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Ukraine und Rüstungsindustrie Vier Jahre Krieg füllt Rüstungsfirmen die Kassen

Die Lieferanten von Waffen und Munition haben volle Auftragsbücher und der Aktienkurs von Rheinmetall geht in die Höhe.

Die vier grossen Europäer: Der Krieg in der Ukraine verursacht viel Elend und Leid. Seit dem Einmarsch der russischen Truppen vor vier Jahren sterben wöchentlich Tausende von Menschen. Gleichzeitig hat der Gräuel das Bedürfnis in Europa nach Sicherheit gestärkt. Davon profitieren die vier grössten Rüstungskonzerne des Kontinents: BAE Systems aus Grossbritannien, Rheinmetall aus Deutschland, Leonardo aus Italien und Thales aus Frankreich. Das Geschäft boomt.

Viel mehr Umsatz: Die europäischen Rüstungsunternehmen liefern viel mehr Waffen und Munition. Am deutlichsten ist der Anstieg bei der deutschen Rheinmetall; das Unternehmen hat 2024 rund 80 Prozent mehr Umsatz gemacht als vor dem Krieg. Von den vier grossen europäischen Rüstungskonzernen hat einzig BAE Systems bereits auch die Zahlen von 2025 vorgelegt. Der britische Rüstungskonzern konnte den Umsatz in den vergangenen fünf Jahren um 70 Prozent steigern.

Hohe Profite: Nicht nur steigen die Umsätze, unter dem Strich bleibt auch mehr Geld übrig. Die italienische Leonardo, die Radare, gepanzerte Fahrzeuge und Militärhubschrauber liefert, konnte den Gewinn mehr als vervierfachen. Die britische BAE Systems wiederum hat im vergangenen Jahr umgerechnet fast 2.5 Milliarden Euro Gewinn gemacht.

Hubschrauber im Flug.
Legende: Militärhubschrauber aus Italien, hergestellt von der Firma Leonardo. Leonardo S.p.A.

Aktionäre profitieren vom Krieg: Der Krieg in der Ukraine hat auch an der Börse zu einem Umdenken geführt. Vor dem Einmarsch der Russen galten Rüstungskonzerne für Investitionen als problematisch, weil das Geschäft mit Waffen und Munition moralisch umstritten ist. Zum Teil machen Investoren und Anlegerinnen immer noch einen Bogen um solche Aktienkäufe. Inzwischen hat das Bedürfnis nach Verteidigung und Sicherheit zugenommen, so gesehen sind die Bedenken etwas in den Hintergrund geraten.

Abschuss Rakete
Legende: Entwicklung von Raketenwerfern in industrieller Zusammenarbeit zwischen Rheinmetall und Lockheed Martin aus den USA Rheinmetall AG

Aktienkurse steigen: An der Börse gehören die Rüstungsunternehmen zu den grössten Gewinnern der vergangenen Jahre. Die Aktie von Rheinmetall zum Beispiel kostet derzeit rund 1700 Euro, vor vier Jahren waren es lediglich 100 Euro. Der Aktienkurs ist um 1600 Prozent nach oben geklettert.

Standort in der Schweiz: Rheinmetall ist jenes europäische Rüstungsunternehmen mit der grössten Präsenz in der Schweiz. Hierzulande stellt der deutsche Konzern vor allem Munition sowie Flugabwehr- und Radarsysteme her. Durch die Übernahme von Oerlikon Contraves im Jahr 1999 hat Rheinmetall seine Präsenz in der Schweiz ausgebaut. In den vergangen fünf Jahren hat das Unternehmen den Personalbestand in der Schweiz fast verdoppelt, auf rund 2000 Beschäftigte, wie ein Firmensprecher gegenüber SRF sagt. Wichtigster Standort ist in Zürich-Oerlikon.

Flut von Aufträgen

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Auch mit Blick in die Zukunft bleibt den Rüstungsfirmen viel Arbeit, die Auftragsbücher sind voll. So hat zum Beispiel BEA Systems ausstehende Bestellungen im Wert von fast 90 Milliarden Franken in den Büchern. Es sind zum Beispiel Aufträge für Kampfflugzeuge und Fregatten. Rheinmetall wiederum hat Bestellungen von fast 60 Milliarden Franken, bei Leonardo und Thales liegen diese Werte bei 40 bis 50 Milliarden Franken. Der Angriff von Putin in der Ukraine verändert die Industrie in Europa.

Aufrüsten in Europa: Von der veränderten Sicherheitslage in Europa profitieren nicht nur europäische Firmen, sondern natürlich auch die grossen Rüstungskonzerne aus den USA. Die Strategie ReArm Europa sieht vor, bis 2023 mehr als 800 Milliarden Euro zur Verteidigung bereitzustellen. Die EU will ihre Ausgaben vermehrt koordinieren und plant gemeinsame Einkäufe bei europäischen Firmen. Mit der European Sky Shield Initiative soll die gemeinsame Luftverteidigung mit einem entsprechenden Raketenabwehrsystem vorwärtsgebracht werden. Geplant sind weiter eine Drohnenabwehr und eine Befestigung der Ostgrenze.

SRF 4 News, 24.02.2026, 16:12

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