Der Krieg im Nahen Osten zieht immer weitere Kreise. Zurzeit brennen Treibstofftanks in Bahrain und Oman, in Saudi-Arabien wurde eine Drohne auf dem Flug zum grossen Ölfeld Shaybah abgefangen. Wirtschaftsredaktor Matthias Heim über mögliche Folgen der iranischen Angriffe für den Ölmarkt.
Iranische Drohnen suchen inzwischen ein riesiges Gebiet heim. Wie sind die Dimensionen?
Die iranischen Drohnen haben eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern. Sie können in der ganzen Region auch weiter entfernte Ziele treffen: Heute Donnerstag haben mehrere Drohnen den Flughafen von Kuwait getroffen, in der Nacht sind in Bahrain Drohnen niedergegangen, Saudi-Arabien hat Drohnen abgefangen, die auf dem Weg zum Shaybah-Ölfeld, einem der grössten Ölfelder weltweit, waren. Und ganz im Süden des Omans haben Drohnen ein Tanklager in Brand gesetzt.
Wie viele Drohnen besitzt der Iran?
Wirklich verlässliche Zahlen gibt es kaum. Die USA behaupten zwar, dass die Drohnen-Flüge der Iraner in den vergangenen Tagen stark zurückgegangen seien – auch weil die Amerikaner Drohnen-Fabriken bombardiert hätten. Aber seit dem Ukraine-Krieg wissen wir, dass sich kleinere, aber auch grössere Drohnen vergleichsweise einfach und im Versteckten herstellen lassen. Letztlich ist es eben auch eine Kostenfrage: Wie viele der vergleichsweise wertvollen Abwehrraketen wollen – und können – die USA und die Golfstaaten einsetzen?
Die Internationale Energieagentur IEA empfiehlt, globale Ölreserven koordiniert freizugeben. Hat der Iran militärisch die Kontrolle über die Strasse von Hormus?
Faktisch ja, und dazu müssen die Iraner gar nicht erst die Meerenge verminen, wie befürchtet wird. In den vergangenen Tagen sind mindestens 16 Schiffe in der Region attackiert worden, erst gestern Mittwoch wieder hat es ein Container-Schiff getroffen. Dieser Umstand alleine reicht bereits aus, dass sich die grossen, etablierten Schifffahrtsgesellschaften hüten werden, mit ihren Schiffen durch die Strasse von Hormus zu fahren. Und solange diese Gefahr real ist, wird auch kein Gas und Öl den Persischen Golf verlassen.
Was heisst das alles für die Benzinpreise und Heizölpreise in der Schweiz?
Auch wenn nun Ölreserven freigegeben werden, hat die Ankündigung nicht dazu geführt, dass die Ölpreise bereits stark gesunken wären. Aktuell bewegt sich das Fass der europäischen Sorte Brent weiterhin um die 100 Dollar, und damit deutlich über den 70 Dollar von vor dem Krieg. Die Produktion von Gas und Öl im Persischen Golf wird nun gedrosselt, weil das Öl nicht mehr abtransportiert wird, aber auch aus Sicherheitsgründen: iranische Bomben und Drohnen haben bereits zu Schäden an Förderanlagen und Raffinerien geführt. Der Iran hat es darauf abgesehen, weil sie wissen, dass hohe Erdölpreise die Achillesferse von Donald Trump sind. Solange dieser Krieg dauert, ist kaum mit einer grossen Entspannung zu rechnen.