Der Schweizer Messenger-Dienst Threema wird von der deutschen Beteiligungsgesellschaft Comitis Capital übernommen. Das Unternehmen betont ebenso wie Threema selbst, dass sich durch den Einstieg des neuen Investors vorerst wenig ändern soll. Firmensitz und Server bleiben in der Schweiz, die Geschäftsleitung bleibt unverändert.
Ein Finanzinvestor mit breitem Portfolio
Comitis Capital ist eine junge Private-Equity-Firma und kein Technologieunternehmen. Sie investiert in unterschiedliche Branchen, darunter in einen Anbieter veganer Fleischalternativen aus Grossbritannien sowie in einen Hersteller von Hundeaccessoires.
Das Geschäftsmodell besteht darin, vielversprechende Firmen finanziell zu unterstützen, damit sie wachsen und sich international etablieren können. «Dieses Potenzial sieht Comitis jetzt offenbar auch bei Threema», sagt SRF-Digitalredaktorin Tanja Eder.
Datenschutz als Geschäftsmodell
Der starke Fokus auf Datenschutz gilt dabei als zentrale Stärke des Messengers. Gerade weil US-Techkonzerne zunehmend in die Kritik geraten und digitale Souveränität an Bedeutung gewinnt, betrachtet Comitis diesen Aspekt als klares Alleinstellungsmerkmal.
Neben dem den Markt dominierenden WhatsApp bleibt einfach nicht viel Platz für andere Messenger-Dienste.
Ob das langfristig so bleibt, sei offen, so Eder. Denn wenn Comitis dereinst zum Schluss kommen sollte, dass es profitabler wäre, die Daten der Threema-Kunden zu sammeln oder die Firma weiterzuverkaufen, könne ihr das niemand verbieten.
Vertrauen der Behörden bleibt ein Thema
In der Schweiz nutzen auch die Bundesbehörden und das Militär Threema für die interne Kommunikation. Auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass es keine absolute Sicherheit gibt, hat Threema gegenüber der Konkurrenz doch Vorteile.
So ist der Quellcode von Threema offen einsehbar. Fachleute aus den Bereichen Datenschutz, IT-Sicherheit und Forschung überprüfen also regelmässig, ob die von der Firma gemachten Versprechen eingehalten werden. Auch staatliche Stellen können eigene Prüfungen vornehmen.
Kaum Alternativen auf dem Markt
Gute Alternativen zu Threema sind rar. «Neben dem den Markt dominierenden WhatsApp bleibt einfach nicht viel Platz für andere Messenger-Dienste», stellt die Digitalredaktorin fest.
Als ein anderer sicherer Messenger neben Threema gilt aber etwa Signal. Er wird jedoch von den USA aus betrieben, immerhin aber durch eine gemeinnützige Stiftung und mit Spenden finanziert. In der Schweiz bietet Proton zwar verschlüsselte E-Mails an, aber keinen eigenen Messenger.
«Angesichts dieses begrenzten Angebots bleibt zu hoffen, dass datenschutzfreundliche Kommunikationsdienste künftig an Bedeutung gewinnen», sagt Eder.