Ein neues Atomkraftwerk könnte der Schweizer Wirtschaft jährlich rund 1.6 Milliarden Franken einbringen und etwa 3000 Arbeitsplätze schaffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Bak Economics im Auftrag von Economiesuisse.
Bak-Studie im Auftrag von Economiesuisse
Das Szenario basiert auf einem neuen Kernkraftwerk des Typs EPR, das 2050 in Betrieb gehen würde. Ein solches Kraftwerk soll die drohende Winterstromlücke verkleinern, wie die am Sonntag veröffentlichte Analyse zeigt.
Während des Baus würden laut Studie 7.4 Milliarden Franken Wertschöpfung in der Schweiz entstehen. Das entspräche rund der Hälfte der gesamten Baukosten. Nach der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2050 kämen jährlich weitere 1.2 Milliarden Franken hinzu.
Haushalte und Unternehmen könnten zudem jedes Jahr rund 240 Millionen Franken durch tiefere Stromkosten sparen. Bund, Kantone und Gemeinden würden zusätzlich etwa 95 Millionen Franken Steuern einnehmen. Auch eine stabilere Stromversorgung sowie Klima- und Umwelteffekte werden als wirtschaftlicher Nutzen eingerechnet.
Ohne staatliche Hilfe kaum möglich
Die Analyse hält allerdings fest, dass ein solches Projekt staatliche Förderung benötigte. Zudem bestünden erhebliche Kosten- und Verzögerungsrisiken, wie sie sich bereits bei europäischen Neubauprojekten gezeigt haben.
Zu einem ähnlichen Schluss kommen in ihrer Analyse von Ende Juni auch die ETH Zürich und das Paul-Scherrer-Institut (PSI): Neue Atomkraftwerke seien unter den heutigen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig, sofern der Staat nicht einen Teil der Kosten und Risiken übernehme.
Wirtschaftlich wäre ein Neubau laut den Modellrechnungen vom Juni nur, wenn die Baukosten höchstens 8000 Franken pro Kilowatt installierter Leistung betrügen. Jüngste Projekte in Europa und den USA lagen jedoch bei rund 12'000 Franken.
Bestehende AKW möglichst lange betreiben
Auch die Axpo schreibt in ihrem gemeinsam mit ETH und PSI erarbeiteten «Energy Report» vom März, dass der Staat die «politischen, regulatorischen und finanziellen Risiken» vollständig übernehmen müsste. Wichtig sei, dass – wie heute im Gesetz vorgesehen – die bestehenden Kernkraftwerke möglichst lange betrieben werden können.
Das Bündnis «Nein zu neuen AKW» kritisierte am Sonntag, dass in der neuesten Bak-Studie Milliardenkosten verschwiegen würden. Woher das Geld kommen solle, bleibe dabei unklar. Dem Bündnis zufolge müssten die Subventionen auf die Stromkonsumentinnen und -konsumenten umgelegt werden. Das würde zu höheren statt tieferen Preisen führen.
Zudem basiere die Studie auf zu optimistischen Annahmen, etwa bei der Auslastung. Auch Kosten eines möglichen Störfalls und die begrenzte Haftung der Betreiber seien nicht berücksichtigt.
In der Schweiz ist der Bau eines neuen Atomkraftwerks derzeit verboten, soll laut Bundesrat und Parlament aber wieder möglich werden. Ende Juni wurde von einem breiten Bündnis von Gegnerinnen und Gegnern das Referendum gegen den Entscheid lanciert.