Fazit der Studie: Rund 28 Prozent von 3 Millionen untersuchten Arbeitsplätzen in der Schweiz sind stark von der künstlichen Intelligenz betroffen, wie eine Studie der Arbeitnehmenden-Organisation Angestellte Schweiz zeigt. Das heisst nicht, dass die Stellen abgebaut werden, sondern dass sich die Arbeit verändert. Die von der KI tangierten Berufe weisen eine Lohnsumme von 80 Milliarden Franken aus, die Veränderung ist demzufolge für die Wirtschaft und die Menschen relevant.
Administration und Verwaltung besonders betroffen: Künstliche Intelligenz betrifft vor allem die Menschen, die im Büro arbeiten. Neben Administration und Verwaltung sind es auch Berufe bei den Versicherungen, Banken und im juristischen Bereich. In den Handwerks- und Pflegeberufen wirkt sich die KI viel weniger auf den Alltag aus.
Ausbildung als Schlüssel: Das Fazit der Studie bestätigt einen Befund, der bereits mehrfach festgestellt wurde: «Die Schweiz braucht eine breit angelegte KI-Qualifikationsoffensive», schreibt Angestellt Schweiz. Es gehe darum, Millionen von Arbeitsstunden so zu gestalten, dass sie eine höhere Wertschöpfung bringen. Ob KI zu mehr Unsicherheit führe, oder im Gegenteil zu mehr Wohlstand, hänge von den Entscheidungen der Unternehmen, der Politik und der Bildung ab.
Wer ist in der Pflicht? «Angestellte dürfen in der KI-Transformation und der Umschulung nicht allein gelassen werden», sagt Alexander Bélaz, Präsident Angestellte Schweiz. Und: «Die Firmen müssen sich der Risiken und der Chancen besser bewusst sein.» Oft werde KI genutzt, ohne die Zusammenhänge und den Nutzen zu verstehen. So werde KI zum Beispiel ins Outlook eingebaut. Das erleichtere zwar das Schreiben von Nachrichten, die Mails würden damit aber länger und dann werde KI wieder eingesetzt für Textkürzungen. Zum Teil sei das ein Leerlauf.
Gewinne verteilen: Die Gesellschaft müsse sich überlegen, wie man mit KI umgehen wolle, heisst es bei Angestellte Schweiz. Mit den Produktivitätsgewinnen könne man zum Beispiel einen nationalen Fonds für die Weiterbildung gründen und befüllen. Etwas Ähnliches gebe es bereits in der Maschinenindustrie, in welcher alle Angestellten pro Monat einen Franken einzahlen. Das Geld werde auch für die Weiterbildung im Bereich der künstlichen Intelligenz eingesetzt.
Stellenabbau? «Dass viele Berufe stark von KI betroffen sind, bedeutet nicht automatisch einen Stellenabbau», so Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Angesichts des durch die Demografie erwarteten Arbeitskräftemangels hätten die Unternehmen ein starkes Interesse daran, dass Arbeitnehmende mithilfe von KI ihre Produktivität steigern könnten. Die KI könne einen Beitrag leisten, den Wohlstand zu sichern.
Bewusstsein schaffen: «In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für die künstliche Intelligenz noch nicht vorhanden. Es ist ein Unterschied, ob man darüber liest, oder ob man KI dann auch wirklich anwendet», sagt Studienmitautor Roger Oberholzer, der selbst auch Führungskräfte im Bereich der KI weiterbildet. Er stellt eine Diskrepanz fest. Privat oder auch im Homeoffice würden bereits viele mit KI arbeiten, in den Firmen sei man teilweise weniger weit. «Das Wichtigste ist, dass die Firmen die KI nicht einfach als Informatikproblem behandeln, sondern auch die Abläufe überdenken und die entsprechende Organisation aufbauen», ergänzt Oberholzer.