Praktisch für Gäste – für Hotels Fluch und Segen

Praktisch für Gäste, für Hoteliers Fluch und Segen: Buchungsportale bringen zwar Kunden, drücken aber auf die Margen. Das Umfeld ist schwierig genug. Besonders massiv ist der Rückgang bei Gästen aus Deutschland. Auch deshalb wollen sich Schweizer Hoteliers nicht mehr alles bieten lassen.

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Buchungs-Portale machen Hoteliers zu schaffen

4:37 min, aus 10vor10 vom 23.2.2016

Das schönste, bestbewertete Hotel mit dem idealen Preis-Leistungsverhältnis – dazu braucht's heutzutage nur einige Klicks. Buchungportale machen's möglich.

Immer mehr Gäste buchen über Online-Plattformen und nicht mehr direkt beim Hotel. 25 Prozent der Buchungen erfolgen so, bei Stadthotels sind es bis zu 50 Prozent. Was praktisch ist für die Gäste, ist für Hoteliers Fluch und Segen zugleich.

Buchungsplattformen als Segen

Für Chris Rosser, den Direktor eines Hotels in Steffisburg, sind Buchungsplattformen ein Gewinn. Sie erleichtern die elektronische Abwicklung. Das Hotel ist erst seit November offen. «Wenn man ein Hotel neu eröffnet, kann man sich über Buchungsplattformen in sehr kurzer Zeit gut positionieren.»

Buchungsportale bringen zwar Kunden, drücken aber auf die Margen. Das Umfeld ist schwierig genug, im letzten Jahr sind die Logiernächte in der Schweiz um knapp 1 Prozent zurückgegangen.

Buchungsplattformen als Fluch

Besonders massiv ist der Rückgang bei Gästen aus Deutschland mit über 12 Prozent. Auch deshalb wollen sich einige Schweizer Hoteliers von den Buchungsplattformen nicht mehr alles bieten lassen.

Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig wirbt dafür, direkt beim Hotel zu buchen: «Man zahlt den Buchungsplattformen eine Kommission von 10 bis 20 Prozent, und das ist ein Teil der Marge, der für die Hotels verloren geht.»

Umstrittene Best-Preis-Klausel

Auch Daniel Siegenthaler, von Hoteldirekt in Bern, ist nicht nur glücklich über die Expansion der Buchungsplattformen. Er stört sich daran, dass er auf der hoteleigenen Webseite keine günstigeren Preise anbieten darf als Booking .com.

Der Marktführer unter den Buchungsportalen verlangt dies so in der sogenannten Best-Preis-Klausel.Siegenthaler sagt dazu: «Wir wollen die Preishoheit eigentlich beim Hotelier behalten. Er soll bestimmen können, wo er seinen besten Preis ausschreiben will. Mit Vorteil natürlich auf seiner eigenen Webseite.»

Booking .com schreibt zur umstrittenen Best-Preis-Klausel: «Booking .com ist für viele Hotels eine ausgesprochen kostengünstige Marketing-Plattform (…). Als Gegenleistung verlangt Booking von den Unterkünften nur, dass sie auf Booking .com die gleichen Preise anbieten wie auf ihren eigenen Webseiten.»

Doch international kommt die Bestimmung unter Druck. Das deutsche Bundeskartellamt verlangte kürzlich «die Entfernung der verwendeten Bestpreisklauseln aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bis zum 31. Januar 2016…»

Die Klausel würde den Wettbewerb auf dem Hotelmarkt beschränken.In der Schweiz gilt die Best-Preis-Bestimmung noch. Die Hoteliers planen deswegen nun die Politik einzuschalten.

Fragwürdige Bewertungen

Ein weiteres Problem sehen sie bei den Rankings von Booking .com. In der Grundeinstellung zeigen diese bei der Hotelsuche nicht unbedingt die Hotels mit den besten Bewertungen zuerst.

Roland Schegg, Experte für Online-Tourismus an der Fachhochschule Wallis, sagt, für die Rankings spielten verschiedene Faktoren eine Rolle. Er empfiehlt den Nutzern: «Man kann nicht davon ausgehen, dass das erste Resultat auch das beste ist. Als Kunde sollte man auch auf anderen Buchungsportalen die Preise nachschauen oder auch direkt beim Hotel».

Booking .com sagt, die Nutzer könnten die Rankings individuell anpassen.
Bei Buchungsplattformen müssen Hoteliers und Gäste genau hinschauen, um profitieren zu können.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Schweiz bleibt trotz Sorgen beliebt

    Aus Tagesschau vom 23.2.2016

    Trotz hoher Preise ist die Zahl der Hotel-Übernachtungen im vergangenen Jahr nur ganz leicht zurückgegangen. Dennoch ist die Tourismusbranche nicht ohne Sorgen, vor allem in den Bergregionen.

  • Tourismus-Bilanz 2015: Städte top - Berge flop

    Aus Schweiz aktuell vom 23.2.2016

    Die Schweizer Hotels registrierten letztes Jahr einen leichten Rückgang bei den Logiernächten. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Besonders hart trifft es die Ferienorte, allen voran Graubünden. Die Übernachtungszahlen steigen hingegen in den Schweizer Städten wie Zürich und Luzern – vor allem dank zunehmenden Buchungen aus dem asiatischen und arabischen Raum. «Schweiz aktuell» nimmt einen Augenschein in Zürich und macht eine Liveschaltung nach Savognin zu Otmar Seiler.