Das ist Barry Callebaut: Keine andere Firma der Welt liefert so viel Schokolade und Kakao wie Barry Callebaut mit Sitz in Zürich. Pro Jahr sind es rund 2 Millionen Tonnen. Den Kakao bezieht das Unternehmen indirekt von rund einer Million Bauern – von Ländern wie Ghana und der Elfenbeinküste. Jede vierte Kakaobohne der Welt läuft über die Firma. Die Kunden sind andere grosse Schokoladehersteller sowie Chocolatiers, Confiserien, Bäckereien, Hotels und Restaurants. Bei Barry Callebaut arbeiten 13'000 Personen. Kurz: Barry Callebaut ist für die Branche bedeutend, entsprechend wichtig ist der Wechsel an der Spitze.
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Bild 1 von 2. Peter Feld wird abgesetzt: Der Mann, der sich kaum in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, obwohl er den weltweit grössten Schokoladenhersteller führte. Bildquelle: Barry Callebaut.
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Bild 2 von 2. Macht er es besser? Hein Schumacher, ab Montag neuer Chef von Barry Callebaut. Bildquelle: Barry Callebaut.
Der bisherige Chef: Barry Callebaut wird seit knapp drei Jahren von Peter Feld geführt. Nun muss er quasi von einem Tag auf den nächsten gehen. Der abrupte Wechsel kann als Zeichen interpretiert werden, dass der Verwaltungsrat unzufrieden war. Unter der Führung des deutschen Managers ist Barry Callebaut in einen Abwärtsstrudel geraten. Die Aktie hat in seiner Zeit als Chef rund einen Drittel an Wert verloren.
Wenn der Chef ein Phantom bleibt: Der breiten Öffentlichkeit ist Peter Feld nahezu unbekannt. Er hatte in der Schweiz kaum Medienauftritte. Interviewanfragen wurden abgelehnt, mit der Begründung, das Unternehmen befinde sich im Umbau. Doch gerade in schwierigen Zeiten wäre Kommunikation umso wichtiger. Die Zeit von Peter Feld war geprägt von einer aggressiven Restrukturierung. Etliche Leute aus der Führung wurden ausgewechselt, dadurch ging viel Fachwissen verloren. Von den versprochenen Spareffekten ist nicht viel zu sehen, bemängelt ein Analyst.
Reaktion an der Börse: Die Ankündigung über den Abgang des glücklosen Chefs wurde an der Börse positiv aufgenommen – am Mittwoch konnte die Aktie zu Handelsbeginn um fast fünf Prozent zulegen, trotz miserabler Geschäftszahlen. Im letzten Geschäftsquartal von September bis November ist das Verkaufsvolumen konzernweit um knapp 10 Prozent eingebrochen. Die Unruhe im Betrieb und die hohen Kakaopreise haben auf das Ergebnis gedrückt.
Der Neue: Nun liegt die Hoffnung auf der neuen Führung: Ein Niederländer soll es richten. Chef wird offiziell ab nächstem Montag Hein Schumacher. Laut Medienmitteilung bringt der designierte Chef 25 Jahre Erfahrung im Nahrungsmittelsektor mit. Von 2023 bis 2025 war er Chef von Unilever, eine extrem kurze Amtszeit an der Spitze des britischen Lebensmittelgiganten. Zuvor hatte Hein Schumacher Führungspositionen bei Royal Frieslandcampina, einer der weltweit grössten Molkereigenossenschaften aus den Niederlanden.
Schwieriges Umfeld: Abgesehen von den internen Problemen kämpfte Barry Callebaut in den vergangenen Jahren auch mit dem Umfeld. Die Ernte von Kakaobohnen war in verschiedenen Ländern zum Teil miserabel. In der Folge kletterte der Kakaopreis nach oben, vorübergehend kostete eine Tonne Kakao über 10'000 Dollar – vier Mal mehr als normal. Dadurch stiegen für Barry Callebaut die Kosten, gleichzeitig sank die Nachfrage nach Schokolade, das Volumen ging zurück. In den Schweizer Läden zum Beispiel ist Schokolade in den vergangenen fünf Jahren um 24 Prozent teurer geworden. Vor allem in den USA wechseln Kundinnen und Kunden bei steigenden Schoggipreisen auf andere Süssigkeiten. Der neue Chef soll Lösungen finden und wieder mehr Ruhe in den Betrieb bringen.