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Mit 66 Jahren Monika Ribar – eine wirtschaftliche Schlüsselfigur geht

Die Grande Dame der Transportbranche gibt das Präsidium bei der SBB ab und beendet damit eine bemerkenswerte Karriere.

Vergangenen Mittwoch hat Monika Ribar ihre letzte SBB-Jahresmedienkonferenz geleitet. Die zehn Jahre an der Spitze des Bahnbetriebs sind nur ein Ausschnitt einer erstaunlichen Karriere in der Schweizer Wirtschaft.

Nach dem Studium in St. Gallen war der Logistikkonzern Panalpina 1991 eine der ersten Stationen der Toggenburgerin. 15 Jahre später übernahm sie die Leitung des Unternehmens und hatte sie 22 Jahre lang inne.

In Ribars Zeit fielen eine Schmiergeldaffäre in Nigeria, die Finanzkrise und Bussen für Preisabsprachen mit anderen Logistikunternehmen.

«Top 50 Business Women»

Ribar machte in dieser Zeit auch positive Schlagzeilen. Die Financial Times listete sie 2009 unter den «Top 50 Business Women» der Welt auf. Auch in der Schweiz wurde sie für ihre Arbeit ausgezeichnet und erhielt 2006 den «Corporate Women Award Switzerland».

Zur SBB haben viel mehr Leute eine Meinung
Autor: Monika Ribar Abtretende SBB-Präsidentin

An der Spitze von Schweizer Unternehmen war und ist es oft einsam. Monika Ribar setzte sich für mehr Frauen in der Wirtschaft und in Führungspositionen ein. «Ich war damals eine Art Alien als Frau, die ein globales, börsenkotiertes Unternehmen geführt hat», sagt sie im «Eco Talk».

«Ganz klar» hätten es Frauen heute einfacher. Sie seien sichtbarer. Monika Ribar freue sich immer, wenn sie heutzutage das Programm von Podiumsdiskussionen sehe: «Es sind eigentlich immer Frauen dabei, und zwar hochqualifizierte Frauen.»

Frau mit blonden Haaren und gelbem Jackett.
Legende: Die letzte SBB-Medienkonferenz: Mit 66 Jahren tritt Monika Ribar als Präsidentin ab. Keystone / ANTHONY ANEX

Pionierin war sie auch bei der SBB: 2016 übernahm sie als erste Frau das Verwaltungsratspräsidium und leitete zehn Jahre lang die strategischen Geschicke des Unternehmens.

Ihre Zeit bei der SBB war geprägt vom zu spät gelieferten Schüttelzug FV-Dosto, dem Einbruch der Zugreisen während Corona oder dem CEO-Wechsel von Andreas Meyer zu Vincent Ducrot.

Wenn meine Kollegen noch Informationen von mir haben wollen, können wir das machen; aber hinter verschlossenen Türen und sicher nicht in der Öffentlichkeit.
Autor: Monika Ribar Abtretende SBB-Präsidentin

Sie will sich nicht festlegen, ob sie sich im Bundesbetrieb wohler gefühlt habe. «Eine professionelle Führung eines Unternehmens unterscheidet sich für mich nicht von jener in der Privatwirtschaft», sagt sie.

Gleichwohl sei das Umfeld ein ganz anderes. Zur SBB hätten viel mehr Leute eine Meinung, «und wir sind sehr stark von öffentlichen Subventionen abhängig. Das verändert natürlich auch die Arbeit.» Kantone als Stakeholder seien selbstverständlich viel wichtiger als für einen internationalen Konzern wie Panalpina.

«Servir et disparaître»

In wenigen Wochen übernimmt der ehemalige Chef des Baukonzerns Implenia, André Wyss, das Amt des Verwaltungsratspräsidenten.

Für die Zeit danach will Ribar auf das Prinzip «Servir et disparaître» («dienen, und dann verschwinden») setzen – was nicht heisst, dass sie ihre Erfahrung nicht mehr weitergeben will: «Wenn meine Kollegen noch Informationen von mir haben wollen, können wir das machen; aber hinter verschlossenen Türen und sicher nicht in der Öffentlichkeit.»

Mit dem SBB-Präsidium hat Monika Ribar sämtliche Mandate abgegeben – bis auf eines: Sie will sich beim Schweizer Entwicklungsprojekt in Kambodscha, «Smiling Gecko», engagieren.

Eco Talk, 16.3.2026, 22.25 Uhr ; 

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