Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Strom aus Wasserkraft Das grosse Ringen um den Strom aus den Alpen

Rund 30 Berner Energieunternehmen wollen neu einen Anteil an den Wasserkraftwerken im Grimselgebiet. Als Folge davon werden die städtischen Energieversorger aus Basel und Zürich künftig weniger Strom aus dem Berner Oberland beziehen.

Mehrere Hunderttausende Menschen werden jährlich mit Strom aus dem Grimselgebiet versorgt. Betrieben werden die dortigen Stauseen und Turbinen von den Kraftwerken Oberhasli (KWO), die aktuell im Besitz von vier Energieversorgern sind: Die Hälfte der Aktien besitzt der Berner Energiekonzern BKW, die andere Hälfte gehört den städtischen Energiewerken aus Basel (IWB), Bern (EWB) und Zürich (EWZ).

Im Vordergrund stehen zwei grosse Strommasten, im Hintergrund ist ein Stausee im Grimselgebiet zu sehen.
Legende: Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) betreiben im Grimselgebiet insgesamt acht Speicherseen und 13 Kraftwerke. Damit gehört die KWO zu den grössten Wasserkraftproduzenten der Schweiz. Keystone / GAETAN BALLY

Doch der Strom aus dem Berner Oberland ist begehrt. Deshalb möchten nun auch andere Energiefirmen einen Anteil an der KWO. Am Montag haben sich rund 30 kleine und mittelgrosse Energieversorger aus dem Kanton Bern zu einem Konsortium zusammengeschlossen. Ihr Ziel: fünf bis zehn Prozent der Aktien an der KWO.

Berner Energiefirmen und die Jungfraubahnen

Box aufklappen Box zuklappen
Ein beleuchteter Zug der Jungrfraubahn steht in einem Tunnel aus Fels.
Legende: Die Jungfraubahn AG gehört mit ihren Bergbahnen zu den grossen Stromverbrauchern in der Region. Keystone / Peter Klaunzer

Am Konsortium beteiligen sich grössere Stadtwerke wie die Energie Thun AG, die Industriellen Betriebe Interlaken oder Energie Service Biel/Bienne, aber auch kleine Gemeindewerke (beispielsweise aus Brienz oder Lauterbrunnen).

Zudem ist auch die Jungfraubahn AG Teil dieses Konsortiums. Zu ihrer Teilnahme schreibt das Unternehmen: «Die Jungfraubahnen haben selbst ein über 100-jähriges Laufwasserkraftwerk. Deshalb interessieren uns die Diskussionen in diesem Kreis. Das ist auch der Grund für unsere Beteiligung.»

Dass die Energieversorger gerade jetzt vorpreschen, hat mit der Erneuerung der Konzession im Grimselgebiet zu tun.

Eine «einmalige Chance» für den Kanton Bern

Zwar läuft die bestehende Konzession noch bis Ende 2041. Allerdings muss der Kanton frühzeitig klären, wie die Eigentumsverhältnisse ab 2042 aussehen sollen. Folglich ergibt sich nun eine Gelegenheit, wie sie nur alle paar Jahrzehnte vorkommt. «Es ist eine einmalige Chance, die sich bietet», sagt denn auch Helmut Perreten, Mitinitiant des Konsortiums und Geschäftsführer der Industriellen Betriebe Interlaken (IBI).

Heimfall der Wasserkraft

Box aufklappen Box zuklappen

Für die Nutzung des Wassers zur Stromgewinnung vergeben die Kantone Konzessionen, die typischerweise 60 bis 80 Jahre dauern. Nach Ablauf der Konzession fallen die Wasserkraftwerke – je nach Kanton – an die Standortgemeinde oder den Kanton zurück. Das ist der sogenannte «Heimfall».

In Bern möchte die Kantonsregierung jedoch keinen «Heimfall», sondern den bestehenden Aktionären eine neue Konzession gewähren.

Allerdings hat sich das Kantonsparlament im vergangenen Jahr gegen dieses Ansinnen gewehrt und eine «Berner Lösung» beschlossen: Das heisst, künftig soll ein grösserer Anteil an der KWO im bernischen Besitz sein als bisher. Die genauen Modalitäten hat das Parlament hingegen offen gelassen. Nun muss die Berner Regierung eine neue Vorlage ausarbeiten, die voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte vorliegen dürfte.

Das neue Konsortium dürfte gute Chancen haben, sich einen Anteil an der KWO sichern zu können. Zwar wird letztlich das Berner Kantonsparlament entscheiden, wie die künftigen Eigentumsverhältnisse bei der KWO aussehen werden. Da viele der lokalen Energieversorger via eine Vertreterin oder einen Vertreter aus den jeweiligen Gemeinden im Parlament präsent sind, dürfte aber eine «Berner Lösung» grossen Rückhalt geniessen.

Es geht um Hunderte Millionen Franken

Die bisherigen Aktionäre sind wenig erfreut, dass sich dieses Konsortium formiert hat. Sie befürchten, dass die Entscheidfindung mit mehr Aktionären länger dauern könnte und das neue Konsortium zu wenig finanzkräftig ist, um die millliardenschweren Ausbauvorhaben zu stemmen.

Ein Mann mit einer Brille und Glatz steht vor bunten Bäumen.
Legende: «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Invesitionen selbst stemmen können», meint Helmut Perreten. Für die Beteiligung an der KWO rechnet er mit 300 bis 600 Millionen Franken, hinzu kommen nochmals Millionenbeträge für die geplanten Ausbauvorhaben. SRF / Matthias Heim

Helmut Perreten und seine Mitinitianten haben allerdings keine Bedenken: «Wir werden uns so aufstellen, dass die Entscheidungswege schnell sind und wir kein Bremsklotz für die KWO sein werden». Zudem betont Perreten, dass die involvierten Energiefirmen mit einer Bilanzsumme von rund 1.7 Milliarden Franken auch finanziell genügend ausgestattet seien, um bei der KWO einzusteigen.

Basel und Zürich verlieren Anteile

Trotz der Vorbehalte halten sich die vier bisherigen Aktionäre mit öffentlicher Kritik zurück. Insbesondere für die IWB und das EWZ ist die Ausgangslage heikel: Sie dürften in jedem Fall Anteile an der KWO verlieren. Sollte sich das Berner Kantonsparlament sogar für eine Variante ohne ausserkantonale Energieversorger entscheiden, dürften sie ihre gesamten Anteile an der KWO verlieren. Damit würde den Energieversorgern aus Basel und Zürich ein substantieller Teil ihrer Stromproduktion abhandenkommen. Verschärfend käme hinzu, dass ihnen die gleiche Entwicklung auch in anderen Bergkantonen droht, in denen sie an Wasserkraftwerken beteiligt sind und die ebenfalls über den Heimfall dieser Anlagen befinden.

Ausbauvorhaben und Eigentumsverhältnisse

Box aufklappen Box zuklappen

Die künftigen Besitzverhältnisse bei der KWO sind auch direkt mit den geplanten Ausbauvorhaben verknüpft: Solange die künftige Eigentümerschaft nicht geklärt ist, dürften die bisherigen Aktionäre kaum einen Investitionsentscheid für die neuen Projekte fällen. Namentlich betrifft es den neuen Stausee Trift und die Erhöhung der Staumauer des Grimselsees. Bei beiden Projekten geht es um Kosten von rund zwei Milliarden Franken.

Regionaljournal Bern, 12.05.2026, 06:30 Uhr

Meistgelesene Artikel