Nick Hayek: «Es hat zu viele Politiker»

Der Swatch-Chef hat mit einer Ablehnung der Mindestlohn-Initiative gerechnet, sagt er im Interview mit «ECO». Seine Kritik gilt den Politikern: Sie seien es, die mit ihren Initiativen «ein bisschen übertreiben».

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Nick Hayek zur Mindestlohn-Abstimmung

1:36 min, vom 19.5.2014
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Zuschauerfragen an Nick Hayek

Zuschauerfragen an Nick Hayek

Mindestkurs, Ressourcen-Effizienz, Führungsstil, Kreativität – die Zuschauer haben der «ECO»-Redaktion Fragen an den Swatch-Chef eingereicht. Nick Hayek hat sie beantwortet: zum Video.

«Ich habe das eigentlich so erwartet», sagt Nick Hayek zum Resultat der Abstimmung über einen staatlich verordneten Mindestlohn, «weil die Schweizer nie mit etwas geliebäugelt haben, das zentralistisch verordnet wird vom Staat.» Im Interview mit «ECO» lobt der Swatch-Konzernchef die Umsicht des Schweizer Stimmvolks: «Man hat ja gesehen, dass die Leute genau wissen: Wo ist es wichtig? Wo sollen sie Prioritäten setzen?»

Mindestens 4000 Franken – diesen Lohn erhalten auch im Swatch-Konzern nicht alle. Nick Hayek bestätigt, dass dies im Jura und vor allem im Tessin noch nicht der Fall sei. Hayek sieht darin keine primäre Notwendigkeit. Er glaubt, er könne seine Mitarbeiter stattdessen mit Aussichten auf bessere Zeiten zufriedenstellen: «Wichtiger als ein Mindestlohn ist, dass man den Leuten Perpektiven gibt», sagt er, «dass die Leute, die bei uns in gewissen Regionen anfangen, in drei, vier, fünf Monaten weitergehen können, dass sie Perspektiven sehen und irgendwann vier-fünf, fünf-, sechs-, siebentausend Franken verdienen.»

«  Politiker denken, man sieht nur, dass sie arbeiten, wenn sie irgendwelche Initiativen lancieren. »

Nick Hayek
Konzernchef Swatch Group

Solche Initiativen könnten der Schweiz in Nick Hayeks Augen nichts anhaben. Er ortet das Problem beim politischen Übereifer: «Es sind die Politiker, die ein bisschen übertreiben. Sie denken, man sieht nur, dass sie arbeiten, wenn sie irgendwelche Initiativen lancieren.» Auf Reto Lipps Nachfrage, ob Politiker sich also weniger um solche Dinge kümmern sollten, meint er schlicht: «Es hat zu viele Politiker.»

Am Anschluss an das Interview äussert sich Nick Hayek gegenüber Reto Lipp auch zur Initiative «Gegen Masseneinanderung» vom 9. Februar 2014. Seiner Meinung nach solle man nun keine Eile walten lassen, sondern sich Zeit nehmen für die Ausgestaltung. In welcher Form Kontingente künftig wieder eingeführt werden, solle nicht Sache des Bundes sein. Es müssten die Kantone und vor allem die Regionen sein, die mit der Umsetzung beauftragt werden sollten.

Mit dem Hubschrauber zur Arbeit

Nick Hayek ist einer der bekanntesten Unternehmer der Schweiz – und ein Querdenker. Der leidenschaftliche Pilot fliegt gerne mal mit dem Hubschrauber zur Arbeit, Besucher empfängt er in Jeans und Pullover, Anzüge und Krawatten sind nicht sein Stil. Mit seiner Meinung hält er sich nicht zurück, auch wenn sie politisch unkorrekt ist. Darin gleicht er seinem Vater, von dem er auch gelernt hat: «Bewahre das spielerische Denken eines Sechsjährigen und verbiege dich nicht im Leben.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Nick Hayek – der erfolgreiche Querdenker

    Aus ECO vom 19.5.2014

    Ein bisschen Chaos sei für Grosskonzerne nicht schlecht – das sagen nicht Kapitalismuskritiker, das sagt Swatch-Chef Nick Hayek. Hayek ist der Querdenker unter den Schweizer Firmenchefs: Er raucht während Medienkonferenzen Zigarren, lässt den Geschäftsbericht auf Schweizerdeutsch drucken, legt sich mit grossen Playern wie der UBS und Apple an – und hat den Umsatz in 10 Jahren mehr als verdoppelt. Im «ECO»-Interview spricht er über Standortvorteile, Streit und Stellen.