Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der US-Touristinnen und -Touristen in der Schweiz mehr als verdoppelt. Damit liegen die USA, was die Anzahl Logiernächte betrifft, nur noch knapp hinter Spitzenreiter Deutschland, das die meisten ausländischen Gäste stellt.
Die einen kommen, die anderen gehen
Der starke Zuwachs aus den Vereinigten Staaten sticht im Vergleich zu anderen Fernmärkten hervor – besonders zu Asien. So haben zum Beispiel die Logiernächte chinesischer Gäste das Vor-Corona-Niveau nie wieder erreicht und sind seit 2019 um mehr als 36 Prozent zurückgegangen.
Auch Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, bestätigt: Der US-Markt habe sich – im Gegensatz zum asiatischen – rasch von der Covid-Krise erholt. In der Stadt Luzern stammt inzwischen mehr als jede vierte ausländische Touristin aus den USA, womit die Vereinigten Staaten der wichtigste Herkunftsmarkt in der Region sind.
Die «perfekten» Touristen
In vielerlei Hinsicht sind die Touristinnen und Touristen aus den USA beliebte Gäste. Laut dem Tourismus Monitor Schweiz reisen rund zwei Drittel von ihnen mit dem Zug. Amerikanerinnen und Amerikaner kommen auch immer wieder – über zehn Prozent der US-Gäste waren bereits mehr als fünf Mal in der Schweiz.
Im Gegensatz zu anderen Herkunftsländern ist das US-Reiseverhalten auch nicht auf eine spezifische Jahreszeit beschränkt. «Amerikanische Gäste sind durchaus bereit, auch im Herbst oder Winter zu reisen», so Perren. Dadurch würde auch die Nebensaison besser ausgelastet, denn im Sommer sei Luzern bereits gut ausgelastet.
Hinzu kommt: Die Gäste aus den USA sind in der Regel spendabel. Eine Mehrheit von ihnen entscheidet sich für Unterkünfte mit vier bis fünf Sternen. Ausserdem geben US-Amerikanerinnen gemäss Schweiz Tourismus im Durchschnitt 260 Franken pro Tag aus. Zum Vergleich: Gäste aus Deutschland kommen mit durchschnittlich 150 Franken aus.
Trotz des schwachen Dollars und politischen Unsicherheiten hat die Reiselust der Amerikanerinnen und Amerikaner bisher nicht abgenommen. «Auch wir sind davon erfreut, aber auch ein bisschen überrascht», sagt Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus. Im Gegensatz zum asiatischen Markt würde die politische Situation das Reiseverhalten der Amerikanerinnen und Amerikaner nicht beeinflussen. Dies hinge auch damit zusammen, dass die Wirtschaft weiterhin floriere und sich viele Amerikanerinnen und Amerikaner das Reisen nach Europa weiterhin leisten können.
Potenzielles Ende in Sicht
Doch der Aufwärtstrend werde voraussichtlich nicht weiter anhalten. «Wir sind langsam an einem Punkt angekommen, wo es eher in Richtung Konsolidierung geht. Ich glaube nicht, dass es im gleichen Stil weitergeht», so Nydegger.
Der gleichen Ansicht ist auch Marcel Perren von Tourismus Luzern: «Schon dieses Jahr war das Wachstum an amerikanischen Gästen mit vier Prozent geringer als in den Vorjahren.»
Sorgen mache man sich aber dennoch nicht. Die Tourismusbranche in der Schweiz sei sehr breit aufgestellt, so Nydegger. Das zeige auch ein Blick in die Vergangenheit: «Wir hatten vor einigen Jahren 1.8 Millionen chinesische Gäste. Diese Zahlen sind um ein Drittel eingebrochen – doch der Schweizer Tourismus ist weiterhin sehr stabil unterwegs.»