Wie viel Staatspersonal gibt es in der Schweiz? Zum öffentlichen Sektor zählen die Bundes-, Kantons- und Gemeindeverwaltungen sowie öffentliche oder staatsnahe Unternehmen wie die Post oder die SBB. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) arbeiteten 2023 allein in den Kantons- und Gemeindeverwaltungen rund 615'000 Menschen. Das sind elf Prozent mehr als vor fünf Jahren. Die Zunahme übertrifft das Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent deutlich. Die Personalausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden stiegen ebenfalls, um 12 Prozent auf 60 Mrd. Franken. Allerdings: Der Anteil dieser Ausgaben am Bruttoinlandprodukt (BIP) blieb stabil, auf Bundesebene ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben gesunken.
Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vergleicht regelmässig den Anteil der Staatsangestellten an der gesamten Erwerbsbevölkerung in ihren Mitgliedsstaaten. 2023 lag dieser Anteil in der Schweiz bei 11.5 Prozent und war damit vergleichsweise tief. Im Schnitt beträgt der Anteil in den untersuchten Ländern 18 Prozent, mit höheren Werten in Ländern wie Schweden (28 Prozent), Dänemark (27 Prozent) oder Finnland (25 Prozent) und deutlich tieferen Werten in Chile (8 Prozent) oder Japan (5 Prozent).
Warum gibt es immer mehr öffentliches Personal? Danny Bürkli ist Politikwissenschaftler beim Verein Staatslabor, der die öffentliche Hand berät. Er nennt zwei Gründe: Einerseits würden Politik und Stimmbevölkerung immer mehr Leistungen bei der Verwaltung bestellen. Andererseits habe jede Organisation die Tendenz, sich «aus sich selbst heraus zu vergrössern». Das geschehe nicht aus Böswilligkeit, sagt Bürkli. Aber: «Es ist bei vielen staatlichen Aufgaben schlicht nicht evident, wie viel Personal gebraucht wird, um die Arbeit gut zu machen, weil die Wirkung oft schwierig zu messen ist.»
Welche politischen Vorstösse gibt es? Vor allem die Freisinnigen haben das Staatspersonal im Visier: Die FDP Kanton Zürich hat im Februar eine Volksinitiative dazu eingereicht. Die «Personalbremse bei der kantonalen Verwaltung» fordert, dass die kantonale Verwaltung künftig höchstens so stark wachsen darf wie die Bevölkerung.
Vergleicht man die Kernverwaltung des Kantons Zürich mit dem Bevölkerungswachstum – das ist essenziell, da die Bevölkerung das Staatswachstum finanziert –, ist die Kantonsverwaltung doppelt (...) so stark gewachsen.
Letzte Woche haben die Jungfreisinnigen mit Vertretern von GLP, Mitte, FDP und SVP die Initiative für eine Verwaltungsbremse beim Bund lanciert. Die Initianten fordern, dass die Personalausgaben des Bundes nicht stärker als der Schweizer Medianlohn wachsen dürfen – also als der Lohn, bei dem die eine Hälfte der Erwerbstätigen mehr, die andere Hälfte weniger verdient.
Es gibt den gesamten Bereich beim Staat , in dem Menschen für Menschen arbeiten. Der lässt sich nicht wegdigitalisieren.
Wird die KI das Wachstum dämpfen? Auch dank der Digitalisierung hoffe er auf ein gebremstes Wachstum beim Staat, sagt Matthias Müller, Vizepräsident der FDP Kanton Zürich, im «Eco Talk». Bei den Unternehmen sorge sie für grosse Effizienzgewinne und man müsse hoffen «dass sich das auch beim Staat auswirkt». Fabio Höhner, Generalsekretär der Gewerkschaft VPOD, gibt zu bedenken, dass diese Gewinne im Moment noch gering seien. Politikwissenschaftler Danny Bürkli verweist darauf, dass die Dienstleistungen der Verwaltung in der Schweiz auf einem hohen Niveau seien und die Schweizer Bevölkerung bei dringenden Anliegen den direkten Personenkontakt schätze.