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Krieg im Nahen Osten Der Ölpreis schiesst hoch – hilft's dem Klima?

Die Strasse von Hormus ist gesperrt, die Preise für Öl und Gas steigen. Erhalten nun erneuerbare Alternativen Auftrieb?

Im Gegensatz zu Öl und Gas kennen erneuerbare Energien aus Wind, Wasser oder Sonnenlicht keine Preisschocks. Wenn wie aktuell der Preis für fossile Energie in die Höhe schiesst, dann sind Alternativen deshalb besonders gefragt.

Das zeige die Erfahrung aus vergangenen Ölkrisen, sagt Lint Barrage, Professorin für Energie und Klimaökonomie an der ETH Zürich: «Höhere Energiepreise führen historisch gesehen zu mehr Innovationen, mehr Patenten, zum Energiesparen und zu alternativen Energien.»

Panzer feuert Schuss im winterlichen Wald.
Legende: Als Beispiel nennt Barrage das Jahr 2022, als Benzin in Folge von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine teurer wurde. Der Verkauf von Elektroautos habe damals zugenommen. Keystone/AP/Russisches Verteidigungsministerium

Doch auch wenn der Mechanismus, dass höhere Ölpreise die Investitionen in erneuerbare Energien ankurbeln, grundsätzlich greift: So einfach ist die Rechnung laut der ETH-Professorin nicht. «Der Mechanismus stimmt, wenn alles andere konstant bleibt. Das ist in einer Kriegssituation komplizierter, als wenn der Ölpreis etwa durch eine Steuer erhöht wurde.»

Hinzu kommt: Die Auswirkung von Ölkrisen auf den Ausbau nachhaltiger Alternativen lässt sich nur über einen längeren Zeitraum beobachten, sagt Lucas Bretschger, emeritierter Professor an der ETH. «Der Schock löst etwas aus. Doch die spätere Investition muss langfristig geplant werden, denn sie hängt von verschiedenen Determinanten ab.»

Der Schalter kann also nicht einfach umgelegt werden. Aber dennoch: Die letzten Jahre ist massiv in erneuerbare Energien investiert worden. So stammt heute – laut der Internationalen Energieagentur IEA – rund ein Drittel der weltweiten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen.

Ölkrisen als Treiber des Wandels

Laut Bretschger haben vergangene Ölkrisen bei diesem Wandel eine bedeutende Rolle gespielt. Er erinnert an die beiden Ölschocks der Siebziger Jahre, als sich der Preis für Öl innert kürzester Zeit teils vervierfachte.

Im Gegensatz zu heute standen damals weniger technische Alternativen zur Verfügung, und es gab auch noch keine Klimapolitik. «Man wollte reagieren, aber man konnte kurzfristig nicht», führt Bretschger aus. «Bei den gegenwärtigen Schocks hat man nun aber beides zur Verfügung: die erneuerbaren Energien und die Klimapolitik.»

Eine Seite zieht in Richtung saubere Energieträger, auf der anderen Seite steht das Team der wirtschaftlichen Unsicherheit, der Angst vor Inflation.
Autor: Lint Barrage Professorin für Energie und Klimaökonomie an der ETH Zürich

Doch ETH-Professorin Barrage gibt zu bedenken, dass die aktuell unberechenbare Weltlage den erneuerbaren Energien auch den Wind aus den Segeln nehmen könnte: «Eine Seite zieht in Richtung saubere Energieträger, auf der anderen Seite steht das Team der wirtschaftlichen Unsicherheit, der Angst vor Inflation.»

Dieser Gegendruck kann laut Barrage hinderlich für Investitionen in Erneuerbare sein. Und welche Seite das Seilziehen am Ende gewinnt, müsse sich weisen. Ölschocks könnten also auch dazu führen, dass Staaten nicht in erneuerbare Energien, sondern in Kohle- oder Kernkraftwerke investierten.

Deutsche Solarbranche meldet Rekordbestellungen

Auch Douglas Arendt von der Umwelt-Denkfabrik World Resources Institute sieht – zumindest kurzfristig – diese Möglichkeit. Kohlelieferungen seien beispielsweise weniger stark durch den Krieg betroffen als Öl und Gas.

Langfristig erwartet Arendt jedoch einen Ausbau der Solarenergie, Wind- und Wasserkraft oder auch der Geothermie. Diese Energien hätten den entscheidenden Vorteil, dass sie unabhängiger von internationalen Lieferketten seien.

Tatsächlich melden deutsche Solarproduzenten seit Beginn des Iran-Kriegs Rekordbestellungen. Für die Schweiz fehlen entsprechende Zahlen noch.

Echo der Zeit, 07.04.2026, 18 Uhr

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