Worum geht es? Novartis-Chef Vas Narasimhan hat für das vergangene Geschäftsjahr eine Lohnerhöhung von fast 30 Prozent erhalten – 24.9 Millionen Franken waren es insgesamt. Damit ist er der bestverdienende Chef in der Schweiz. Hohe Löhne sind bei Novartis nichts Neues. Der frühere Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella erhielt zu seinem Abgang 2013 ein Vergütungspaket von 72 Millionen Franken zugesprochen. Nach grosser Kritik verzichtete er darauf. Als weitere Folge davon wurde die Abzocker-Initiative 2013 angenommen.
Wie hat sich die Vergütung des Novartis-Chefs entwickelt? Nachdem er im Februar 2018 als CEO begonnen hatte, verdiente er in seinem ersten vollen Jahr 2019 10.6 Millionen Franken. Infolge schwacher Zahlen sank das Salär 2022 auf 8.5 Millionen Franken. Danach ging es steil bergauf. Treiber sind vor allem variable Lohnbestandteile, die zwei Drittel der Vergütung ausmachen. Diese orientieren sich etwa an Umsatz, Betriebsgewinn und Börsenentwicklung. Sprich: Gefüllte Firmenkassen und steigender Aktienkurs bescheren dem Novartis-Chef hohe Boni.
Wie hoch ist die Vergütung im Vergleich zu anderen Pharmaunternehmen? Noch haben viele grosse Pharmafirmen ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2025 nicht veröffentlicht. Ein Vergleich der Saläre aus dem Vorjahr zeigt, dass der Novartis-Chef mit den internationalen Topverdienern der Branche mithalten kann: Er liegt auf Rang 5. Am meisten erhielt 2024 der Chef von Biontech mit 287 Millionen US-Dollar. Dies, weil er zu einem Vorzugspreis Aktien des Unternehmens erwerben konnte. Die anderen topplatzierten Pharmamanager verzeichnen Salärbezüge von mehr als 21 Millionen US-Dollar bzw. Franken (siehe Bildergalerie).
Die Grossverdiener im Pharmageschäft (2024)
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Bild 1 von 6. Ganz oben: Biontech. 287 Millionen US-Dollar 2025: Mit grossem Abstand führt Uğur Şahin die Liste an. Er ist Mitgründer des deutschen Unternehmens Biontech, das unter anderem einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelte. Şahin kaufte vergangenes Jahr Aktien zu einem Vorzugspreis. Diese wurden zu einem Lohnbestandteil und erklären die hohe Summe. Bildquelle: Keystone / Sebastian Gollnow.
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Bild 2 von 6. Platz 2: Eli Lilly. 29.2 Millionen US-Dollar: David Ricks führt das US-Unternehmen Eli Lilly. Es entwickelt eine breite Palette von Medikamenten, unter anderem gegen Diabetes, Adipositas und Krebs. Bildquelle: Imago / Newscom / AdMedia.
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Bild 3 von 6. Platz 3: Pfizer. 24.6 Millionen US-Dollar: Albert Bourla ist Konzernchef von Pfizer. Das Unternehmen mit Sitz in New York setzt unter anderem auf Krebsmedikamente und Impfstoffe. Bildquelle: Keystone / Gian Ehrenzeller.
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Bild 4 von 6. Platz 4: Johnson & Johnson. 24.3 Millionen US-Dollar: Joaquin Duato ist Chef von Johnson & Johnson, ebenfalls ein US-Unternehmen. Ursprünglich mit Pflastern gross geworden, stellt es heute auch Medikamente, Medizintechnik und Pflegeprodukte her. Bildquelle: Keystone / Jacquelyn Martin.
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Bild 5 von 6. Platz 5: Novartis. Vas Narasimhans Vorjahresvergütung (2024) lag bei umgerechnet 21.1 Millionen Franken. 2025 ist sie gestiegen, und er hat wohl so manchen CEO überholt. Die Zahlen der US-amerikanischen Konzerne und von Biontech sind noch nicht bekannt. Bildquelle: Keystone / URS FLUEELER.
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Bild 6 von 6. Weiter hinten: Roche. Das zweite Schweizer Schwergewicht wirkt fast bescheiden. 11.1 Millionen US-Dollar Vergütung erhielt Roche-Chef Thomas Schinecker 2024. 2025 waren es umgerechnet 12.9 Millionen Franken. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
Wieso setzt sich Novartis bei so viel Geld auch noch für höhere Medikamentenpreise ein? Laut Novartis haben die Medikamentenpreise mit dem Chef-Lohn nichts zu tun. Diese will die Pharmabranche in der Schweiz erhöhen. Der Hintergrund: Die Schweiz gilt neu als Referenzland, um die Medikamentenpreise in den USA festzulegen. Je höher die Preise in der Schweiz, desto besser die Verhandlungsposition der Pharmafirmen im US-Preispoker. Die Chef-Entlöhnung bei Novartis ist mit der Wertschöpfung für Aktionäre verknüpft. Novartis schreibt: «Die CEO-Vergütung spiegelt die tatsächliche Unternehmens-Performance im Vergleich zu vordefinierten Zielen wider und ist direkt auf den für die Aktionäre geschaffenen Wert ausgerichtet.» Vereinfacht gesagt: Steigt der Aktienkurs, steigt auch das Chef-Salär.
Ist die Abzocker-Initiative angesichts dieser Summen verpufft? Nicht unbedingt. Eine der grossen Neuerungen der Abzocker-Initiative von Thomas Minder war, dass die Aktionäre – also die Besitzerinnen und Besitzer börsenkotierter Unternehmen – fortan über die Löhne von Management und Verwaltungsrat mitbestimmen können. Sie hätten es also in der Hand, aus ihrer Sicht zu hohe Löhne zu unterbinden. Bloss: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie an den Generalversammlungen die Lohnpakete in der Regel durchwinken. Einen Chef, der ihnen steigende Dividenden und Aktienkurse beschert, werden sie wohl kaum zurückbinden.