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Schweizer Spitäler Der Druck der Strasse auf die kantonale Spitalplanung

Ein Spital soll für die Bevölkerung schnell zu erreichen sein – ein zentrales Kriterium bei der Spitalplanung. Wichtiger scheinen für viele Leute jedoch andere Faktoren. Wobei nicht ganz klar ist, welche.

Patienten ignorieren Kantonsgrenzen: Geht es um die Frage, wie viele Spitäler das Land braucht, wird oft mit der raschen Erreichbarkeit argumentiert. Für viele Patientinnen und Patienten scheint diese jedoch sekundär. Das zeigt eine Analyse von Patientenströmen, welche die Universität St. Gallen erstellt hat. Demnach lassen sich in einem Grossteil der Regionen des Landes 25 bis 50 Prozent der Bevölkerung ausserkantonal behandeln. Besonders deutlich ist das bei planbaren Operationen wie einem künstlichen Kniegelenk. Viele Leute nehmen längere Reisewege in Kauf, um das für sie beste Spital zu finden.

Unklare Kriterien bei der Spitalwahl: Weniger klar ist, aufgrund welcher Kriterien sich die Leute für ein Spital entscheiden. Es gibt zwar öffentlich zugängliche Kennzahlen zur Qualität eines Spitals, diese sind allerdings nicht immer leicht zu finden und oft schwer zu interpretieren. Daher vermuten Fachleute, dass viele Menschen eher nach dem Hören-Sagen entscheiden, wenn sie ins Spital müssen: Weil der Nachbar dort gute Erfahrungen gemacht habe oder die Hausärztin das Spital kenne. Für Versorgungsexpertinnen und Gesundheitsökonomen sind dies jedoch Zufallsfaktoren.

Spitalplanung: Kriterien und Konflikte

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Zentral sind die Kantone, aber sie müssen einen Auftrag erfüllen: Die Versorgung muss zugänglich sein, von hoher Qualität sowie wirtschaftlich tragbar.

Alle Ziele gleichermassen gut zu erreichen ist schwierig: Zugänglichkeit bedeutet viele Standorte und kostet Geld. Hohe Qualität bedeutet tendenziell eine Konzentration von Leistungen, was mit längeren Reisezeiten verbunden ist.

Spitäler sind aber auch ein Wirtschaftsfaktor (Arbeitsplätze im Spitalbetrieb, bei der Hotellerie und bei Zulieferern).

Schliesslich genehmigen die Kantone bei der Spitalplanung die Tarife, welche die Krankenkassen mit den Spitälern aushandeln.

Internetportale und Websites: Seit einigen Jahren gibt es verschiedene niederschwellige Angebote, um die Qualität von Spitälern zu vergleichen. Ein Beispiel ist die Website des unabhängigen Vereins «Welches-Spital.ch». Das Ziel sei, dass die Leute weniger aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda entscheiden würden, sagt Initiant Peter Waldner, sondern aufgrund objektiver Faktoren. Eine Auswertung von 120’000 Suchanfragen zeigt den Informationsbedarf: Knie- und Hüftgelenksprothesen seien die häufigsten Anfragen, gefolgt von Prostataentfernungen und Geburten.

Mann setzt ein Werkzeug an einer Kniegelenks-Prothese an.
Legende: Das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks ist Übungssache. Ein Spital mit vielen Operationen gilt darum als besser als eins mit wenigen. IMAGO / Paul-Philipp Braun

Die gängigsten Qualitätskennzahlen: Eine wichtige Grösse, um herauszufinden, wie gut ein Spital bei einer bestimmten Operation abschneidet, ist die Fallzahl. Das gilt besonders bei chirurgischen Standardeingriffen wie einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk. Eine weitere Grösse ist die Infektionsrate oder wie häufig es nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks innerhalb von zwei Jahren eine erneute Operation braucht. Die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten liefert ebenfalls Hinweise. Ein gutes Vergleichsportal sollte mehrere Faktoren aufführen und bestenfalls auch Erläuterung zur Aussagekraft der einzelnen Kennzahlen liefern.

Druck der Strasse auf die Spitalplanung: Wenn Qualitätsvergleiche rege genutzt werden, und die Leute sich bei der Spitalwahl zunehmend daran orientieren, setzen sie einen sich selbst verstärkenden Prozess in Gang: Immer mehr Menschen gehen in immer weniger Spitäler. Hinzu kommen die knapper werdenden öffentlichen Finanzen: Viele Spitäler stecken in den roten Zahlen, und die Kantone sind seltener bereit, solche Spitäler aufzufangen. Das verstärkt den Konzentrationsprozess – und den Wettbewerb. Schliesslich haben auch die einzelnen Spitäler ein Interesse daran, aufgrund von Kennzahlen aufzuzeigen, was sie jeweils besonders gut können.

Echo der Zeit, 16.3.2026, 18 Uhr

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