Frisches Gemüse, Obst oder auch ein Stück Fleisch: Wer in den Regalen der Detailhändler nach Bioartikeln greift, bezahlt an der Kasse oftmals mehr. Das zeigen Auswertungen des Vereins Faire Märkte Schweiz (FMS). Die Organisation setzt sich unter anderem für Transparenz bei Preisen ein. Die Bio-Äpfel beispielsweise kosteten demnach im ersten Quartal dieses Jahres mehr als doppelt so viel wie herkömmliche.
Auch dem Preisüberwacher Stefan Meyerhans fallen die Unterschiede auf. Missbräuchlich seien sie zwar nicht, wie seine Untersuchung zeigte. Aber die Bruttomargen – also der Aufschlag zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen – seien deutlich höher als bei konventionellen Lebensmitteln. «Die Frage ist, ob die Detailhändler die Kaufkraft abschöpfen», sagt er. Mit anderen Worten: Nutzen die Detailhändler die Zahlungsbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten aus?
Detailhändler: «Produkte haben ihren Wert»
Die Detailhändler verneinen und betonen das faire Preis-Leistungs-Verhältnis. Coop-Chef Philip Wyss verweist auf die höheren Preise, die Coop den Bauern für Produkte mit der Knospe, eines des Biolabels, bezahlt. «Die Produkte haben ihren Wert», sagt er. Auch bei anderen Bioprodukten seien Einkauf, Verarbeitung und Lagerung aufwendiger und teurer.
Er zieht zudem einen Vergleich zwischen Bio-Eigenmarken und herkömmlichen Markenprodukten heran. Bio-Eigenmarken (also Marken von Coop) schneiden oftmals günstiger ab, denn Coop könne die Kosten beim Marketing und der Werbung eigenständig steuern und so Kosten optimieren.
In der Landwirtschaft braucht es oft mehr Handarbeit, und es stehen weniger Hilfsmittel zur Verfügung.
Auch Konkurrentin Migros verweist auf höhere Kosten, die dem Konsumenten weiterverrechnet würden. «Bio-Lebensmittel sind teurer, weil ihre Produktion und Verarbeitung aufwendiger sind», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage.
«In der Landwirtschaft braucht es oft mehr Handarbeit, und es stehen weniger Hilfsmittel zur Verfügung.» Auch die Verarbeitung sei anspruchsvoller, etwa wegen strenger Vorgaben, der konsequenten Trennung von Bio- und konventioneller Ware und der möglichst vollständigen Verwertung der Rohstoffe. Dazu kämen unabhängige Kontrollen und Zertifizierungen.
Aber: Dort, wo möglich, biete die Migros selbst hochwertige Lebensmittel zum Tiefstpreis an. Auch die Discounter führen Bio-Produkte von hoher Qualität.
In der Gesamtbilanz bleibt der Preisüberwacher bei seiner Einschätzung: Die Margen sind hoch. Meierhans wird die Preisentwicklung darum im Auge behalten.