Soll man nur wenige Tage nach der Postauto-Brandkatastrophe über Geschäftszahlen der Schweizerischen Post sprechen? Das Unternehmen selbst hatte sich überlegt, die gestrige, lange anberaumte Jahresmedien-Konferenz zu verschieben, diese aber mit dem neuen Konzernchef Pascal Grieder dann doch durchgeführt.
Darum hier ein Blick auf die Ergebnisse: Im Gegensatz zu den Vorjahren sind 2025 sowohl Umsatz als auch Gewinn der Schweizerischen Post gesunken. Dahinter steht ein strukturelles Problem, das sich offenbar im vergangenen Jahr akzentuiert hat. Die Post verliert nach eigenen Angaben jährlich 85 Millionen Franken Umsatz wegen des stetig rückläufigen Brief- und Zeitungsverkehrs. Und dies vor dem Hintergrund weitgehend fixer Kosten.
Post braucht neue Ertragsquellen
Diesen Umsatzschwund muss die Post ersetzen, will sie ihre finanzielle Lage langfristig stabil halten. Wichtig zu wissen: Direkte Subventionen erhält die Post, die zu 100 Prozent dem Bund gehört, keine. Den überwiegenden Teil ihrer Erträge muss sie im Wettbewerb mit anderen Postdienstleistern erwirtschaften, beispielsweise im Paketverkehr. Einzig in der Beförderung von Briefen bis zu 50 Gramm verfügt sie noch über eine Monopolstellung.
2025 konnte die Post den Umsatzschwund mit dem guten Ergebnis ihrer Tochtergesellschaft Postfinance abfedern. Doch die Resultate von Postfinance variieren im Zeitablauf. Darum braucht der gelbe Riese neue, möglichst stabile Ertragsquellen.
Wachstum in digitalen Bereich
Hoffnung setzt die Post darum ins digitale Geschäft. Konkret in den relativ neuen Bereich «Kommunikations-Services», in welchem die Post beispielsweise digitale Lösungen für kleine- und mittlere Unternehmen anbietet. Aufgefallen ist die Post dabei in der Vergangenheit mit zahlreichen Zukäufen von privaten Unternehmen. Doch diese Akquisitionen ernteten auch viel Kritik in Politik und Wirtschaft. Die Post sei im Kaufrausch und übernähme Firmen, die überhaupt nichts mit ihrem Kerngeschäft zu tun hätten, sagen Kritiker.
Der Bundesrat will in seiner kürzlich veröffentlichten Post-Strategie 2025 bis 2028, dass mögliche Zukäufe durch den Post-Verwaltungsrat genauer geprüft werden müssten. Das heisst, ob eine Akquisition zum Geschäft und der Struktur und Strategie der Post wirklich Sinn macht. Finanziell schreibt der noch junge Geschäftsbereich seit 2020 allerdings nur rote Zahlen. Kumuliert sind es über 300 Millionen Franken. Die Post argumentiert, das Geschäftsfeld sei noch im Aufbau. Doch wirklich leisten kann sich die Post diese Verluste eigentlich nicht. Der neue Konzernchef Pascal Grieder will nun vermehrt auf eigenes, digitales Wachstum und damit entsprechende Erträge setzen statt auf Zukäufe. Da liegt viel Arbeit vor ihm.