Die Schweiz ist ein beliebtes Reiseland, auch bei den Schweizern selbst. Fast 44 Millionen Übernachtungen wurden im Jahr 2025 gezählt. Das ist ein neuer Rekord. 22.8 Millionen Übernachtungen gehen auf das Konto von ausländischen Gästen, ein Allzeithoch.
Inländische Gäste generierten 21.1 Millionen Übernachtungen, ebenfalls eine neue Bestmarke, wobei der Juli der beliebteste Monat war.
Sommertourismus als Zugpferd – Gewinnmargen im Winter höher
Im Sommerhalbjahr liegt die Anzahl der Übernachtungen höher als im Winter und macht etwa 60 Prozent der Gesamtzahl aus. Zudem zeigt der Sommer stärkere Wachstumsraten: Zum fünften Mal in Folge sind im vergangenen Jahr die Übernachtungszahlen gestiegen – um 2.3 Prozent auf rund 25 Millionen. Das war ein neuer Rekord.
Grund dafür waren im letzten Jahr zwar Grossveranstaltungen wie der Eurovision Song Contest in Basel oder auch die Fussball-EM der Frauen. Doch auch die günstigen Wetterbedingungen trugen zum Wachstum bei.
Das Winterhalbjahr bringt etwas weniger Übernachtungen (18.6 Millionen), ist aber margenstärker, wie Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern erklärt. Das heisst, Hotels und Bahnen verdienen mehr, weil die Hotelzimmer oder auch Tickets teurer sind.
Tourismusgebiete verändern sich durch Hitze
Ursprünglich kamen Touristen vor rund 150 Jahren im Sommer in die Schweiz. «Die Sommerhitzeflüchtlinge gab es schon früher», sagt Jürg Stettler. «Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die Phase des Wintersports, und nun erfolgt durch die Klimaveränderung und durch die zunehmende Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien eine strukturelle Verschiebung», sagt er.
Wandern, Biken, auf einen Kinderspielplatz – dafür bietet sich diese Höhenlage an.
Unter Druck stehen klassische Wintersportorte, die aber für Schneesicherheit nicht hoch genug liegen. Die Region Trübsee zum Beispiel auf 1800 Metern setzt darum im Sommer vermehrt auf Wanderer oder Biker.
-
Bild 1 von 5. Bootsfahrt auf dem Bettmersee – die Region Aletsch vermarktet ihre Höhenlage bewusst. Bildquelle: Aletsch Arena AG / Marco Schnyder.
-
Bild 2 von 5. Im Eispalast auf dem Jungfraujoch ist es auch im Sommer minus 10 Grad kalt. Bildquelle: Jungfrau.ch.
-
Bild 3 von 5. Die Ferienregion Arosa-Lenzerheide ist im Sommer ein Bike- und Wandergebiet, das zunehmend wichtiger wird. Bildquelle: PHOTOPRESS/LENZERHEIDE.
-
Bild 4 von 5. Beliebt im Sommer: Die Cabrio-Bahn auf das Stanserhorn. Bildquelle: Reuters/Christian Hartmann.
-
Bild 5 von 5. Der Titlis zieht vor allem ausländische Gäste an, während Hitzeflüchtlinge etwas tiefer am Berg in Seen abkühlen oder wandern. Bildquelle: Keystone/Urs Flueler.
Norbert Patt, Chef der Bahnen Engelberg-Trübsee-Titlis, spricht von einem immersiven Erlebnis, das viele suchen – etwas erleben, körperliche Erfahrungen machen. «Wandern, Biken, auf einen Kinderspielplatz – dafür bietet sich diese Höhenlage an.» Zielgruppe sind vor allem Schweizer Gäste, während die ausländischen Gäste auf den Titlis gehen.
Investitionen nötig – Zwischensaisons werden wichtiger
Einige Tourismusregionen haben bereits ein Angebot, das sich für Sommer- und Zwischensaisons eignet – sei es mit genügend Wanderwegen oder mit Bikerouten. Doch auch grössere Gebiete wie die Region Titlis investieren in die Infrastruktur.
150 Millionen fliessen zum Beispiel in das Projekt Titlis Tower. Ziel des Aussichtsturms ist es, den Berg als Ganzjahresdestination in den Alpen zu positionieren und international konkurrenzfähig zu bleiben.
Zugleich seien die Investitionen in den Tower und in die Bahnprojekte Teil eines Nachhaltigkeitsgedankens. Es gehe darum, grosse Touristenströme gezielt zu lenken. «Nützen und Schützen», sagt Norbert Patt. «Was wir nicht wollen, ist, ungesteuert Menschenmassen irgendwo in unberührte Gebiete hineinzulassen.»
Mit der Klimaveränderung verschwindet auch die Trennschärfe von Sommer- und Wintertourismus. Die sogenannten Zwischensaisons werden wichtiger, denn gerade in tiefergelegenen Regionen können Ferienreisende Aktivitäten planen, unabhängig vom Schnee. Auch Schweiz Tourismus setzt seit einigen Jahren nicht mehr auf reine Sommer- oder Winterkampagnen.