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Trotz geplantem Ausstieg Russland liefert noch immer viel Flüssiggas in die EU

Die Abhängigkeit Europas von russischem Öl und Gas ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein brisantes Thema: Erst vor Kurzem hat sich die EU dazu durchgerungen, bis Ende 2027 kein Gas mehr aus Russland zu importieren. Mit der Einfuhr von LNG, also Flüssigerdgas, soll sogar schon Ende dieses Jahres Schluss sein.

Nun zeigen aber Handelsdaten, die die deutsche Umweltschutzorganisation «Urgewald» ausgewertet hat, dass der LNG-Handel mit Russland nach wie vor floriert. Wirtschaftsredaktorin Isabel Pfaff hat sich die Analyse genauer angeschaut.

Isabel Pfaff

Wirtschaftsredaktorin

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Isabel Pfaff ist seit Juni 2024 SRF-Wirtschaftsredaktorin. Vorher arbeitete sie fünf Jahre als Schweiz-Korrespondentin für die «Süddeutsche Zeitung».

Wie passen der geplante Ausstieg und der blühende LNG-Handel zusammen?

Es passt eben nicht so richtig zusammen. Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen es: Die Einfuhren von Flüssigerdgas aus Russland in die EU nahmen zuletzt eher zu als ab. Heute hat die deutsche NGO «Urgewald» dazu eine interessante Analyse veröffentlicht, die zeigt, wie viele Exporte vom russischen Jamal-LNG-Projekt in Sibirien Richtung Europa gehen. Das ist deshalb interessant, weil das Jamal-Projekt die grösste aktive Flüssig-Erdgasanlage Russlands ist. «Urgewald» hat dafür Zahlen des Schiffsdaten-Unternehmens Kpler verwendet. Und die zeigen: Im Jahr 2025 gingen mehr als drei Viertel der Jamal-LNG-Exporte in die EU – das ist knapp mehr als im Jahr davor.

Warum ist die EU eine so wichtige Abnehmerin?

Bei der Jamal-Anlage hat das auch mit den geografischen Gegebenheiten zu tun: Die arktische Lage führt dazu, dass man spezielle Eisbrecher-Tanker braucht, um das Flüssiggas überhaupt verschiffen zu können. Von diesen Eisbrechern gibt es nicht viele, aktuell sind 14 davon im Einsatz. Damit Russland möglichst viel Gas verschiffen kann, müssen diese Tanker die kürzestmögliche Route nehmen – und die führt zu europäischen Häfen. Das Geschäft mit dem Jamal-Gas hängt also ganz wesentlich davon ab, dass die EU dieses Gas importiert.

Frachtschiff beladen mit LNG vor Deutschland
Legende: Ein LNG-Tanker in einem Hafen von Mecklenburg-Vorpommern. Keystone/Stefan Sauer

Aber damit wird bald Schluss sein – gemäss den Plänen der EU…

Ja, das stimmt. Aber es erscheint schon ehrgeizig, dass man von diesen Importmengen in so kurzer Zeit wegkommen will. Zwar hat es die EU geschafft, den Anteil von russischem Gas insgesamt zu senken: von etwa 40 Prozent Ende 2021, also kurz vor der Invasion der Ukraine, auf rund 19 Prozent Ende 2024. Dahinter stehen aber zwei Trends: die Einfuhr von Pipeline-Gas und die von Flüssiggas. Während das Pipeline-Gas aus Russland tatsächlich stark zurückgegangen ist, sind die LNG-Importe noch vergleichsweise hoch – gemäss Eurostat lagen sie zuletzt bei rund 13 Prozent aller Einfuhren in die EU, auf Platz zwei hinter den USA.

Die Analyse finden Sie hier:

Wie könnte die EU denn das russische Gas ersetzen?

In den letzten Jahren hat der Anteil von LNG aus den USA sehr stark zugenommen, auch Norwegen ist ein wichtiger Lieferant geworden. Aber, so heisst es aus Brüssel: Die Diversifizierung ist ein langer, steiniger Weg. Und wie verlässlich die neuen Partner sind, ist dann auch die Frage. Wir sehen es ja gerade: Es ist ziemlich unklar, wie es mit der Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Europa und den USA weitergeht.

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SRF4 News, 08.01.2026, 07.21 Uhr ; 

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