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Landtagswahlen Deutschland Kann KI Baden-Württemberg helfen, wirtschaftlich aufzuholen?

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg schwächelt, unter anderem wegen der Konkurrenz aus Asien. Politik und Wirtschaft sehen in KI eine Chance, dem entgegenzuwirken. In Göppingen wurde deshalb in kürzester Zeit das KI-Zentrum «Hive» geschaffen. Es soll KMUs helfen, den Anschluss nicht zu verpassen.

Wo heute über KI diskutiert wird, wurden früher Maschinen gebaut. Das KI-Zentrum «Hive» in Göppingen, östlich von Stuttgart, befindet sich in einer alten Fabrikhalle mit Backsteingiebeln, Milchglasfenstern und schwarzen Metalltüren. Ohne Banner an der Fassade wäre der Eingang kaum zu finden. Drinnen eröffnet sich jedoch ein überraschender Anblick: In der grossen Halle stehen 22 Schiffscontainer, übereinander gestapelt und miteinander verbunden.

Das Hive

Geschäftsführerin Tara-Najet Lehnert nennt das Konzept «Haus im Haus». Die Container, einst auf den Weltmeeren unterwegs, wurden zu Büros umgebaut. In der Mitte der Halle liegt ein Bereich mit Sitzgruppen, am Ende ein Veranstaltungsraum. Die Architektur soll Begegnungen fördern. Genau darum gehe es im Hive: Mittelständische Unternehmen mit KI-Firmen zusammenzubringen, sagt Lehnert. Ziel sei, Anwendungen für die spezifischen Bedürfnisse der KMUs zu finden oder zu entwickeln.

KI für den Mittelstand

Wie das aussehen kann, zeigt ein Workshop im Innern eines Containers. An einer weissen Tafel hängen farbige Notizzettel, davor steht Lukas Mürdter, Vorsitzender des KI-Zentrums und selbst Unternehmer.

Mann im mittleren Alter mit schwarzer, markanter Brille. Trägt weisse Weste und lächelt in die Kamera.
Legende: Architekt Christian Gaus hat mit seinem Architekturbüro das Hive in Göppingen gebaut. Nun nutzt er die Dienstleistungen des neuen KI-Zentrums, um das Potenzial von KI bei seiner Arbeit besser zu nutzen. SRF

Für ihn liegt grosses Potenzial in der Technologie. «Wenn die spezialisierten KMUs in Baden-Württemberg es schaffen, ihr Know-how mit KI zu verbinden, besteht die Chance, Standortnachteile wie höhere Energie- und Lohnkosten zu egalisieren oder zumindest abzuschwächen.»

Baden-Württembergs Wirtschaft steht vor grossen Herausforderungen

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Die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist in den letzten Jahren kaum gewachsen. Die traditionell starke Autoindustrie und die vielen Zulieferbetriebe sind in einer Krise, weil Elektroautos viel weniger Teile brauchen als Verbrenner und weil bei der E-Mobilität die Konkurrenz aus China stark ist.

Aber auch die wichtige Maschinenindustrie leidet unter der zunehmenden Konkurrenz aus Asien. Die Wirtschaft beklagt, dass die Lohnnebenkosten in Deutschland zu hoch seien und in den nächsten Jahren weiter steigen dürften, wenn es keine grundlegende Reform des Rentensystems gibt (die Renten werden in Deutschland unter anderem durch Beiträge der Unternehmen bezahlt).

Ausserdem beklagen viele Unternehmen, dass die Bürokratie für zu viel Aufwand sorgt und die Behörden zu wenig digitalisiert sind. Auch die verhältnismässig hohen Energiekosten sind für energieintensive Industriebetriebe eine Herausforderung. Manche Branchen beklagen zudem einen Fachkräftemangel.

Auch die Zölle Donald Trumps und die wirtschaftliche Flaute in China machen vielen Betrieben zu schaffen. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist sehr exportorientiert.

Gleichzeitig gibt es im südlichen Bundesland sehr viele hochinnovative KMUs. Die Rede ist von so genannten «Hidden Champions». Das sind Firmen, die kaum jemand kennt, obwohl sie in ihrem Bereich weltweit führend sind. Auch hat die Region um Stuttgart eine sehr hohe Dichte an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen. Deshalb betonen Unternehmer und Experten, dass das Land für die Zukunft eigentlich gut aufgestellt ist, wenn es weiter innovativ bleibt. Damit das möglich ist, braucht es laut der Wirtschaft aber bessere politische Rahmenbedingungen.

Am Workshop teil nimmt Architekt Christian Gaus zusammen mit einem Teil seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sein Architekturbüro hat das Hive entworfen; nun prüft er mögliche KI-Einsätze. Einen hohen Nutzen verspricht er sich im Bereich Bürokratie: Wenn Unterlagen und Formulare mithilfe von KI analysiert und aufbereitet werden könnten – und Behörden diese ebenfalls automatisiert prüfen könnten – würde ein Effizienzgewinn für alle Beteiligten entstehen, sagt er.

Politische Erwartungen

Lukas Mürdter sieht das gleich und fordert von der künftigen Regierung Baden-Württembergs, Bürger und Unternehmen mithilfe von KI von der Bürokratie zu entlasten und Verwaltungsprozesse effizienter zu machen. Zugleich brauche es mehr Förderprogramme für KMU.

Die Landtagswahlen am 8. März

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Am Sonntag, 8. März, wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt, also ein neues Parlament. Die Wahl ist nicht nur für das Bundesland wichtig, sondern gilt auch als wichtiger Stimmungstest für die Regierung von Friedrich Merz in Berlin.

Gewählt wird zwar das Parlament, aber die Wahl hat auch Einfluss auf die Frage, wer das Land künftig regiert. Denn nach der Wahl wählt der neue Landtag den Ministerpräsidenten. Die Parteien treten mit ihren Kandidaten für das Amt an.

Laut jüngsten Umfragen liefern sich die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel und die Grünen mit Cem Özdemir ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die CDU hat nur noch einen hauchdünnen Vorsprung. Mit deutlichem Abstand folgt die AfD mit Markus Frohnmeier. Die SPD ist deutlich abgeschlagen. Bei FDP und Linken ist noch nicht sicher, ob sie über 5 Prozent kommen und damit in den Landtag einziehen können.

Was jetzt schon klar ist: Keine Partei wird am 8. März eine absolute Mehrheit erlangen. Wahrscheinlich läuft alles auf eine Koalition von CDU und Grünen hinaus, so wie das die letzten zehn Jahre in Baden-Württemberg schon war. Offen ist einzig die Frage, welche der beiden Parteien vorne liegt und den Ministerpräsidenten stellen wird. Die letzten 15 Jahre wurde Baden-Württemberg vom Grünen Winfried Kretschmann regiert.

Entscheidend sei, die Unterstützung nicht nur auf grosse Leuchtturmprojekte zu konzentrieren – etwa das geplante KI-Zentrum IPAI in Heilbronn, für das im Herbst der Spatenstich stattfand. Auch regionale Initiativen wie das Hive müssten profitieren, denn sie richteten sich direkt an Handwerker und Mittelständler.

Links Frau mit zusammengebundenem dunkelblonden Haar, rechts Mann mit kurzem Bart und hellbrauner Jacke.
Legende: Die Leitung des neuen KI-Zentrums: Geschäftsführerin Tara-Najet Lehnert und Vereinsvorsitzender Lukas Mürdter. SRF

Noch tropft im Hive in Göppingen an einigen Stellen Wasser von der Hallendecke. Das Dach wird erst saniert. Das verwundert nicht. Denn das KI-Zentrum wurde sehr schnell aus dem Boden gestampft: Von der Idee bis zur Eröffnung verging kaum ein Jahr. Für Lehnert ist das der Beweis, dass Innovation auch in Deutschland schnell gehen kann – wenn die Beteiligten einfach anfangen. Dem Hive in Göppingen ist es in kürzester Zeit gelungen, eine alte Industriehalle für die Zukunft fit zu machen. Die Hoffnung ist, dass das dank KI auch für die gesamte Wirtschaft Baden-Württembergs gelingt.

Echo der Zeit, 5.3.2026, 18 Uhr; herb

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