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WEF 2026 – die Ausgangslage Davos wird zu «Little America»

Diese Woche findet in Davos das 56. World Economic Forum (WEF) statt. Mit dabei sind gut 3000 Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Im Fokus stehen die USA, angeführt von US-Präsident Donald Trump.

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

Wie prägen die USA das diesjährige WEF?

Thematisch und aufgrund der physischen Präsenz von US-Präsident Donald Trump. Er wirkt wie ein Magnet. Zudem führt er eine hochkarätige Delegation an: Mit dabei sind unter anderem fünf seiner Minister. Dazu werden – wie jedes Jahr – Parlamentsabgeordnete, US-Gouverneure und viele Chefs der grössten US-Konzerne anreisen. Davos wird dieses Jahr zu einem «Little America».

Welche inhaltlichen Themen stehen im Vordergrund?

Aufgrund der Dynamik in den vergangenen Tage und Stunden stehen inzwischen die Grönland-Frage und damit die transatlantischen Beziehungen im Fokus. Donald Trump wird in Davos nicht nur «Hof halten», sondern wohl auch seine geopolitischen Ambitionen weiter verteidigen. Dem gegenüber stehen die Auftritte der europäischen Regierungschefs und dem kanadischen Ministerpräsidenten, die der US-Regierung die Stirn bieten wollen. Fraglich ist, wie geeint und stark der Widerstand sein wird; gerade auch angesichts der jüngsten Drohung der USA, die Zölle auf europäische Waren wieder zu erhöhen.

Warum Trumps Auftritt dem WEF langfristig schaden könnte

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Dass US-Präsident Donald Trump am diesjährigen WEF eine derart grosse Plattform erhält, findet Thierry Malleret höchst beunruhigend. Malleret war Anfang der Nullerjahre WEF-Programmchef, hat Bücher mit Klaus Schwab geschrieben und eine Thriller-Trilogie über ein fiktives WEF herausgebracht. «Es handelt sich um einen Staatschef, der räuberische Ambitionen gegenüber dem Rest der Welt hegt und eine Agenda verfolgt, die das, was von der vorherrschenden Weltordnung noch übrig ist, vollständig zerstört.»

Trump diene als Garant für weltweite Aufmerksamkeit. Für das diesjährige WEF möge das eine gute kurzfristige Investition sein. Langfristig müssten die WEF-Organisatoren jedoch dem Globalisierungsgedanken gerecht werden, der das WEF seit jeher prägt. Eine zu sehr in der westlichen Welt verankerte Institution berge die Gefahr, dass sich nicht-westliche Länder von ihr abwenden und ihre eigenen Veranstaltungen durchführen. «Wenn das WEF in einer Welt, die zunehmend fragmentiert, nationalistisch und multipolar geprägt ist, erfolgreich sein will, muss es zu einer wahrhaft globalen Plattform werden.»

Abgesehen von den USA, welche Themen werden sonst noch in Davos diskutiert?

Dieses Jahr werden vor allem weltpolitische Themen dominieren: beispielsweise die aktuellen Entwicklungen im Iran oder die Lage in der Ukraine. Wirtschaftliche Themen dürften etwas in den Hintergrund rücken, auch wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China oder mit Europa weiterhin am Schwelen ist. Daneben dreht sich wie im Vorjahr vieles um das Thema künstliche Intelligenz.

Welche Rolle spielt der WEF-Gründer Klaus Schwab, dies nach seiner Entmachtung im vergangenen Jahr?

Klaus Schwab wird erstmals seit der Gründung keine Rolle mehr spielen. Weder wird er am Anlass teilnehmen, noch sonst in Erscheinung treten. Auch wird es keine Würdigung für sein Lebenswerk geben. Kurz, Klaus Schwab, als prägende Figur dieses Anlasses, wird komplett ausgeblendet.

Ist die Ära Schwab damit zu Ende?

Ja. Hintergrund ist seine Entmachtung im vergangenen Frühling aufgrund von anonymen Vorwürfen. Es ging dabei unter anderem um Bereicherung und fragwürdiges Führungsverhalten. Eine Untersuchung im Auftrag der neuen WEF-Führung unter Larry Fink und André Hoffmann habe allerdings keine groben Verstösse festgestellt, so das Fazit. Faktisch wurde Klaus Schwab damit rehabilitiert. Trotzdem kehrt er jetzt nicht auf die grosse WEF-Bühne zurück, auch nicht für einen offiziellen Abgang mit Ruhm und Ehre. Die Gründe dafür lassen sich von aussen nicht abschliessend klären: Stimmen aus dem Umfeld des WEF und von Klaus Schwab sagen, dass sein Nichterscheinen Bestandteil der Aufarbeitung im vergangenen Sommer gewesen sei.

Wie wird sich Klaus Schwabs Abgang auf das WEF auswirken?

Zumindest bislang sind keine Auswirkungen sichtbar. Das hat auch damit zu tun, dass das Programm und die Organisation des Anlasses schon seit Jahren von einem Führungsteam gestaltet werden. Aber dank des riesigen Netzwerkes von Klaus Schwab war das WEF stets hochkarätig besetzt. Die neue Führung wird nun beweisen müssen, dass ihr gleiches gelingt. Mit der diesjährigen, prominent besetzten Ausgabe, will die WEF-Führung zeigen, dass sie dazu fähig ist.

SRF 4 News, 18.0.12026, 9 Uhr.;liea

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