube schnellere Anpassungen als staatliche Vorgaben. «Die Selbstregulierung sorgt für Glaubwürdigkeit und die Schweiz sollte diesen Weg definitiv weiter beibehalten», betont Lena Dringel und sie fordert Geduld. Die Erstellung von Klimaplänen brauche Zeit, und die Branche stehe noch relativ am Anfang. Noch gelten Übergangsfristen für die Selbstregulierung. Strengere staatliche Vorgaben, wie sie Ethos fordert, hält die Bankiervereinigung für verfrüht.
Das steht politisch an: Derzeit plant der Bundesrat als indirekte Antwort auf die zweite sogenannte Konzernverantwortungsinitiative, die gesetzlichen Vorgaben anzupassen. Während sich die Bankiervereinigung dezidiert dagegen ausspricht, dass die Schweiz weiter geht als ihre Nachbarn, weil daraus Nachteile im Wettbewerb entstehen könnten, ist man bei Ethos überzeugt, dass genau dies langfristig ein Vorteil wäre.