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Venezuela und die Schweiz Die mysteriösen Goldlieferungen aus Venezuela in die Schweiz

127 Tonnen: So viel Gold brachte Venezuela vor 10 Jahren in die Schweiz. Ein Akt der Verzweiflung gegen den Bankrott.

Die Lieferung: Es ist eine der bemerkenswertesten Goldlieferungen der letzten Jahrzehnte: Still und heimlich wollte Venezuela einen Teil seiner Goldreserven in die Schweiz schaffen, zur Verarbeitung, Zertifizierung und zum Weitertransport. Innerhalb von fünf Jahren brachte Venezuela mit Flugzeugen 127 Tonnen Gold in die Schweiz. Der damalige Wert: Knapp 4.7 Milliarden Franken. Das war zwischen 2012 und 2016. Das Spezielle: Weder vorher noch nachher gab es ähnlich grosse Lieferungen – seit 2017 ist überhaupt kein Gold mehr aus dem südamerikanischen Land in die Schweiz gelangt. Die Transporte erfolgten unter dem Regime des nun gefangen genommenen Ex-Präsidenten Nicolás Maduro.

Reserven aus dem Land geschafft: Die Regierung hüllte sich zwar über den Goldtransfer in Schweigen, die Lieferungen konnten aber anhand der Schweizer Zollstatistik nachgewiesen werden. Die Einfuhren und Ausfuhren werden von den Zollbehörden erfasst. Das in die Schweiz gelieferte Gold stammt von der Zentralbank von Venezuela. Diese hat ihre Goldreserven in den vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte reduziert, ein Teil des Goldes gelangte in die Schweiz und dann weiter in andere Länder.  

Maduro mit Goldbarren in der Hand
Legende: Hat einen grossen Teil der Goldreserven verscherbelt: Nicolás Maduro mit einem Goldbarren, 2017. Keystone / EPA EFE / Miraflores Palace handout

Das ist mit dem Gold geschehen: Die Schweiz ist eine internationale Drehscheibe für das Gold. Es gibt hierzulande mehrere Raffinerien, in welchen das Gold umgeschmolzen wird, in verschiedene Grössen von Barren. Nach dem Umschmelzen dürfte das Gold aus Venezuela in andere Länder weitertransportiert worden sein, zum Beispiel nach Grossbritannien, ebenfalls einer wichtigen Drehscheibe für Gold. Viel Gold hat Venezuela in die Türkei verkauft. Die Importe der Schweiz verstiessen damals gegen keine Sanktionen. Seither wären solche Transaktionen aber kaum mehr möglich, nachdem der Bundesrat 2018 die Bestimmungen zu den Finanztransaktionen verschärfte und sich den Massnahmen der EU anschloss.

London blockiert Gold

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In London sind schon seit sechs Jahren etliche Tonnen venezolanisches Gold blockiert, Gold im Wert von fast zwei Milliarden Dollar. Die Goldbarren sind bei der britischen Zentralbank gelagert, wo auch etliche andere Länder ihr Gold aufbewahren. Die britische Zentralbank verweigert Venezuela seit 2019 die Herausgabe des Goldes. Sie hat auf den Machtkampf innerhalb von Venezuela reagiert. Die Regierung Maduro hat die Blockade vor Gericht angefochten, bisher ohne Erfolg.

Akt der Verzweiflung: Mit den Lieferungen der Goldreserven ins Ausland wollte die Regierung von Nicolás Maduro den Staatsbankrott verhindern. Das Gold wurde zum Teil verkauft oder als Sicherheit für Kredite verwendet. 2014 erschütterte eine schwere Wirtschaftskrise das Land. Nachdem der Ölpreis eingebrochen war, sank das Bruttoinlandprodukt um 80 Prozent. Neue Kredite erhielt das Land nur noch mit Garantien, deshalb musste das Gold notfallmässig ins Ausland transferiert werden.

Schweiz sperrt vorsorglich Vermögen

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Der Bundesrat sperrt vorsorglich und per sofort allfällige Vermögenswerte des von den USA gefangen genommenen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro in der Schweiz. Betroffen sind zudem Personen aus Maduros Umfeld. Die Massnahme soll künftige Rechtshilfeverfahren von Venezuela ermöglichen. 

Der Bundesrat beschloss die vorsorgliche Sperrung am Montag. Die Landesregierung wolle so sicherstellen, dass keine Vermögenswerte von Maduro und weiteren Personen aus dessen Umfeld abfliessen können.

Ein Berg von Schulden: Der Versuch, mit der Verlagerung der Goldreserven ins Ausland den Staatsbankrott zu verhindern, ist gescheitert. Bereits ab 2017 konnte Venezuela seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und konnte weder die Schulden zurückzahlen noch die entsprechenden Zinsen bezahlen. Die Auslandschulden werden auf bis zu 170 Milliarden Dollar geschätzt. Die Schuldenlast entspricht dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Das Land ist bankrott.

Handel mit der Schweiz: Venezuela ist inzwischen ein mausarmes Land. Deshalb ist auch der Handel mit der Schweiz komplett zusammengebrochen. 2024 hat die Schweiz nur noch Waren im Wert von knapp 36 Millionen Franken nach Venezuela geliefert, das sind 90 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Schweizer Firmen machen mit Venezuela kaum mehr Geschäfte, das Risiko von Zahlungsausfällen scheint zu gross. Hinzu kommen drohende Wirtschaftssanktionen aus den USA. Venezuela ist für den Warenaustausch mit der Schweiz unbedeutend geworden.

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SRF 4 News, 5.1.2026, 16:12 Uhr; wilh

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