Brockenhäuser sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Hier landet das, was die einen nicht mehr wollen – was andere jedoch noch brauchen könnten. Was früher oft mit sozialem Stigma behaftet war, ist heute ein beliebter Anlaufpunkt für eine breite Kundschaft.
Eine Frau bringt an der Abgabestelle im Brockenhaus der Heilsarmee in Einigen im Berner Oberland gleich mehrere Kisten vorbei. Sie sind bis zum Rand gefüllt mit CDs, Teelichtern, Kleidungsstücken …
«Das gehört alles einer Freundin, die ihre Wohnung räumen musste», sagt sie, während sie die Kisten ausräumt. Es sei schön, zu wissen, dass die Ware im Brockenhaus in neue Hände gelange und nicht einfach weggeschmissen werde.
Einige Trouvaillen aus dem Heilsarmee-Brocki
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Bild 1 von 6. Bei Geweihen und ausgestopften Tieren prüfen Brocki-Angestellte, ob diese legal weiterverkauft werden dürfen. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
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Bild 2 von 6. Manche Gegenstände haben eine persönliche Geschichte. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
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Bild 3 von 6. Zusammengewürfelt: Im Brocki findet man oft das, was man nicht sucht. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
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Bild 4 von 6. Viele Bücher werden in Brockenhäusern abgegeben – die Nachfrage ist jedoch nicht besonders gross. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
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Bild 5 von 6. Kleider sind hingegen sehr gefragt. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
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Bild 6 von 6. Auch Kunstinteressierte kommen je nachdem auf ihre Kosten. Bildquelle: SRF/Jasmin Gut.
Seit rund sechzig Jahren betreibt die Heilsarmee Brockis in der Schweiz. 20 Filialen umfasst das Netz, und weitere Läden sind geplant, denn Produkte aus zweiter Hand, insbesondere Secondhand-Kleidung, sind gefragt.
Nachhaltig – jedoch mit Vorbehalt
Brockenhäuser leisten laut Andreas Stettler, Geschäftsleiter von brocki.ch, einen mehrfachen Beitrag: «Die Heilsarmee investiert den Gewinn vollständig in soziale Projekte. Gleichzeitig stärkt Secondhand die Kreislaufwirtschaft.»
Anna Knutti, die an der Berner Fachhochschule zu Konsumentenverhalten forscht, relativiert den Nachhaltigkeitsgedanken: Der Trend hin zu mehr Secondhand sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, «das Nachhaltigste ist jedoch, nichts zu kaufen».
Günstige Preise in Brockenhäusern könnten zu Mehrkonsum verleiten – etwa, wenn statt eines T-Shirts gleich zehn gekauft werden.
Höchstpreis ist nicht das Ziel
Die Preisgestaltung in Brockenhäusern ist komplex: Beinahe jedes Stück ist ein Unikat und muss vor dem Verkauf einzeln geschätzt werden.
Wie unterscheidet man eine Markentasche von einem Imitat? Wie handbemalte Keramik von billiger Massenware?
Unser Ziel ist nicht, jedes Stück zum absoluten Höchstpreis zu verkaufen.
Um solche Fragen besser beurteilen zu können, setzt die Heilsarmee auf die Professionalisierung ihrer Mitarbeitenden und bietet seit einigen Monaten einen zweijährigen Lehrgang an.
«Unser Ziel ist nicht, jedes Stück zum absoluten Höchstpreis zu verkaufen», erklärt Andreas Stettler. Ziel sei vielmehr, dass die Ware wiederverwendet werde. Letztlich solle der Verkaufspreis weder zu hoch noch zu niedrig sein.
Preisanstieg – jedoch nicht überall
Laut Anna Knutti wirkt sich die steigende Nachfrage nach Secondhand auch auf die Preise aus. «Wir haben eine Tendenz, dass die Brockenhäuser preislich etwas teurer geworden sind.» Diese seien sich heute mehr bewusst, wie viel ein Produkt tatsächlich wert ist.
Das Risiko, dass Secondhand für manche Personen unerschwinglich werde, sieht Knutti jedoch nicht. Der Preisanstieg betreffe nicht das gesamte Sortiment, sondern in erster Linie Markenprodukte. In der Schweiz hätten sich ausserdem unterschiedliche Secondhand-Läden etabliert, die je nach Preisniveau und Sortiment eine andere Kundschaft ansprechen.
Der Blick ins Brockenhaus zeigt: Viele Secondhand-Läden müssen bei der Preissetzung einen Spagat bewältigen zwischen Nachhaltigkeit, karitativem Ziel und steigender Nachfrage.