Die Vermarktung der Fussball-WM stosse langsam an ihre Grenzen, sagt Lukas Troxler. Der Experte für Sportmarketing sieht einen Punkt erreicht, an dem es für den normalen Fussballfan zu extrem geworden ist. Warum sich der Fussball so entwickelt und was daran heikel ist, erklärt der Experte im Interview.
SRF News: Kritiker sagen, die WM 2026 sei zu stark kommerzialisiert. Haben sie recht?
Lukas Troxler: Die Fifa erwartet für diese Weltmeisterschaft 13 Milliarden US-Dollar Umsatz – verglichen mit sieben bis acht Milliarden beim letzten Mal. Daher ja: Es ist meiner Meinung nach ein Punkt erreicht, wo es grenzwertig wird.
Der normale Fussballfan kann sich kaum noch ein Ticket leisten.
Was konkret ist aus Ihrer Sicht grenzwertig?
Nur schon die grosse Anzahl Spiele durch die vielen Teams ist fragwürdig. Hinzu kommen die vielen Trinkpausen, nur um ständig Werbung einzublenden. Am auffälligsten sind aber die extrem hohen Ticketpreise. Der normale Fussballfan kann sich kaum noch ein Ticket leisten.
Warum braucht die Fifa so viel Geld?
Das Hauptmotiv ist bestimmt, den Fussball weltweit weiterzuentwickeln – auch in Ländern, die wirtschaftlich weniger gut unterwegs sind. Da geht es beispielsweise um Infrastruktur oder Entwicklungsprogramme. Das braucht Geld.
Gianni Infantino möchte auch wiedergewählt werden. Will er die kleinen Länder für sich gewinnen?
Das spielt sicherlich auch sehr stark mit hinein. Die Fifa hat über 200 Mitgliedsländer und jedes davon hat ein Stimmrecht. Je mehr Geld Gianni Infantino den einzelnen Mitgliedsländern bringt, desto klarer dürfte das Wahlergebnis zu seinen Gunsten ausfallen.
Nun könnte man sagen, die Rechnung geht auf: für die Fifa, für die Mitgliedsländer, für Infantino. Was ist falsch daran?
Auf den ersten Blick nichts. Aber man sieht schon jetzt, dass die Stadien teils nicht mehr ausverkauft sind. Es gibt auch ein Risiko, dass durch die viele Werbung die Zuschauerzahlen am Fernseher sinken, was dann wiederum mit sinkenden Gesamteinnahmen für die Fifa verbunden wäre.
Fussball ist kein Luxusprodukt.
Und was sagt das mit Blick auf eine weitere Ausdehnung der Vermarktung?
Entscheidend ist nicht nur, was Marketing an Umsatz bringt, sondern auch die Akzeptanz dafür in der Zielgruppe: also bei den Fans. Fussball ist kein Luxusprodukt. Der Sport muss zugänglich sein für die gesamte gesellschaftliche Breite, um attraktiv zu bleiben.
Das Gespräch führte Marco Schnurrenberger.