Wo heute über KI diskutiert wird, wurden früher Maschinen gebaut. Das KI-Zentrum «Hive» in Göppingen, östlich von Stuttgart, befindet sich in einer alten Fabrikhalle mit Backsteingiebeln, Milchglasfenstern und schwarzen Metalltüren. Ohne Banner an der Fassade wäre der Eingang kaum zu finden. Drinnen eröffnet sich jedoch ein überraschender Anblick: In der grossen Halle stehen 22 Schiffscontainer, übereinander gestapelt und miteinander verbunden.
Das Hive
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Bild 1 von 7. Wenn das Banner mit dem Pfeil nicht wäre, würde niemand vermuten, dass sich in diesem Gebäude in Göppingen ein neues KI-Zentrum befindet. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 7. Haus-in-Haus-Prinzip: Das Hive in Göppingen besteht aus 22 gebrauchten Schiffscontainern. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 7. Die Schiffscontainer stehen teilweise aufeinander und sind über Stahlstege miteinander verbunden. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 7. Alt und modern kombiniert: Die KI-Firma steht in einer Industriehalle der früheren Maschinenfabrik «Boehringer». Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 7. Alte Krane, Lampen und Elektroinstallationen wurden in die neuen Bauten integriert. So soll der Industriecharakter erhalten bleiben. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 7. «Netzwerken» ist zentral: Auf dem «Marktplatz» im Hive finden grössere Veranstaltungen statt. Die moderne Küche lädt zum Austausch ein. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 7. Das Ziel ist der Austausch zwischen KMUs und KI. Es gibt verschiedene Plätze, um zusammenzukommen. Bildquelle: SRF.
Geschäftsführerin Tara-Najet Lehnert nennt das Konzept «Haus im Haus». Die Container, einst auf den Weltmeeren unterwegs, wurden zu Büros umgebaut. In der Mitte der Halle liegt ein Bereich mit Sitzgruppen, am Ende ein Veranstaltungsraum. Die Architektur soll Begegnungen fördern. Genau darum gehe es im Hive: Mittelständische Unternehmen mit KI-Firmen zusammenzubringen, sagt Lehnert. Ziel sei, Anwendungen für die spezifischen Bedürfnisse der KMUs zu finden oder zu entwickeln.
KI für den Mittelstand
Wie das aussehen kann, zeigt ein Workshop im Innern eines Containers. An einer weissen Tafel hängen farbige Notizzettel, davor steht Lukas Mürdter, Vorsitzender des KI-Zentrums und selbst Unternehmer.
Für ihn liegt grosses Potenzial in der Technologie. «Wenn die spezialisierten KMUs in Baden-Württemberg es schaffen, ihr Know-how mit KI zu verbinden, besteht die Chance, Standortnachteile wie höhere Energie- und Lohnkosten zu egalisieren oder zumindest abzuschwächen.»
Am Workshop teil nimmt Architekt Christian Gaus zusammen mit einem Teil seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sein Architekturbüro hat das Hive entworfen; nun prüft er mögliche KI-Einsätze. Einen hohen Nutzen verspricht er sich im Bereich Bürokratie: Wenn Unterlagen und Formulare mithilfe von KI analysiert und aufbereitet werden könnten – und Behörden diese ebenfalls automatisiert prüfen könnten – würde ein Effizienzgewinn für alle Beteiligten entstehen, sagt er.
Politische Erwartungen
Lukas Mürdter sieht das gleich und fordert von der künftigen Regierung Baden-Württembergs, Bürger und Unternehmen mithilfe von KI von der Bürokratie zu entlasten und Verwaltungsprozesse effizienter zu machen. Zugleich brauche es mehr Förderprogramme für KMU.
Entscheidend sei, die Unterstützung nicht nur auf grosse Leuchtturmprojekte zu konzentrieren – etwa das geplante KI-Zentrum IPAI in Heilbronn, für das im Herbst der Spatenstich stattfand. Auch regionale Initiativen wie das Hive müssten profitieren, denn sie richteten sich direkt an Handwerker und Mittelständler.
Noch tropft im Hive in Göppingen an einigen Stellen Wasser von der Hallendecke. Das Dach wird erst saniert. Das verwundert nicht. Denn das KI-Zentrum wurde sehr schnell aus dem Boden gestampft: Von der Idee bis zur Eröffnung verging kaum ein Jahr. Für Lehnert ist das der Beweis, dass Innovation auch in Deutschland schnell gehen kann – wenn die Beteiligten einfach anfangen. Dem Hive in Göppingen ist es in kürzester Zeit gelungen, eine alte Industriehalle für die Zukunft fit zu machen. Die Hoffnung ist, dass das dank KI auch für die gesamte Wirtschaft Baden-Württembergs gelingt.