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Messgerät erleichtert Prognose Risiko einer Frühgeburt besser erkennen

Jährlich kommen 15 Millionen Babys zu früh zur Welt. Ein Schweizer Messgerät könnte künftig einigen den Brutkasten ersparen.

Manchmal beginnt das Leben früher als erwartet. In der Schweiz kommen 6 bis 7 Prozent der Babys als Frühchen zur Welt, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Für sie und die Familien kann das eine enorme Belastung sein.

«Die Organe der Babys sind häufig unreif, weshalb man Frühgeburten verhindern will», sagt Nicole Ochsenbein, Direktorin der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich. Bei Frühchen könne es etwa zu Atembeschwerden oder Hirnblutungen kommen.

Indikator neu erforscht

Ein Indikator für eine potenzielle Frühgeburt ist die Steifheit des Gebärmutterhalses. Diesen Zusammenhang hat die Biomechanikerin Sabrina Badir untersucht. «In klinischen Studien haben wir gezeigt, dass Frauen mit einem weichen Gebärmutterhals häufiger eine Frühgeburt haben», sagt sie.

Der Gebärmutterhals – in der Fachsprache die Zervix – wirke wie der Knoten eines Ballons. Während neun Monaten bleibt er geschlossen, damit das Kind wachsen kann. Geht er zu früh auf, kommt das Kind zu früh zur Welt.

Ein möglicher Zusammenhang war zwar bekannt, doch datenbasiert war er bis anhin nicht. Denn lange konnte man die Steifheit des Gebärmutterhalses gar nicht standardisiert messen. Sabrina Badir hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich ein Messgerät entwickelt und aus dem Projekt das Startup Pregnolia gegründet. Damit das Messgerät im klinischen Alltag zur Diagnostik eingesetzt werden darf, sind weitere Tests nötig.

Prognose schon vor Komplikationen

Bei den bisherigen Studien wurde das Messgerät primär beim Spitaleintritt angewandt. Hier kann es dem medizinischen Personal anzeigen, ob die Patientin Übungswehen oder ob sie echte Wehen hat und eine Geburt somit kurz bevorsteht. Die Ambitionen von Sabrina Badir gehen allerdings weiter.

Wann kommt es zu einer Frühgeburt?

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Eine Frühgeburt kann von Ärztinnen und Ärzten induziert werden, etwa bei einer Schwangerschaftsvergiftung oder bei Erkrankungen von Mutter oder Kind. Bei rund der Hälfte der Frühgeburten sind keine Risikofaktoren bekannt, sodass es zu einer spontanen Frühgeburt kommt. Dazu müssten drei Aspekte erfüllt sein, sagt Nicole Ochsenbein, Direktorin der Klinik für Geburtshilfe am Universitätsspital Zürich: «Zum einen muss der Gebärmutterhals weich werden, bevor er sich verkürzt und öffnet. Zudem muss es zum Ablösen der Eihaut kommen, was am Schluss zu Wehen und – das ist der dritte Punkt – zum vorzeitigen Blasensprung führt.» Die Verkürzung des Gebärmutterhalses lässt sich mittels Ultraschall messen. Bei der Steifheit setzt das Gerät von Sabrina Badir an – bis anhin konnte diese nur ertastet werden.

Ihr Ziel ist es, dass das Gerät schon in früheren Stadien der Schwangerschaft zum Einsatz kommt und schon vor Komplikationen eine potenzielle Frühgeburt prognostizieren kann. «Wir haben gesehen, dass man schon in der 20. Schwangerschaftswoche Unterschiede in der Zervix-Steifigkeit entdecken kann.»

Es ist immer das Ziel, eine Frühgeburt so weit wie möglich hinauszuziehen
Autor: Nicole Ochsenbein Direktorin Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich

Aktuell ist der Ultraschall die gängigste Methode zur Risiko-Identifikation. Nicht in allen Fällen ist er jedoch erfolgreich. Das Risiko zu erkennen wäre jedoch wichtig, damit Ärztinnen reagieren können: «Wenn wir Risikofaktoren für eine Frühgeburt erkennen, ist es immer das Ziel, die Frühgeburt so weit wie möglich hinauszuziehen», sagt Nicole Ochsenbein.

Etwa mit engmaschigen Schwangerschaftskontrollen, Stressreduktion, Medikamente oder Operationen. «Leider hat sich in den letzten Jahren trotz verschiedener Massnahmen die Frühgeburtenrate in der Schweiz nicht weiter reduzieren lassen.»

Förderbeitrag mit Signal

Sabrina Badir will das mit ihrem Startup Pregnolia ändern. 15 Millionen Franken sind bisher in dieses geflossen – davon kürzlich zwei Millionen von der EU. «Das ist ein wichtiges Signal für die Frauen-Medizin», so Badir. Denn diese erhält relativ wenig Fördergelder: Laut dem World Economic Forum fliessen sechs Prozent der gesamten privaten Gesundheitsinvestitionen in die Frauen-Medizin.

Mit dem EU-Förderbeitrag erhofft sich Sabrina Badir einen Dominoeffekt: «Durch ein besseres Verständnis, was zu einer Frühgeburt führt, erhoffen wir uns die Entwicklung gezielter Medikamente und Therapien.»

10 vor 10, 06.03.2026, 21:50 Uhr

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