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Veränderte Umweltbedingungen Bleibt die Schweiz versicherbar? Klimaschützer verneinen

Sind Klimarisiken künftig noch versicherbar? Versicherungsverbandspräsident Mäder sagt ja, Klimaschützende sind empört.

Darum geht es: Laut den neusten Klimaszenarien steigen die Temperaturen in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts um 4.9 Grad Celsius. Rund um den Globus führt die Erderwärmung zu immer intensiveren Extremwetterereignissen – Stürmen, Fluten, Dürren. Diese richten tendenziell grössere Schäden an. Um mögliche Schäden abzusichern, müssen Versicherungen vielerorts die Prämien anheben. Das hat jedoch Grenzen. Für gewisse Risiken wären die Prämien, die verlangt werden müssten, schlicht zu hoch. Entsprechend können Hausbesitzer in Teilen Kaliforniens zum Beispiel keine Versicherungen mehr abschliessen, weil das Waldbrandrisiko zu gross ist.

Auch wenn die Temperaturen noch weiter steigen. Die Schweiz bleibt versicherbar.
Autor: Stefan Mäder Präsident Schweizerischer Versicherungsverband SVV

Die Schweizer Versicherungen geben sich gelassen: «Wir Versicherungen sind direkt von der Klimaerwärmung betroffen», sagt der Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands, Stefan Mäder, im Herbst in der SRF Samstagsrundschau. Szenarien wie jene in Kalifornien drohen in der Schweiz jedoch nicht. «Auch wenn die Temperaturen noch weiter steigen. Die Schweiz bleibt versicherbar.» Stefan Mäder betont, dass die Schadenssumme in den letzten zwanzig Jahren in der Schweiz stabil geblieben sei, und er verweist darauf, dass Kantone und Gemeinden zusammen mit den Versicherungen sehr viel Prävention betrieben. Entsprechend werde die Branche auch künftig bezahlbare Prämien verrechnen können.

Sie suggerieren, dass das alles unter Kontrolle sei und nichts gemacht werden müsse. Aber das ist natürlich nicht der Fall.
Autor: Nora Scheel Leiterin Klima-Kampagne, Campax

Klimaschutzorganisationen sind empört: Nora Scheel, Kampagnenleiterin bei der Organisation Campax, hält die Aussagen des Versicherungsverbandspräsidenten für sehr gewagt: «Wir sehen ja schon heute die Auswirkungen der Klimaerwärmung in der Schweiz. Und das alles wird noch mal sehr stark zunehmen.» Die Klimaschützerin hält es deshalb für schwierig bis unmöglich, die Schadenskosten bis ins Jahr 2100 überhaupt vorherzusagen. Klar ist für sie jedoch, dass die wachsenden Schäden zu höheren Prämien führen. Mit der Aussage, die Schweiz sei auch künftig versicherbar, sende der Versicherungsverband zudem ein problematisches Signal aus, betont Nora Scheel. «Sie suggerieren, dass das alles unter Kontrolle sei und und nichts gemacht werden müsse. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Wir alle wissen, dass auch die Schweiz bei Weitem nicht genug tut, um die Klimaerwärmung zu bekämpfen.»

Ein Rustico, das von einer Steinlawine halb zerstört wurde.
Legende: Die Lücke zwischen den Schäden, die der Klimawandel anrichtet, und jenem Teil, der versichert ist, wächst weltweit rasant. Keystone/Michael Buholzer/Archiv

Global steigt die «Versicherungslücke»: Während in der Schweiz über die Frage nach der Versicherbarkeit noch gestritten wird, ist in vielen Ländern längst klar, dass Versicherungen an ihre Grenzen stossen werden. Auch Branchenvertreter bestätigen dies. So sagte der ehemalige Chef des Axa-Konzerns bereits 2015, dass eine Welt, die sich um 4 Grad erwärme, nicht mehr versicherbar sei. Noch liegt die durchschnittliche Erwärmung «erst» bei rund 1.5 Grad. Trotzdem wächst die sogenannte «Versicherungslücke», also die Lücke zwischen den Schäden, die der Klimawandel anrichtet, und jenem Teil, der versichert ist, weltweit rasant. Laut einer neuen Studie der Umweltorganisation WWF sind heute bereits weniger als die Hälfte der wirtschaftlichen Verluste, die durch Naturkatastrophen entstehen, von Versicherungen gedeckt.

Rendez-vous, 27.2.2025, 12:30 Uhr

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