Milchproduzent Heinz Siegenthaler will ein Zeichen setzen. Am Vormittag des 19. Februar kippt er literweise Milch aus – und zwar vor den Toren des Werks in Bern, in der die Toblerone-Schokolade produziert wird. Zwar ist sie schon seit vielen Jahren keine Schweizer Marke mehr, sondern gehört dem US-Konzern Mondelez, aber hergestellt wird sie weiterhin in der Schweiz.
«Die Mondelez-Fabrik will 1000 Tonnen Butter importieren, und das wollen wir verhindern», sagt Heinz Siegenthaler, der auch Präsident des Bäuerlichen Zentrums Schweiz ist. Lieber sähen sie, dass der Schokoladenhersteller ihre Milch verwendet.
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Bild 1 von 4. Heinz Siegenthaler protestiert gegen den Import von Mondelez. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Mehrere Traktoren sind vorgefahren und rund 30 Personen erschienen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Rund 90 Prozent der Toblerone entsteht in Bern. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Eine Mitarbeiterin von Mondelez nimmt die Forderung der Protestierenden entgegen. Bildquelle: SRF.
Die Schweizer Bauern produzieren zu viel Milch und wollen sie dringend loswerden. Die Molkereien können nicht alles abnehmen, es musste bereits Milch vernichtet werden. Besonders im vergangenen Jahr habe unter anderem eine aussergewöhnlich hohe Qualität des Futters zu einem Überschuss geführt, so der Milchbauernverband.
Hersteller wie Mondelez können den sogenannten «Veredelungsverkehr» nutzen, um sich ihre Rohstoffe zu beschaffen. Nach Recherchen des «Schweizer Bauer» hat der Bund im 2. Halbjahr 2025 den Import von 7'000'000 Kilogramm Milch und 1'856'450 Kilogramm Milchpulver bewilligt.
Ökonom Mathias Binswanger kritisiert die derzeitige Situation – zu importieren trotz Überschuss im Inland – als «relativ absurd». Er ist Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und hat den Veredelungsverkehr im Auftrag des Bauernverbands untersucht. Er sagt: «Die Bewilligungen zum Import sollten eigentlich nur dann gegeben werden, wenn in der Schweiz der Rohstoff nicht in genügender Menge vorhanden ist. Und das ist im Moment nicht der Fall.» Der Zollschutz werde unterlaufen. Man müsse das Bewilligungsverfahren überdenken.
Zu einer anderen Beurteilung kommt die liberale Denkfabrik «Avenir Suisse». Schweizer Milch sei wegen ihres Preises für Schokoladenhersteller ein Wettbewerbsnachteil, sagt Christoph Eisenring, Leiter Programme und Forschung. «Wenn die verarbeitende Industrie eine zu geringe Marge in der Schweiz macht und dadurch hier nicht mehr investiert, dann ist das auch schlecht für die Bauern, die dann langfristig einen Absatzkanal verlieren.»
Er appelliert an die Verantwortung der Milchbranche: «Normalerweise geht auf einem Markt, der einen Überschuss hat, der Preis herunter, und die Konsumenten kaufen mehr Milchprodukte. Das wäre eigentlich die normale Reaktion. Wenn man das nicht will oder mit dem Preis zu wenig heruntergeht, dann muss man bei der Menge ansetzen.» In einem ersten Schritt hatte die Branchenorganisation Milch im Dezember 2025 den Preis für so genannte A-Milch um 4 Rappen auf 78 Rappen pro Kilogramm Milch gesenkt.
Kein Einblick bei Schokoladenherstellern
Welche Schokoladenhersteller Milchpulver aus dem Ausland importieren, ist eine grosse Unbekannte. Das BAZG publiziert keine Einzelheiten. Laut einem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 8. Februar beteuern die Hersteller, ausschliesslich oder fast nur auf Schweizer Milchpulver zu setzen. Ökonom Mathias Binswanger hat Zweifel: «In den Zahlen sehen wir aber, dass es in relativ grosser Menge importiert wird. Und irgend jemand muss dafür verantwortlich sein.»