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Säule 3a: Anlegen statt Sparen «Es macht wenig Sinn, viel Vorsorgegeld brachliegen zu lassen»

Der Verein Vorsorge Schweiz (VVS) vertritt die Interessen der Freizügigkeits- und Säule-3a-Stiftungen und ihrer Kunden. Laut dem VVS werden rund 40 Prozent der Gelder in der Säule 3a angelegt, 60 Prozent liegen auf Sparkonten. Der Leiter der Vorsorge- und Vermögensberatung der Raiffeisen Schweiz, Tashi Gumbatshang, steht dem kritisch gegenüber.

Tashi Gumbatshang

Leiter Vorsorge- und Vermögensberatung, Raiffeisen Schweiz

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Tashi Gumbatshang ist Experte rund um das Thema Vorsorge und Vermögensplanung.

SRF News: Warum stört Sie die aktuelle Aufteilung der Säule-3a-Vorsorgegelder in Spar- und Anlagelösungen?

Tashi Gumbatshang: Es macht sehr wenig Sinn, dass ein Grossteil der Säule-3a-Vermögen nicht angelegt ist. Denn diese Gelder liegen typischerweise sehr lange auf einem Konto, und bei einem Sparkonto kann man im Vergleich zu einer Anlagelösung nur sehr tiefe Zinsen erzielen.

Das sind rund zwei Milliarden Franken pro Jahr, die den Leuten entgehen.

Der Zins liegt heute bei ungefähr 0.5 Prozent bei Säule-3a-Sparkonten gegenüber einer Anlagestrategie mit rund 3.5 Prozent Rendite. Da kommt man gut und gerne auf rund zwei Milliarden Franken pro Jahr, die den Leuten entgehen.

Welche Auswirkungen hätte es auf die Gesellschaft, wenn mehr Säule-3a-Vorsorgegelder angelegt würden?

Die Gesellschaft würde definitiv profitieren. Denn wenn sich die Vorsorgesituation des Einzelnen verbessert und dadurch insgesamt eine höhere Vorsorgesumme zusammenkommt, wird der Staat entlastet, indem er weniger in die Bresche springen muss.

Wer profitiert besonders von einer Säule-3a-Anlagelösung?

Insbesondere bei jüngeren Leuten, die einen sehr langen Anlagehorizont haben, sieht man grosse Unterschiede. Da kommt am Ende gut und gerne ein Mehrfaches als Vorsorgesumme zusammen, wenn man das Vorsorgegeld anlegt, statt es nur auf dem Sparkonto zu haben.

3 Kurven: Sparkonto 0.5% = 322'107; Anlagestrategie 3.5% = 635'144; Anlagestrategie 5.0% = 920'603
Legende: Vermögensentwicklung bei einem Anlagehorizont von 40 Jahren Drei Szenarien bei jährlicher Einzahlung des Maximalbetrags. Raiffeisen Schweiz

Woran liegt es, dass die Menschen in der Schweiz ihre Säule-3a-Vorsorgegelder zurückhaltend investieren?

Die dritte Säule wird vor allem als Steuersparinstrument wahrgenommen und weniger als Mittel zum systematischen Vermögensaufbau. Dazu kommt, dass das Wissen rund um Finanzen und Geldanlagen in der breiten Bevölkerung relativ bescheiden ist. Es gibt auch viele falsche Vorstellungen vom Anlegen, Stichwort Casino.

Die Säule 3a wird als Steuersparinstrument wahrgenommen und weniger für den Vermögensaufbau.

Ausserdem ist die Aktienkultur in Europa wenig ausgeprägt, nicht so wie etwa in den angelsächsischen Ländern. Daher ist es besonders wichtig, Wissen hinsichtlich grundlegender Zusammenhänge im Finanzbereich zu vermitteln.

Wem würden Sie davon abraten, das Säule-3a-Vorsorgegeld anzulegen?

Je kürzer der Anlagehorizont ist, desto weniger würde ich empfehlen, anzulegen, beziehungsweise würde ich eine tiefere Aktienquote empfehlen. Wenn man hingegen weiss, dass es noch mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte dauert, bis man das Geld braucht, würde ich mir überlegen, anzulegen. Unabhängig davon, ob man eine Spar- oder Anlagelösung wählt, kann das Vermögen aus der Säule 3a aber nur in wenigen Fällen vorzeitig bezogen werden, etwa, wenn man Eigentum erwirbt, auswandert oder sich selbstständig macht.

Das Gespräch führte Rahel Winkelmann.

Tagesschau, 11.4.2026, 19:30 Uhr ; 

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