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Viele wollen zum Staat Jobs bei Bund und Kantonen sind heiss begehrt

Bund und Kantone erhalten viel mehr Bewerbungen als noch vor drei Jahren. Das gefällt dem Gewerbe nicht.

Wenn der Kanton Thurgau vergangenes Jahr eine Stelle ausgeschrieben hat, gingen im Schnitt 32 Bewerbungen ein. Das sind deutlich mehr als noch 2024, und es sind fast doppelt so viele wie 2023.

Auch etliche andere Kantone erhalten viel mehr Bewerbungen, wie die kantonalen Arbeitsämter gegenüber SRF bestätigen.

Vor allem KV-Stellen sind beliebt

Beispiel Schaffhausen: Dort war die Zahl der Bewerbungen zwischen 2021 und 2023 noch stabil, seither hat sie sich mehr als verdoppelt. Dabei hat der Kanton nicht mehr Stellen zu vergeben.

Personen sitzen in einem Warteraum und lesen.
Legende: Die Kantone können aus einer Vielzahl aus Bewerberinnen und Bewerbern auswählen. IMAGO / YAY Images

«Vor allem im kaufmännischen Bereich haben wir sehr viele Bewerbungen erhalten», sagt Rebekka Argenton, die Chefin des Schaffhauser Personalamtes. Bei Fachspezialisten und Führungspersonal sei es dagegen nach wie vor schwierig, Personal zu finden.

Guter Lohn, Jobsicherheit und Sinn

Eine angenehme Situation – die Kantone können aus mehr Bewerberinnen und Bewerbern auswählen. Bei der Bundesverwaltung in Bern gehen seit 2023 Jahr für Jahr rund 20'000 zusätzliche Bewerbungen ein, die Zahl offener Stellen ist seither deutlich geschrumpft. Macht unter dem Strich über 60 Prozent mehr Bewerbungen pro ausgeschriebene Stelle.

Was macht Jobs bei der öffentlichen Hand attraktiv? Die Jobsicherheit und der Schutz vor Stellenverlust werden in einer Kurz-Umfrage immer wieder genannt, ebenso die guten Löhne und die Sinnhaftigkeit.

Auch staatsnahe Betriebe wie die Swisscom, die Post und die Ruag erhalten deutlich mehr Bewerbungen als vor drei Jahren. Ebenso die SBB: Das habe in erster Linie mit der Wirtschaftslage und der gestiegenen Arbeitslosigkeit zu tun, vermutet Personalchef Adi Bucher. «Die Arbeitnehmer suchen eine sichere Arbeitgeberin. Das ist die SBB. Wir sind auf Langfristigkeit ausgerichtet.»

Die Arbeitnehmer suchen eine sichere Arbeitgeberin.
Autor: Adi Bucher Leiter Human Resources SBB

Drei Prozent beträgt die Arbeitslosigkeit in der Schweiz aktuell, so hoch war sie zuletzt während der Pandemie. Auch in den Mail-Eingängen privater Unternehmen gingen zuletzt vielerorts mehr Bewerbungen ein. So etwa bei Coop und bei ABB. Bei der Migros wiederum stagniert die Zahl.

SRF hat sich mit kantonalen Gewerbeverbänden unterhalten. Dort schaut man mit Argusaugen auf das gestiegene Interesse an Staats-Jobs. Der Staat habe mehr finanzielle Möglichkeiten, sagt Luca Jaquet, Präsident des kantonalen Gewerbeverbands Schaffhausen, etwa bessere Sozialleistungen, bessere Löhne. Zugleich könne er andere Rahmenbedingungen anbieten, etwa was die Flexibilität von Arbeitszeiten angeht.

Gleichwohl sagt er: Das Problem sei nicht akut. Das Gewerbe erhalte nicht schlechtere Bewerbungen als früher. Jedoch: «Wir stellen Abwanderungen fest. Aus dem Gewerbe wechseln Leute zum Kanton, weil dort die Anstellungsbedingungen besser sind.»

Ein Mann in einem blauen Blazer hält ein Mikrofon vor einem Büro mit mehreren Arbeitsplätzen.
Legende: Wenn die Wirtschaft schwächelt, hat er mehr Bewerbungen: SBB-Personalchef Adi Bucher. SRF

Der Run auf sichere Jobs beim Staat oder staatsnahen Betrieben – SBB-Personalchef Adi Bucher weist darauf hin, dass dies nicht immer so sei. Wenn die Wirtschaft sehr gut laufe, könne es umgekehrt sein.

«In konjunkturstarken Zeiten nehmen bei uns Bewerbungen ab», sagt er. Weil die Privatwirtschaft in vielen Bereichen höhere Löhne zahle als die SBB. Aber auch, weil bei der SBB Wochenendschichten und Nachtarbeit gefordert sind. Und das ist nicht jedermanns Sache.

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10vor10, 13.7.2026, 21:50 Uhr;weds ; 

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