Wenn, dann gemeinsam. Als 2016 der Nachfolgeprozess für die Firma Walser und Co. in Wald im Kanton Appenzell Ausserrhoden begann, war für Christin und Claudio Walser klar: Entweder das Unternehmen wird verkauft, oder sie übernehmen es im Duo.
Dennoch sagt Claudio Walser über diese Entscheidung: «Für mich war sie komplett freiwillig.» Christin Walser sieht es eher als «Hängenbleiben» im Unternehmen. Sie hatte dort bereits ihre Lehre absolviert. Eigentlich habe sie sich noch extern ausprobieren wollen. Aber dann wurde sie mit 29 Jahren zur Co-Unternehmenschefin.
Die beiden führen die Walser AG in dritter Generation. 1945 gründete ihr Grossvater Robert Walser den Hersteller von Metallprodukten. Rund 90 Angestellte arbeiten heute für das Unternehmen.
Der Nachfolgeprozess erstreckte sich über acht Jahre. Erst 2024 sind Christin und Claudio Walser alleinige Eigentümer des Unternehmens geworden. Sie haben drei weitere Geschwister, von denen aber keines Interesse an der Weiterführung des Betriebs gezeigt habe.
Jedes Familienmitglied einbeziehen
Den Nachfolgeprozess hat Frank Halter begleitet. Er entstammt selbst einer Unternehmerfamilie und ist als KMU-Berater tätig. Er sagt: «Es ist enorm wichtig, dass man die Familienmitglieder adäquat in den Prozess einbezieht, auch wenn sie bereits am Anfang gesagt haben, dass sie kein Interesse haben.» Es gehe um Historie, um Emotionen – und natürlich um Vermögen. So hat er zu Beginn des Prozesses mit jedem Familienmitglied ein Einzelgespräch geführt.
Christin und Claudio Walser beschreiben ihre Übernahme als eine Mischung aus Respekt und Freude. Zu Beginn sass der Vater noch im Verwaltungsrat. «Ich muss sagen, dass unser Vater uns schon in der Zeit, als er noch operativ tätig war, viel Vertrauen und viele Freiheiten geschenkt hat», sagt Christin Walser. «Und das ist auch nachher noch so gewesen.» Sie hätten nie den Eindruck gehabt, dass er an ihren Entscheidungen zweifle. «Er ist immer hinter uns gestanden.»
Frank Halter bestätigt, dass die beiden rasch Verantwortung übernommen hätten. Sie hätten die eine oder andere «Altlast» des Vaters aufgeräumt, und sie hätten etwa die Covid-Krise durchgestanden.
Familiäre Nachfolge nicht mehr selbstverständlich
Dass eine Nachfolge familienintern erfolge, sei nicht mehr selbstverständlich. Laut Frank Halter ist die heutige Multioptionsgesellschaft einer der Gründe, dass der eigene Betrieb uninteressanter werde. «Für viele junge Menschen ist es kein Entscheid für eine Firma, sondern gegen alle Optionen, die es sonst noch gibt», sagt er.
Für Firmeninhaber heisst das: Sie müssten einen Plan B in der Hand haben, falls die Nachkommen kein Interesse haben. Fredy Walser benötigte keine Alternativlösung, zwei seiner fünf Kinder sei Dank.