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Massiver Stellenabbau «Porsche hat sich in den letzten Jahren etwas verzettelt»

Porsche baut weitere 5000 Stellen ab. Damit sollen bis 2035 insgesamt rund 9000 Jobs in Deutschland verschwinden. Weltweit arbeiteten Ende 2025 knapp 42'000 Personen für Porsche. Warum die VW-Tochter derart in Schwierigkeiten steckt, erläutert Birgit Priemer, Chefredaktorin von «Auto Motor und Sport».

Birgit Priemer

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Die Journalistin Birgit Priemer ist Chefredaktorin der Automobil-Zeitschrift «Auto Motor und Sport».

SRF News: Wie einschneidend ist der neu angekündigte zusätzliche Stellenabbau?

Birgit Priemer: Für eine eher kleine Marke wie Porsche ist das schon ein grosser Einschnitt – auch wenn sich der Abbau in den letzten Monaten und Wochen abgezeichnet hatte. Immerhin verzichtet auch das Management auf einen Teil seines Gehalts und es gibt eine Arbeitsplatzgarantie bis 2035. Zudem wird in die Stammsitze Weissach und Stammheim investiert. Das Programm ist also so etwas wie eine Anpassung an die Realität.

Was ist in den letzten Jahren bei Porsche schiefgelaufen?

Vor allem das Chinageschäft lahmt. Man sieht in China kaum mehr einen Porsche auf der Strasse. Fakt ist: Alle deutschen Autohersteller kämpfen mit hohen Energiekosten, mit Bürokratie und mit vergleichsweise hohen Löhnen. Das macht es zunehmend schwieriger, in Deutschland noch Autos herzustellen.

Porsche sollte vermehrt auf die Qualität der Modellvarianten setzen und weniger auf eine Vielzahl an Modellen.

Was kann Porsche tun, um wieder besser dazustehen?

Porsche hat sich in den letzten Jahren etwas verzettelt mit Sondermodellen oder Einzelserien. Diese Autos waren teils gar nicht mehr als Porsche zu erkennen und bei der Kundschaft wenig begehrt. Ich glaube, Porsche tut gut daran, sich auf das zu konzentrieren, wofür diese Marke immer stand: sportliche und damit begehrliche Autos zu entwickeln. Porsche sollte vermehrt auf die Qualität der Modellvarianten setzen und weniger auf eine Vielzahl an Modellen. So könnte man auch bei der Profitabilität besser werden.

Alle deutschen Autohersteller müssen über die Bücher und ihr Geschäftsmodell anpassen.

Ist die Situation bei Porsche sinnbildlich für die anderen deutschen Autohersteller, die alle in der Krise stecken?

Das kann man schon so sehen. Auch der Porsche-Mutterkonzern VW hat einen massiven Stellenabbau angekündigt, bei Mercedes ist man daran, die Belegschaft mit Abfindungsprogrammen und Altersteilzeit zu verringern. Ganz allgemein ist die Produktionskapazität für Autos in Deutschland derzeit zu gross, es werden weniger deutsche Autos gekauft als in der Vergangenheit. Deshalb müssen alle Hersteller über die Bücher und ihr Geschäftsmodell anpassen.

Welche Lösungen sehen Sie, damit die deutsche Autoindustrie wieder auf Touren kommt?

VW zum Beispiel braucht günstigere Modelle – und hier liegt das Kernproblem: In Deutschland kann man kaum noch rentabel einen Kleinwagen bauen. Dazu muss das Unternehmen ins Ausland – etwa nach Ungarn –, was wiederum Arbeitsplätze in Deutschland kostet. Deshalb wäre es wichtig, die Energiekosten zu senken, aber auch bei den Gehältern müssen wohl Anpassungen vorgenommen werden.

Ich denke, die deutsche Autoindustrie wird sich neu erfinden, aber das wird noch ein bisschen dauern.

Wird es die deutsche Autoindustrie schaffen, sich neu zu erfinden – oder ist es ein langsames Sterben auf Zeit?

Sicher ist: Die nächsten drei bis fünf Jahre werden schwierig. Dabei muss sich die deutsche Autoindustrie neu erfinden. So hat etwa auch VW-Chef Oliver Blume gesagt, das alte Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr: Nur Blech biegen reicht nicht mehr. Man muss sich neue Geschäftsmodelle überlegen, mit denen die Fabriken künftig ausgelastet werden können. Eine Möglichkeit ist vielleicht die Kreislaufwirtschaft – dass Autos also clever wiederverwertet werden können. Ich denke, die deutsche Autoindustrie wird sich neu erfinden, aber das wird noch ein bisschen dauern.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

SRF 4 News aktuell, 28.7.2026, 7:50 Uhr ; 

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