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Öl-Geld fürs Klima Norwegischer Risiko-Chef: «Gibt keine vergleichbaren Ereignisse»

Der norwegische Staatsfonds ist der grösste seiner Art. Seine Aufgabe: mit den Erlösen aus Öl und Gas vorzusorgen – für die Zeit, in der die fossilen Energieträger nicht mehr sprudeln. Schon heute ist der Fonds mit wachsenden Klimarisiken konfrontiert – mit Risiken also, die das Geld im Staatsfonds mitverursacht hat. Christopher Wright, Chef Nachhaltigkeit und geopolitische Risiken beim Fonds, nimmt Stellung zu diesem Paradox und zum Umgang mit Klimarisiken.

Christopher Wright

Chef Nachhaltigkeit beim norwegischen Staatsfonds

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Christopher Wright ist Chef Nachhaltigkeit und geopolitische Risiken beim norwegischen Staatsfonds.

SRF News: Der norwegische Staatsfonds ist an fast allen grossen Unternehmen weltweit beteiligt. Sie können Klimarisiken wie heftigeren Stürmen, längeren Dürren usw. also gar nicht entkommen. Wie gehen Sie damit um?

Christopher Wright: Ein Sturm ist meist auf eine Region beschränkt. Die Verluste gleichen wir mit Gewinnen andernorts aus. Systemischen, globalen Risiken sind wir jedoch ausgesetzt. Ihnen begegnen wir, indem wir die Unternehmen auffordern, zu erfassen, wie ihre Vermögenswerte von Klimarisiken betroffen sein könnten. Wenn sie in Gebieten tätig sind, in denen es zu Überschwemmungen kommt, sollten sie in Hochwasserschutz investieren.

Wenn die Wirtschaft weniger Emissionen verursacht, wird sich der Klimawandel abschwächen, und davon wird der Staatsfonds langfristig profitieren.

Zudem sollen die Unternehmen ihre Emissionen messen und Pläne für den Übergang zu Netto-Null aufstellen und publizieren. Wenn die Wirtschaft weniger Emissionen verursacht, wird sich der Klimawandel abschwächen, und davon wird der Staatsfonds langfristig profitieren.

Inwiefern unterscheiden sich Klimarisiken von anderen Risiken, mit denen Sie konfrontiert sind?

Andere systemische Risiken, denen wir ausgesetzt sind, etwa Finanzkrisen, kennen wir aus der Vergangenheit. Sie unterscheiden sich zwar immer, aber wir wissen mehr oder weniger, was sie auslöst. Der aktuelle Klimawandel ist in der gesamten Menschheitsgeschichte beispiellos; es gibt keine vergleichbaren Ereignisse, von denen wir lernen könnten.

Der Klimawandel ist, wie Nicholas Stern sagte, das grösste Marktversagen überhaupt.

Kommt dazu: Viele Entwicklungen sind unumkehrbar. Eine Kreditkrise kann gelöst werden – das haben wir in der Vergangenheit bereits geschafft. Ausgestorbene Arten werden aber nicht zurückkommen. Geschmolzene Gletscher sind für immer weg. Unsere verschiedenen Modelle können nicht ausschliessen, dass der Klimawandel gravierende Auswirkungen haben wird.

Die Staatengemeinschaft wird die Pariser Klimaziele verfehlen, wenn sie so weitermacht wie bisher. Sind Sie besorgt?

Wir sollten uns Sorgen machen. Der Klimawandel ist, wie (der britische Ökonom) Nicholas Stern sagte, das grösste Marktversagen überhaupt. Die heutigen Emissionskosten spiegeln die gesellschaftlichen Kosten der Zukunft nicht wider. Damit müssen sich die Regierungen befassen.

Person in einem roten Kajak auf einem grossen See mit trockenem, rissigem Ufer.
Legende: Dürren sind eine der Folgen des Klimawandels. (Lake Oroville in Nordkalifornien, 22.8.2021) Keystone/AP Photo/Ethan Swope

Seit dem Pariser Abkommen haben wir grosse Fortschritte gemacht. Die Emissionen wurden reduziert, und die Kosten für Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien sind deutlich gesunken. Doch die Fortschritte reichen nicht. Die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Erwärmung steigt und damit die Wahrscheinlichkeit erheblicher klimatischer Auswirkungen auf die Wirtschaft – und auf den Fonds.

Das Geld im Staatsfonds stammt aus dem Verkauf von Öl und Gas, was massgeblich zum Klimawandel beiträgt. Bedeutet das nicht, dass Ihr Fonds verpflichtet ist, so klimaverantwortlich wie möglich zu handeln?

Das müssen andere entscheiden. Das norwegische Parlament hat erkannt, dass der Klimawandel ein finanzielles Risiko für den Fonds darstellt, und es möchte, dass der Fonds eine Vorreiterrolle bei der Bewältigung der mit seinen Investitionen verbundenen Klimarisiken einnimmt.

Das Gespräch führte Klaus Ammann.

Echo der Zeit, 28.6.2026, 18 Uhr ; 

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