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Schlag gegen Cyberkriminalität Betrüger fälschten ganzen Polizeiposten und erbeuteten Millionen

  • Betrüger haben eine ganze Polizeistation inklusive Wandbeschilderung und Uniformen nachgemacht – und sind aufgeflogen.
  • 97 Länder arbeiteten in einer der weltweit grössten Polizeiaktionen der letzten Jahre zusammen, um solche und ähnliche Betrugsmaschen aufzudecken.
  • Fast 6000 Verdächtige wurden festgenommen, unter anderem in Thailand, China und im afrikanischen Eswatini.
  • Die Betrüger könnten aber selbst Opfer sein – von Menschenhändlern, die sie zur illegalen Arbeit zwangen.

Betrüger geben sich als Polizisten, Bankmitarbeiter oder als der eigene Chef aus und ergaunern so Geld oder Kontodaten. In einer der grössten Polizeiaktionen seit Jahren hatte die internationale kriminalpolizeiliche Organisation Interpol diese Art von Social Engineering im Visier. Also alle Arten von Betrügereien, die mit sozialer Manipulation zu tun haben.

Gefälschte Polizeistation konfisziert

In Thailand zum Beispiel hat die Polizei einen Geldwäscherei-Ring zerschlagen. Dort wurde Geld von Liebesbetrügern gewaschen.

Menschenhändler halten Cybersklaven

Die Betrüger werden immer wieder zu dieser Art von Arbeit gezwungen. Sie können Opfer von Menschenhandel sein. Es sind professionelle mafiöse Netzwerke am Werk, zum Beispiel die chinesischen Triaden. Sie operieren weltweit und arbeiten mit korrupten Regierungen zusammen. Besonders verbreitet sind die Netzwerke in Südostasien, in Kambodscha, und sie missachten laut Amnesty International die Menschenrechte.

Die Rede ist von modernen Cybersklaven. Ihnen werden Pass und Telefon abgenommen und sie müssen zwölf Stunden am Stück arbeiten, dürfen keine Pausen machen, nicht einmal auf die Toilette gehen. Einige würden sogar geschlagen oder gefoltert.

Ein Raum voller Technikgeräte und Menschen, die sich umschauen.
Legende: Solche «Fabriken» wie hier in Sri Lanka, in denen systematisch Liebes- oder Finanzbetrug begangen wird, kommen weltweit vor, am meisten in Südostasien. Interpol

Interpol antwortet auf Anfrage von SRF, dass es bei dieser internationalen Polizeiaktion primär um die Aufdeckung von Cyberbetrug ging und nicht um Menschenhandel, dass Menschenhandel aber mitberücksichtigt wurde. Laut Interpol sind auch Drahtzieher der grossen kriminellen Netzwerke verhaftet worden. Es bleibt offen, wie viele von den insgesamt fast 6000 Verhafteten selber Opfer von Menschenhandel waren.

Indizien für Menschenhandel

Laut Natalie Wenger von Amnesty International Schweiz gibt es auch im aktuellen Fall Indizien für Menschenhandel. So sind im Inselstaat Palau 22 Verdächtige nicht direkt verhaftet, sondern aus dem Land geschafft worden. Dies sei ein Indiz dafür, dass es sich um illegal eingeschleuste Arbeitskräfte gehandelt haben könnte. Amnesty International hofft, dass sie als Opfer aus dem Land gebracht anstatt als Täter angeklagt werden.

Sind solche Razzien ein Tropfen auf den heissen Stein?

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Interpol spricht von einem grossen Erfolg. Das mag für die internationale Zusammenarbeit stimmen. Es war in der Tat ein logistischer Erfolg. Aber am Ende bleiben solche Aktionen jeweils eher ein Tropfen auf den heissen Stein.

Denn die UNO schätzt, das jährlich fast 500 Milliarden US-Dollar mit solchen Betrugsmaschen ergaunert werden. Mit den aktuellen Verhaftungen hat Interpol gerade einmal 293 Millionen US-Dollar beschlagnahmt. Es gibt also noch viel zu tun.

Schweiz bei Polizeiaktion nicht dabei

Bei der orchestrierten Polizeiaktion waren insgesamt 97 Länder offiziell dabei, unter anderem Österreich, Frankreich und Liechtenstein, nicht aber die Schweiz. Interpol schreibt auf Anfrage, dass die Teilnahme an dieser Operation «First Light» freiwillig sei und sie jeweils alle Staaten ermutige, mitzumachen.

Die Schweizer Bundespolizei Fedpol ist für die internationale Zusammenarbeit zuständig, kann sich auf Anfrage zu dieser Polizeioperation aber nicht äussern, da sie nicht involviert war. Fedpol schreibt, dass sie zusammen mit Interpol jeweils prüfe, ob eine Beteiligung der Schweiz sinnvoll sei oder nicht. Man könne nicht überall dabei sein, sondern müsse priorisieren, je nach Mehrwert.

Warum die Zusammenarbeit hier nicht priorisiert wurde, bleibt offen. Fakt ist, dass laut Bundesamt für Statistik auch in der Schweiz jedes Jahr zehntausende Menschen in Kontakt mit solchen Betrugsmaschen kommen.

Echo der Zeit, 10.07.2026, 18:00 Uhr

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