«Ein Franken für ein Pfünderli? Der Wert ist viel höher», sagt Elisabeth Neff im Eco Talk. Peter Lyner ergänzt: «Ich muss dem Kunden erklären, warum mein Produkt 3.90 Franken wert ist.»
Die Sätze zeigen, wie viel Herzblut aber auch unternehmerisches Denken in der Schweizer Bäckerbranche gefragt sind. Elisabeth Neff ist Mitinhaberin des Ostschweizer Familienunternehmens Panetarium in Sirnach. Peter Lyner ist Bäckermeister in vierter Generation aus Winterthur und Vorstand des Branchenverbands SBC.
Kampfpreise der Grossverteiler und Discounter
Die Leidenschaft ist auf dem Prüfstand, denn Aldi senkte im Herbst den Preis für ein «Pfünderli», also ein 500-Gramm-Brot, auf 99 Rappen. Migros, Coop und Lidl zogen nach. Aldi sagt auf Anfrage von SRF, dank der Preissenkung habe man die Verkäufe um 35 Prozent gesteigert.
Zwei Drittel aller Brote werden nicht beim Bäcker gekauft. Viele Konsumentinnen und Konsumenten greifen beim Wocheneinkauf automatisch auch beim Brot zu.
Plädoyer für Qualität
Neff sieht die Herausforderung weniger im einzelnen Preiskampf, sondern in der grundsätzlichen Wertediskussion. Nachhaltige, handwerkliche Produktion mit hochwertigen Rohstoffen könne nicht zum Dumpingpreis erfolgen.
Wenn Preis und Wert auseinanderdriften, leide langfristig die Qualität – und damit auch die Volksgesundheit. Ihr Betrieb produziert konsequent selbst.
Der Präsident des Verbands der Bäcker und Confiseure in Genf, Eric Emery, bezeichnete Billigbrot von Aldi und Co. bei RTS als «totes Brot» und geschmacklich «völlig anders.» Die Grossverteiler Aldi, Lidl, Migros, Coop und Denner wehrten sich. Aldi schrieb darauf, ihr Brot sei «hochwertig, nährstoffreich und bekömmlich».
Flucht nach vorne?
Peter Lyner gewinnt der Tiefpreisdebatte auch Positives ab. Sie habe der Branche Aufmerksamkeit verschafft. Entscheidend sei, den Mehrwert glaubwürdig zu vermitteln.
«Wir müssen den Mut haben, unsere Preise zu verlangen», sagt Lyner. Jede Bäckerei habe andere Grundkosten, Einkaufspreise und Strompreise. «Verlange ich zu wenig, fehlt mir irgendwann das Geld. Werden unsere Preise nicht mehr bezahlt, mache ich mich überflüssig.»
Was muss die Branche tun?
Für Elisabeth Neff ist klare Positionierung zentral. Sie setzt auf Standorte mit hoher Frequenz – etwa an Bahnhöfen – und auf Kundinnen und Kunden «unterwegs». Sichtbarkeit und Parkplätze seien matchentscheidend.
Seit Kurzem beliefert ihre Bäckerei auch Volg, «zu unseren Preisen», so die Bedingung. Das sei aber kein Hindernis, denn die Strategie der Fenaco-Tochter Volg sei nicht, möglichst günstig zu verkaufen.
Es braucht ein «Leaderprodukt»
Lyner setzt auf ein starkes «Leaderprodukt». Bei ihm sei es die Wähe – Qualität, Know-how und Konstanz schafften Wiedererkennung, sagt er. «Du brauchst ein Produkt, für das man dich kennt.»
Auch beim Personal zeigt sich Wandel: steigende Löhne, neue Lebensentwürfe, mehr Frauen in der Backstube. Der Bäcker-Mindestlohn beträgt für Produktion und Verkauf 4500 Franken pro Monat.
Neff und Lyner bilden beide aus; Lyner beschäftigt 13 Lernende. Trotz frühmorgendlichem Arbeitsbeginn leidet die Branche nicht unter Fachkräftemangel. In der Schweiz lassen sich zurzeit rund 2100 Lernende zur Bäckerin oder zum Bäcker ausbilden.
Die beiden Familienunternehmen müssen sich keine Sorgen um die Nachfolge machen. Die nächste Generation stehe in den Startlöchern.