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Vor grosser Umstrukturierung VW und der schwere Gang der Veränderung

Volkswagen muss schrumpfen, um bestehen zu können. Es geht um Versäumnisse und komplizierte Strukturen.

In diesen Stunden wird es schmerzhaft in Wolfsburg. Aufsichtsrat und Vorstand beraten über einschneidende Entscheidungen für Volkswagen. In der Berichterstattung werden erste Details herumgereicht. Ob nun tatsächlich vier Werke geschlossen und 100'000 Stellen gestrichen werden, wird erst nach Bestätigung des Unternehmens sicher sein.

Laut Autoexpertin Beatrix Keim vom Center Automotive Research (CAR) in Duisburg sei diese Zahl unseriös. 50'000 Stellen seien von Aufsichtsrat und Betriebsrat beschlossen worden, alles andere sei Spekulation.

Zweifellos ist aber, dass die Geschäfte schlecht laufen. Der operative Gewinn von Volkswagen ist im Jahr 2025 knapp um die Hälfte eingebrochen. Der Konzern hat mit dem drohenden Verbrenner-Aus in der EU, den Zöllen der USA und einem schrumpfenden Markt vor allem in China zu kämpfen.

Die goldenen Zeiten der deutschen Autoindustrie sind nicht erst in diesem Jahr vorbei. Doch erst jetzt scheint die Dringlichkeit wirklich erkannt worden zu sein.

Dass Veränderungen schleppend verlaufen, hat mit der Grösse und der Zusammensetzung des VW-Aufsichtsrats zu tun. Die Hälfte besteht aus Arbeitnehmervertretern. Gemeinsam mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen kommen sie mit zwölf von zwanzig Personen auf eine Mehrheit und können Entscheidungen blockieren. Werksschliessungen und Stellenabbau sind nicht in deren Interesse.

«Auf der einen Seite ist die Entwicklung des Marktes bis 2019 immer nach oben gegangen», sagt Beatrix Keim, die einst selbst für VW gearbeitet hat. «Hier dann Argumente zu finden, die auch die Belegschaft überzeugen, dass man vielleicht rationalisieren muss, ist sehr, sehr schwer.»

Diese Marken gehören zum VW-Konzern

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Nahaufnahme eines Logos in silberner Farbe auf einem regennassen Hintergrund.
Legende: Auch Audi, Porsche oder Seat gehören unter das VW-Dach. Keystone / CLEMENS BILAN
  • Volkswagen
  • Audi
  • Porsche
  • Cupra
  • Skoda
  • Seat
  • Bentley
  • Lamborghini
  • Ducati

Zudem habe VW China unterschätzt. Das kommunistische Land pumpt Unsummen in seine Strategie «Made in China 2025», um in einer Reihe von Technologien weltweit führend zu werden. Eine davon ist die Elektro­fahrzeug­technologie. Laut Beatrix Keim seien die Anzeichen spätestens ab 2015 zu sehen gewesen. Inzwischen haben sich chinesische Marken wie BYD etabliert und fassen auch in Europa Fuss.

Generell habe VW die Zeichen der Zeit in Bezug auf Elektromobilität nicht erkannt, auch wenn an neuen Antrieben gearbeitet worden sei. Beatrix Keim sagt: «Insgesamt wurde unterschätzt, wie sehr sich die Märkte, insbesondere in Europa, anpassen und sich zu Elektromobilität hinwenden würden. Es wurde auch unterschätzt, wie weit die Regierungen das mit Förderungen unterstützen würden.»

Die Krise von Europas grösstem Autobauer mit 663'000 Angestellten und 111 Produktionsstätten trifft nicht nur mitten ins Herz einer Nation – ist Deutschland doch das Erfinderland des Verbrennermotors. Sie wirkt sich auch international aus, da unzählige Zulieferer von Volkswagen abhängig sind.

Menschenmenge mit roten Fahnen vor einem Gebäude mit Volkswagen-Logo.
Legende: Protestaktionen an allen VW-Standorten sollen den Unmut der Belegschaft unterstützen (im Bild: Werk in Zwickau). Keystone / JAN WOITAS

Die Gewerkschaft IG Metall hat an allen Standorten des VW-Konzerns Protestaktionen angekündigt. An einer Kundgebung bei Audi in Neckarsulm haben sich nach Gewerkschaftsangaben rund 800 Menschen beteiligt. Auch in Zwickau kam es zu lautstarken Protesten. Für beide Werke wird die Schliessung kolportiert.

Beatrix Keim rechnet heute noch nicht mit wegweisenden Ergebnissen, sondern zunächst mit der Entscheidung über Projektpläne: «Wahrscheinlich wird darüber beschlossen, dass Modelle verschlankt werden, also dass man nicht mehr so viele Optionen vorhält.» Dennoch sagt auch sie: Um eine Verschlankung werde VW nicht herumkommen.

Radio SRF 1, 09.07.2026, 17 Uhr;lehl;liea

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