Worum es geht: Die Schweiz ist nicht mehr das wettbewerbsstärkste Land der Welt. Sie ist vom ersten auf den dritten Rang zurückgefallen. Das zeigt das neue Ranking der Lausanner Management-Kader-Schmiede IMD. Die Liste vergleicht jedes Jahr, wie attraktiv es in einem Land ist, um dort zu investieren, eine Firma zu eröffnen oder zu arbeiten. Auch andere europäische Länder – etwa Deutschland – verlieren punkto Wettbewerbsfähigkeit an Boden. Die USA dagegen steigen etwas auf und schaffen es neu in die Top 10 (siehe Tabelle).
Warum die Schweiz zurückfällt: Ausschlaggebend ist gemäss IMD vor allem die Geschwindigkeit, mit der andere wirtschaftlich starke Staaten wie Singapur und Hongkong auf Kriege, Handelszölle und andere geopolitische Schwierigkeiten reagieren. Beim Tempo der Anpassungen könne die Schweiz nicht ganz mithalten. Hier dauere es länger, um auf solche Herausforderungen zu reagieren. Aus Sicht internationaler Firmen ist die Schweiz ausserdem ein teures Pflaster wegen der hohen Lebenshaltungskosten und Löhne und beispielsweise auch der Büromieten und der Stromkosten für Firmen.
Studienleiter und Ökonom Arturo Bris vom IMD sieht sogar die Gefahr, dass die Schweiz in Sachen Wettbewerbsfähigkeit weiter abgleiten könnte von ihrer angestammt hohen Position. Lange Zeit habe das Land von seiner Stellung «halb in Europa, halb draussen» profitiert. Das funktioniere nun aber immer weniger. Zudem warnt er: «Die Schweiz spielt international im technologischen Wettrennen kaum mehr eine Rolle.»
Was andere Länder besser machen: In einigen Staaten Asiens und des Nahen Ostens haben gemäss IMD die Regierungen wirksame Programme, um ihre Volkswirtschaften zu stärken, etwa als Standort für technisch führende Unternehmen. Sehr wichtig sei dabei das Wettrennen um die Künstliche Intelligenz (KI). Es spiele sich praktisch ausschliesslich zwischen den USA und China ab – und ohne die Europäer.
Wo die Schweiz punktet: Schweizer Stärken sind Rechtssicherheit, stabile öffentliche Finanzen (wenig Schulden), relativ niedrige Steuern, eine verlässliche Infrastruktur sowie das ausgezeichnete Bildungssystem, einschliesslich der Berufsbildung. Diese Pluspunkte machen die Schweiz langfristig attraktiv als Firmenstandort. Kommt dazu: Noch nicht eingeflossen ins IMD-Ranking sind die Folgen des Iran-Kriegs. Die Daten für Studie stammen aus der Zeit davor. Im internationalen Vergleich ist die Schweizer Wirtschaft aber nicht so stark betroffen von höheren Öl- und Gaspreisen wegen des Kriegs. Auch dies dürfte der Schweiz im nächsten IMD-Ranking helfen.