Drei Wochen nach der Brandkatastrophe gibt es in Crans-Montana zwei Realitäten. Einerseits sind die Katastrophe und ihre Folgen nach wie vor sehr präsent. Andererseits geht die Wintersaison im Tourismus weiter. Welche Folgen ein solches Ereignis auf das Image eines Tourismusortes hat, erklärt Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern.
SRF News: Welche Auswirkungen hat ein solches Ereignis aufs Image einer Tourismusdestination?
Jürg Stettler: In aller Regel haben einmalige Ereignisse kaum Auswirkungen auf das Image. Solche Ereignisse haben kurzfristig Auswirkungen auf die Nachfrage. Es kann Stornierungen geben, oder Besuchende meiden die Destination kurzfristig. Aber einmalige Ereignisse, so tragisch sie sein mögen, haben in der Regel keine Auswirkungen auf das Image.
Crans-Montana könnte möglicherweise mittel- bis langfristig von der höheren Bekanntheit profitieren, die sich aufgrund der enormen Medienpräsenz ergeben hat.
Hat die Art des Ereignisses einen Einfluss?
Ja, das kann einen Einfluss haben. Aus Sicht eines Gastes ist es eine Risikoabwägung: Gehe ich an einen Ort, verbunden mit einer Katastrophe, wo die Wahrscheinlichkeit bestehen kann, dass sich das Ereignis wiederholt? Insofern kann ein Naturereignis, das wie beispielsweise eine Lawine oder ein Unwetter eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit hat, eher dazu führen, dass man einen solchen Ort meidet. Aber wenn ein Ereignis einen einmaligen Charakter hat und die Gefahr einer Wiederholung nicht besteht, dann ist auch die Auswirkung entsprechend viel geringer.
Spielt das Krisenmanagement auch eine Rolle, ob allenfalls das Image leidet oder nicht?
Die Krisenkommunikation ist sicher sehr entscheidend. Vor allem kurzfristig, wenn es um die unmittelbaren Auswirkungen geht. Die Medienberichterstattung, die ja dazu führt, ob eine Berichterstattung negativ und kritisch ist, kann durch eine entsprechende geschickte Kommunikation sicher positiv beeinflusst werden, und damit können auch allfällige negative Auswirkungen minimiert werden. Crans-Montana ist ein tragischer Einzelfall, der sich kaum wiederholen wird. Da sind die kurzfristige Wirkung und damit das Krisenmanagement sehr wichtig.
Ist es sogar denkbar, dass die Marke «Crans-Montana» durch dieses Ereignis bekannter wird?
Crans-Montana könnte möglicherweise mittel- bis langfristig von der höheren Bekanntheit profitieren, die sich aufgrund der enormen Medienpräsenz ergeben hat. Auch wenn die Berichterstattung in dem Sinne negativ ist, weil das Ereignis eine absolute Tragödie ist für alle, die betroffen sind, und damit auch negative kurzfristige Auswirkungen möglich sind. Aber insgesamt zeigt sich auch bei anderen Fällen: Bei solchen tragischen Ereignissen bleibt am Schluss eine höhere Bekanntheit übrig, und der eigentliche Anlass, quasi der negative Grund, der geht irgendwann verloren. Wenn ich zum Beispiel den Ort Kaprun in Österreich als Vergleich heranziehe: Kaprun hatte im Jahr 2000 ein gravierendes Bergbahnunglück mit über 150 Todesopfern. Das war eine enorme Katastrophe für den Ort und für die Betroffenen. Aber Kaprun ist mir als Ort in Erinnerung geblieben. Und heute kann es sein, dass mir Kaprun in den Sinn kommt, wenn ich nach Österreich Skifahren gehen will. Das kann auch im Fall von Crans-Montana eintreffen.
Das Gespräch führte Isabelle Maissen.