Darum geht es: Neue Zahlen der deutschen Umweltorganisation Urgewald zeigen, dass bald deutlich mehr metallurgische Kohle abgebaut werden könnte. Diese wird für die äussert energieintensive Stahlproduktion eingesetzt und ist extrem klimaschädlich. Auch der Rohstoffkonzern Glencore und die Grossbank UBS sind involviert, obschon sie sich selbst ehrgeizige Klimaziele gesetzt haben. Gegenüber SRF wehren sich die beiden Schweizer Konzerne.
Das steht im Bericht: Urgewald identifiziert 145 Konzerne, die ihre Bergbauaktivitäten im Bereich metallurgische Kohle ausweiten wollen. Insgesamt soll die jährliche Förderkapazität in den nächsten Jahren um 50 Prozent gesteigert werden. Die wichtigsten Entwickler dieser Kohle sind laut der Datenbank die indische Coal India, die russische A Property Holding JSC und die Anglo American PLC. Der Rohstoffkonzern Glencore, der bei der Kraftwerkskohle vorne mitspielt, ist laut den Daten von Urgewald erst 2024 über eine neue kanadische Tochtergesellschaft ins Geschäft eingestiegen.
So passt das wachsende Angebot zur Nachfrage: Die Internationale Energieagentur IEA weist darauf hin, dass die Nachfrage nach Met-Kohle wohl bereits am Sinken ist. Die Konzerne, die auf eine Ausweitung des Angebots setzen, riskieren also Investitionen in den Sand zu setzen. Ein gewichtiger Teil des Marktes wird allerdings derzeit von Staaten wie Russland und den USA beeinflusst, die Kohle fördern ohne Rücksicht auf Verluste.
Darum gilt Met-Kohle als «Klimakiller»: Kohle, die sich für die Stahlproduktion eignet, muss oft aus sehr tiefen Gesteinsschichten gewonnen werden. Dabei wird besonders viel klimaschädliches Methan freigesetzt. Weil die Stahlindustrie immer noch zu weiten Teilen auf Kohle setzt, ist die Stahlindustrie für 11 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich.
Diese Rolle spielen Glencore und UBS: Urgewald wirft der Schweizer Grossbank UBS vor, noch 2024 Anleihen für den Rohstoffkonzern Glencore ausgegeben und damit indirekt die Förderung von Met-Kohle durch einen Tochterkonzern von Glencore gefördert zu haben. Die kanadische Tochterfirma von Glencore fördere Met-Kohle in Kanada zudem auf äusserst umweltschädliche Art und Weise, in dem ganze Bergspitzen gesprengt würden. Sowohl Glencore als auch die UBS verfügen eigentlich über ehrgeizige Klimaziele.
Reaktion von Glencore und UBS auf die Kritik: Die beiden Konzerne weisen die Kritik zurück. Glencore betont, beim Abbau von Met-Kohle in Kanada würden strenge Umweltrichtlinien eingehalten. Und, Kohle sei für die Stahlproduktion auf absehbare Zeit ein kritischer Rohstoff, «da es derzeit keine skalierbare Alternative für die Primärstahlproduktion gibt.»
Die UBS schreibt, sie sei sich «der Bedeutung eines geordneten Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bewusst», werde aber «keine Kommentare zu möglichen Kundenbeziehungen, Transaktionen oder Investitionen in einzelne Unternehmen abgeben.»
Das taugen die Alternativen von Met-Kohle: Anstelle von Kohle kann zur Stahlproduktion auch grüner Wasserstoff verwendet werden. Solch «grüner Stahl» werde wirtschaftlich immer attraktiver und wohl Mitte der 2030er Jahre günstiger sein als metallurgischer Stahl. Urgewald wertet die Tatsache, dass China 2025 erstmals grünen Stahl nach Europa exportiert hat, als Zeichen für den Wandel, der in Gang komme.