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Schweiz als sicherer Hafen Milliarden aus Golfstaaten fliessen in die Schweiz

Angesichts des Iran-Kriegs setzen Golfstaaten wie Dubai vermehrt auf sichere Häfen wie die Schweiz.

Glitzer, Glamour und Gigantismus – Dubai hat sich in den vergangenen Jahren ein Image der Extravaganz aufgebaut und ist zu einem der grössten Finanzzentren der Welt geworden. Die Metropole gilt als attraktiver Standort für Vermögen und beheimatet viele Millionärinnen und Millionäre.

Doch der Iran-Krieg bringt dieses Bild zum Bröckeln. So fliessen Gelder vom Persischen Golf zum Beispiel an den Genfersee. Die Schweiz punktet mit ihrer Stabilität und Steuerpolitik.

Wir sprechen von schätzungsweise mehreren zehn Milliarden, die sich im Transit befinden oder bald transferiert werden.
Autor: Patrick Akiki Leiter Bereich Finanzdienstleistungen bei der Beratungsfirma PwC

Das beobachtet auch Patrick Akiki, Leiter Bereich Finanzdienstleistungen bei der Beratungsfirma PwC. «Wir sprechen hier von schätzungsweise mehreren zehn Milliarden, die sich bereits im Transit befinden oder bald transferiert werden.»

Das sind international sehr verflochtene Personen. Sie haben in der Regel bereits international verschiedene Standorte. Da ist die Verlagerung von einem Standort zum anderen relativ einfach.
Autor: Christoph Schaltegger Direktor Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik

Kapital sei grundsätzlich sehr mobil. Das zeige auch die Vergangenheit, sagt Christoph Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik. Dass der Schweizer Finanzplatz aktuell neue Kundschaft gewinnt, überrascht ihn nicht. Es handle sich um international sehr verflochtene Personen. Personen mit Vermögenshintergrund. «Das heisst, sie haben in der Regel bereits international verschiedene Standorte, die sie besitzen. Und da ist natürlich die Verlagerung von einem Standort zum anderen relativ einfach, und ihre Vermögenswerte lassen sich schnell transferieren», sagt Schaltegger.

Schweiz als Finanzplatz – und der Wohnort?

Nicht nur im Finanzsektor, auch in der Immobilienbranche spürt man das Interesse, wie zwei Firmen bestätigen. Verschiedene Kantone berichten von ersten Tendenzen.

Im Tessin bestätigt die Steuerverwaltung, dass sie in einzelnen Fällen kontaktiert wurde – bislang vor allem zur Informationssammlung. Im Kanton Zug gibt es vereinzelt Hinweise auf Zuzugsinteresse von Personen aus den Golfstaaten. Die Zahlen seien bislang jedoch überschaubar.

Unklar ist, wie nachhaltig solche Zuzüge sind, da vermögende Personen ihren Standort relativ schnell wechseln, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern.
Autor: Isabel Martínez Ökonomin an der Konjunkturforschungsstelle ETH Zürich

Ob die Dubai-Milliarden bei einem Transfer auch in der Schweiz bleiben würden, bezweifelt Isabel Martínez, Ökonomin bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. «Der Finanzstandort gewinnt sicher neue Kunden. Wie viele Steuersubstrate die Schweiz dadurch tatsächlich gewinnt, ist jedoch unklar – insbesondere, wenn diese Personen beispielsweise pauschal besteuert werden. Ebenso wenig klar ist, wie nachhaltig solche Zuzüge sind, da vermögende Personen erfahrungsgemäss ihren Standort relativ schnell wechseln, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern.»

Finanzberater Akiki sieht das anders: Er ist überzeugt, dass die Schweiz längerfristig ein sicherer Hafen bleibt. «Ich bin überzeugt, dass diese Kunden bleiben werden. Investoren achten heute bei ihren Anlagen verstärkt auf Stabilität. Ein Land wie die Schweiz, das für seine hohe Stabilität bekannt ist, wird daher langfristig als sicherer Hafen wahrgenommen und bleibt ein wichtiger Bestandteil ihrer Investitionsstrategie.»

Die Schweiz zieht an – das politische System, die stabile Währung, tiefe Steuern. Doch was aktuell bei Superreichen genauso viel wert zu sein scheint, ist das Sicherheitsgefühl.

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10vor10, 23.04.2026, 21:50 Uhr; busr/blac

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