Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Krieg in Nahost Schweizer Finanzplatz profitiert, doch Hongkong ist neu Nummer 1

Wohlhabende aus dem Nahen Osten verschieben wegen des Konflikts vermehrt Geld in die Schweiz. Der Schweizer Finanzplatz profitiert – verliert aber gleichzeitig die Spitzenposition an Hongkong.

Der Schweizer Finanzplatz dient während Krisen als sicherer Hafen. Seit Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten eröffnen Vermögende aus dem Nahen Osten vermehrt ein Bankkonto in der Schweiz. Diese Tendenz stellt die Boston Consulting Group im neusten «Global Wealth Report» fest.

Der Schweizer Finanzplatz profitiert proportional am meisten vom Nahost-Konflikt.
Autor: Michael Kahlich Managing Director und Partner BCG Zürich

Auch andere Finanzplätze wie Grossbritannien oder Singapur profitieren von der Krise in Nahost. Der Schweizer Finanzstandort jedoch am stärksten.

Schweiz profitiert am meisten

«Der Schweizer Finanzplatz betreut proportional am meisten Gelder aus dem Nahen Osten und profitiert deshalb am meisten vom Nahost-Konflikt», sagt Michael Kahlich, Partner bei der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) und Autor des «Global Wealth Report».

Weil der Konflikt 2026 ausgebrochen sei, könne man diesen Trend zwar noch nicht in den aktuellen Zahlen für 2025 sehen, aber schon heute stamme rund ein Fünftel der ausländischen Vermögen in der Schweiz aus dem Nahen Osten. Insgesamt haben die Schweizer Finanzplätze Zürich, Genf und Lugano zusammen ausländisches Vermögen im Wert von 2946 Milliarden US-Dollar verwaltet – knapp ein Fünftel des weltweiten Offshore-Vermögens.

Neue Nummer 1

Hongkong hat die Schweiz allerdings als grössten Offshore-Finanzplatz der Welt knapp überholt. Hongkong profitierte laut BCG vom Wachstum in China. Die neuesten Entwicklungen in Nahost sind hier noch nicht abgebildet.

Auf die eine oder andere Weise profitieren auch Schweizer Banken vom Boom in Hongkong: «Die UBS ist die grösste Privatbank in Hongkong und Singapur, und auch andere Schweizer Privatbanken gehören zu den zehn grössten in Hongkong», sagt Kahlich. So sind etwa die Bank Julius Bär oder die Genfer Privatbank Pictet auch in Hongkong vertreten. Sie alle profitieren vom Wachstum in China und vom internationalen Finanzstandort Hongkong.

Schweiz breiter aufgestellt

«Hongkong ist sehr stark abhängig von China. Etwa 60 bis 70 Prozent des betreuten Vermögens kommen aus Festland-China», erklärt Michael Kahlich von BCG. Die Schweiz hingegen ist viel breiter aufgestellt mit Vermögen aus Westeuropa, dem Nahen Osten, den USA und Südamerika.

Gerade die aktuellen Entwicklungen rund um den Nahen Osten zeigen, dass in Krisensituationen die Schweiz als sicherer Hafen gefragt ist.

Bei Hongkong gibt es Fragezeichen – nicht nur wegen der Nähe zu Taiwan, sondern auch wegen des brodelnden Konflikts mit Festland-China. So haben etwa die letzten Massenproteste in Hongkong dazu geführt, dass Vermögen nach Singapur und in die Schweiz verschoben wurden. Sollte etwa ein Konflikt in Taiwan ausbrechen, dürfte der Finanzplatz Hongkong darunter leiden und die Schweiz als sicherer Hafen davon profitieren.

Heute Morgen, 27.5.2026, 6 Uhr

Meistgelesene Artikel