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Netto-Null-Ziel Die Schweiz sucht internationalen Markt für CO₂‑Entnahme

Die Technologie funktioniert, aber noch ist sie teuer. Die Zusammenarbeit mit Norwegen und neu mit Schweden soll das ändern.

Es gibt Bereiche, in denen es schwierig ist, den Ausstoss von klimaschädlichem CO₂ zu reduzieren – zum Beispiel in der Zementindustrie. Rund ein Drittel der Schweizer Emissionen gelten als schwer vermeidbar. Um das Netto-Null-Ziel zu erreichen, muss die Schweiz der Atmosphäre CO₂ entnehmen. Technisch ist das machbar, aber es gibt noch keinen Markt dafür. Das will die Schweiz ändern.

Schweizer Technologie sucht internationalen Markt

Technologisch gehören Schweizer Unternehmen zu den Pionieren. Das ETH‑Spin-off Climeworks beispielsweise hat eine Art CO₂-Sauger entwickelt, der statt Staub Kohlendioxid aus der Luft holt.

CO₂ kann im Prinzip überall auf der Welt aus der Luft geholt werden. Das heisst, ich möchte den Standort aussuchen, an dem es am kostengünstigsten ist.
Autor: Jan Wurzbacher Co-Chef Climeworks

Nach einem Dämpfer im letzten Jahr baut das Unternehmen derzeit die dritte Generation dieser CO₂-Sauger. Damit könnten bald Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden, glaubt der Mitgründer und Co-Chef von Climeworks, Jan Wurzbacher. Dafür brauche es aber einen Markt über Landesgrenzen hinweg.

Wie Climeworks CO₂ aus der Atmosphäre saugt

«CO₂ kann im Prinzip überall auf der Welt aus der Luft geholt werden. Das heisst, ich möchte den Standort aussuchen, an dem es am kostengünstigsten ist.» Noch koste die Entnahme gegen tausend Franken pro Tonne CO₂.

Auch die Firma Neustark gehört zu den Pionieren der CO₂-Entnahme. Sie scheidet das klimaschädliche Gas nicht aus der Luft ab, sondern dort, wo es entsteht, zum Beispiel bei Biogasanlagen, und speichert es in Recyclingbeton.

Wenn der Markt wachsen soll, dann ist es unbedingt notwendig, dass Klimaschutzmassnahmen über Landesgrenzen hinweg verrechnet werden können.
Autor: Valentin Gutknecht Co-Chef Neustark

Valentin Gutknecht, Mitgründer und Co-Chef von Neustark, plädiert für internationale Zusammenarbeit. «Projekte finden in gewissen Ländern statt. Die Käufer des Klimanutzens sind in anderen Ländern. Wenn der Markt wachsen soll, dann ist es unbedingt notwendig, dass Klimaschutzmassnahmen über Landesgrenzen hinweg verrechnet werden können.»

Zusammenarbeit mit Norwegen und neu auch mit Schweden

Entsprechende Mechanismen hat die Schweiz im vergangenen Jahr mit Norwegen getestet. Nun hat sie auch mit Schweden eine Vereinbarung unterzeichnet. Umweltbotschafter Felix Wertli erläutert: «Mit diesen Pilot-Aktivitäten testen wir, wie das zwischen zwei Ländern geschehen kann, und wir finden Akteure aus der Wirtschaft, die solche Projekte umsetzen können.»

Wir haben darauf gewartet, dass die Behörden für die Qualität von CO₂-Zertifikaten garantieren. Genau das tun die Schweiz und Schweden jetzt.
Autor: Kay Török Nachhaltigkeitschef Max Burgers

Ein solcher Partner aus der schwedischen Wirtschaft ist die Restaurantkette Max Burgers. Das Unternehmen kaufe schon seit Jahren Zertifikate für CO₂-Reduktionen. Die Qualität dieser Zertifikate sei aber teils mangelhaft gewesen, erklärt Nachhaltigkeitschef Kay Török. «Wir haben darauf gewartet, dass die Behörden für die Qualität von CO₂-Zertifikaten garantieren. Genau das tun die Schweiz und Schweden jetzt.»

Wir sind als Binnenland beim Klimaschutz auf andere Länder angewiesen und darauf, dass wir Schweizer Technologien auf dem Weltmarkt platzieren können.
Autor: René Estermann Direktor, Umwelt- und Gesundheitsschutz, Stadt Zürich

Auch auf Schweizer Seite stösst das bilaterale Abkommen zur CO₂-Entnahme auf Interesse, zum Beispiel bei der Fluggesellschaft Swiss, aber auch bei der Stadt Zürich. René Estermann, Direktor des Umwelt- und Gesundheitsschutzes, sagt: «Wir sind als Binnenland beim Klimaschutz auf andere Länder angewiesen und darauf, dass wir Schweizer Technologien auf dem Weltmarkt platzieren können.» Die Stadt Zürich will ab 2028 CO₂, das bei einer Kläranlage entsteht, abscheiden und nach Dänemark transportieren.

Ist die Schweiz auf Kurs?

Um 2050 muss die Schweiz jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernen können. Es fragt sich, ob sie heute auf Kurs ist. Umweltbotschafter Felix Wertli meint dazu: «Das Ziel ist für 2050. Wir haben noch etwas Zeit. Was wir hier machen, ist, den Weg vorzubereiten.»

Echo der Zeit, 15.06.2026, 18 Uhr ; brus

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