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Secondhand im Hoch Brockenhäuser in der Schweiz: Wie teuer darfs sein?

Secondhand liegt im Trend. Wie gehen Brockenhäuser mit der steigenden Nachfrage um?

Brockenhäuser sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Hier landet das, was die einen nicht mehr wollen – was andere jedoch noch brauchen könnten. Was früher oft mit sozialem Stigma behaftet war, ist heute ein beliebter Anlaufpunkt für eine breite Kundschaft.

Innere des Brockenhauses: auf der unteren Etage sieht man Kundinnen, die Kleider anschauen.
Legende: Das Brockenhaus der Heilsarmee in Einigen (BE) erstreckt sich auf 2400 Quadratmeter. Die Heilsarmee betreibt schweizweit rund 20 Filialen mit 270 Mitarbeitenden. Sie ist damit die grösste Secondhand-Detailhändlerin der Schweiz. SRF/Jasmin Gut

Eine Frau bringt an der Abgabestelle im Brockenhaus der Heilsarmee in Einigen im Berner Oberland gleich mehrere Kisten vorbei. Sie sind bis zum Rand gefüllt mit CDs, Teelichtern, Kleidungsstücken …

«Das gehört alles einer Freundin, die ihre Wohnung räumen musste», sagt sie, während sie die Kisten ausräumt. Es sei schön, zu wissen, dass die Ware im Brockenhaus in neue Hände gelange und nicht einfach weggeschmissen werde.

Einige Trouvaillen aus dem Heilsarmee-Brocki

Seit rund sechzig Jahren betreibt die Heilsarmee Brockis in der Schweiz. 20 Filialen umfasst das Netz, und weitere Läden sind geplant, denn Produkte aus zweiter Hand, insbesondere Secondhand-Kleidung, sind gefragt.

Nachhaltig – jedoch mit Vorbehalt

Brockenhäuser leisten laut Andreas Stettler, Geschäftsleiter von brocki.ch, einen mehrfachen Beitrag: «Die Heilsarmee investiert den Gewinn vollständig in soziale Projekte. Gleichzeitig stärkt Secondhand die Kreislaufwirtschaft.»

Anna Knutti, die an der Berner Fachhochschule zu Konsumentenverhalten forscht, relativiert den Nachhaltigkeitsgedanken: Der Trend hin zu mehr Secondhand sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, «das Nachhaltigste ist jedoch, nichts zu kaufen».

Günstige Preise in Brockenhäusern könnten zu Mehrkonsum verleiten – etwa, wenn statt eines T-Shirts gleich zehn gekauft werden.

Höchstpreis ist nicht das Ziel

Die Preisgestaltung in Brockenhäusern ist komplex: Beinahe jedes Stück ist ein Unikat und muss vor dem Verkauf einzeln geschätzt werden.

Wie unterscheidet man eine Markentasche von einem Imitat? Wie handbemalte Keramik von billiger Massenware?

Unser Ziel ist nicht, jedes Stück zum absoluten Höchstpreis zu verkaufen.
Autor: Andreas Stettler Geschäftsleiter brocki.ch

Um solche Fragen besser beurteilen zu können, setzt die Heilsarmee auf die Professionalisierung ihrer Mitarbeitenden und bietet seit einigen Monaten einen zweijährigen Lehrgang an.

«Unser Ziel ist nicht, jedes Stück zum absoluten Höchstpreis zu verkaufen», erklärt Andreas Stettler. Ziel sei vielmehr, dass die Ware wiederverwendet werde. Letztlich solle der Verkaufspreis weder zu hoch noch zu niedrig sein.

Preisanstieg – jedoch nicht überall

Laut Anna Knutti wirkt sich die steigende Nachfrage nach Secondhand auch auf die Preise aus. «Wir haben eine Tendenz, dass die Brockenhäuser preislich etwas teurer geworden sind.» Diese seien sich heute mehr bewusst, wie viel ein Produkt tatsächlich wert ist.

Woher kommen Brockenhäuser?

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Die Idee zum Brockenhaus stammt nicht aus dem Brocki-Land Schweiz, sondern aus Deutschland. In Bielefeld wird 1890 das erste Brockenhaus eröffnet.

Es gehört zur sogenannten Bethel-Mission und hat die Aufgabe, Geld für die Mission aufzutreiben, bedürftigen Menschen eine Arbeit zu verschaffen und arme Menschen mit günstiger Ware zu versorgen.

Die Idee ist erfolgreich und expandiert in die Schweiz: 1895 entsteht in Bern das allererste Schweizer Brockenhaus.

Das Brockenhaus verschwindet in Deutschland jedoch, während es in der Schweiz floriert. Ausschlaggebend ist in Deutschland die Armut. Nach den beiden Kriegen brauchen die Menschen das Wenige, was sie noch haben, für sich selbst.

Das Risiko, dass Secondhand für manche Personen unerschwinglich werde, sieht Knutti jedoch nicht. Der Preisanstieg betreffe nicht das gesamte Sortiment, sondern in erster Linie Markenprodukte. In der Schweiz hätten sich ausserdem unterschiedliche Secondhand-Läden etabliert, die je nach Preisniveau und Sortiment eine andere Kundschaft ansprechen.

Der Blick ins Brockenhaus zeigt: Viele Secondhand-Läden müssen bei der Preissetzung einen Spagat bewältigen zwischen Nachhaltigkeit, karitativem Ziel und steigender Nachfrage.

Rendez-vous, 11.5.2026, 12:30 Uhr

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