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Schokoladenhersteller im Fokus Schweizer Milchbauern machen Druck auf Toblerone

Die Produzenten wissen nicht, wohin mit ihrer Milch. Dennoch importiert Mondelez aus dem Ausland. Die Gründe.

Milchproduzent Heinz Siegenthaler will ein Zeichen setzen. Am Vormittag des 19. Februar kippt er literweise Milch aus – und zwar vor den Toren des Werks in Bern, in der die Toblerone-Schokolade produziert wird. Zwar ist sie schon seit vielen Jahren keine Schweizer Marke mehr, sondern gehört dem US-Konzern Mondelez, aber hergestellt wird sie weiterhin in der Schweiz.

«Die Mondelez-Fabrik will 1000 Tonnen Butter importieren, und das wollen wir verhindern», sagt Heinz Siegenthaler, der auch Präsident des Bäuerlichen Zentrums Schweiz ist. Lieber sähen sie, dass der Schokoladenhersteller ihre Milch verwendet.

Die Schweizer Bauern produzieren zu viel Milch und wollen sie dringend loswerden. Die Molkereien können nicht alles abnehmen, es musste bereits Milch vernichtet werden. Besonders im vergangenen Jahr habe unter anderem eine aussergewöhnlich hohe Qualität des Futters zu einem Überschuss geführt, so der Milchbauernverband.

Hersteller wie Mondelez können den sogenannten «Veredelungsverkehr» nutzen, um sich ihre Rohstoffe zu beschaffen. Nach Recherchen des «Schweizer Bauer» hat der Bund im 2. Halbjahr 2025 den Import von 7'000'000 Kilogramm Milch und 1'856'450 Kilogramm Milchpulver bewilligt.

So funktioniert der Veredelungsverkehr

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Ein ausländischer Schokoladenproduzent lässt beispielsweise eine Schoggi-Sorte bei einer Schweizer Tochterfirma herstellen. Das Milchpulver oder die Butter dazu werden zollfrei etwa aus der EU importiert. Um eine Bewilligung des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit zu erhalten, muss eines von zwei Kriterien erfüllt sein: 1. Entweder es gibt zu wenig Milchpulver oder Butter in der Schweiz oder 2. Schweizer Milchpulver oder Butter wäre für den Schokoladenproduzenten teurer als ausländische Rohstoffe.

Ökonom Mathias Binswanger kritisiert die derzeitige Situation – zu importieren trotz Überschuss im Inland – als «relativ absurd». Er ist Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und hat den Veredelungsverkehr im Auftrag des Bauernverbands untersucht. Er sagt: «Die Bewilligungen zum Import sollten eigentlich nur dann gegeben werden, wenn in der Schweiz der Rohstoff nicht in genügender Menge vorhanden ist. Und das ist im Moment nicht der Fall.» Der Zollschutz werde unterlaufen. Man müsse das Bewilligungsverfahren überdenken.

Zu einer anderen Beurteilung kommt die liberale Denkfabrik «Avenir Suisse». Schweizer Milch sei wegen ihres Preises für Schokoladenhersteller ein Wettbewerbsnachteil, sagt Christoph Eisenring, Leiter Programme und Forschung. «Wenn die verarbeitende Industrie eine zu geringe Marge in der Schweiz macht und dadurch hier nicht mehr investiert, dann ist das auch schlecht für die Bauern, die dann langfristig einen Absatzkanal verlieren.»

Er appelliert an die Verantwortung der Milchbranche: «Normalerweise geht auf einem Markt, der einen Überschuss hat, der Preis herunter, und die Konsumenten kaufen mehr Milchprodukte. Das wäre eigentlich die normale Reaktion. Wenn man das nicht will oder mit dem Preis zu wenig heruntergeht, dann muss man bei der Menge ansetzen.» In einem ersten Schritt hatte die Branchenorganisation Milch im Dezember 2025 den Preis für so genannte A-Milch um 4 Rappen auf 78 Rappen pro Kilogramm Milch gesenkt.

Kein Einblick bei Schokoladenherstellern

Welche Schokoladenhersteller Milchpulver aus dem Ausland importieren, ist eine grosse Unbekannte. Das BAZG publiziert keine Einzelheiten. Laut einem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 8. Februar beteuern die Hersteller, ausschliesslich oder fast nur auf Schweizer Milchpulver zu setzen. Ökonom Mathias Binswanger hat Zweifel: «In den Zahlen sehen wir aber, dass es in relativ grosser Menge importiert wird. Und irgend jemand muss dafür verantwortlich sein.»

Stellungnahme Mondelez

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Toblerone-Schokolade.
Legende: Keystone / ALASTAIR GRANT

SRF fragt den US-Konzern, weshalb er trotz Milchüberschuss die Rohstoffe zur Schokoladenherstellung aus dem Ausland importiert. Er beantwortet die Frage nicht direkt. Stattdessen schickt die Verantwortliche für den deutschsprachigen Raum unter anderem folgende Stellungnahmen:

  • «Der Einkauf der unterschiedlichen Rohstoffe, die wir für die Herstellung von Toblerone in Bern Brünnen benötigen, ist komplex und wird langfristig angelegt.»
  • «Als multinationales Unternehmen mit einem globalen Beschaffungsteam evaluieren wir bei der Beschaffung unserer Zutaten laufend Lieferanten sowohl aus der Schweiz als auch aus dem Ausland. Dabei berücksichtigen wir Faktoren wie Nachhaltigkeit, Qualität, Innovation und Kosten.»

10 vor 10, 19.2.2025, 21:50 Uhr

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